Bei Sportwagen ist das mit dem Spritsparen so eine Sache – die Kundschaft verlangt hier eher höchste Dynamik als höchste Effizienz. Beim überarbeiteten Klappdach-Roadster Mercedes SLK, der von April 2008 an bei den Händlern steht, soll es aber beides geben.

Die größten Änderungen verbirgt der Roadster unter dem Blech. Mit dem komplett überarbeiteten Sechszylinder-Motor des SLK350 will Mercedes jetzt in eine Domäne eindringen, die seit jeher von BMW dominiert wird: Es geht um das Hochdrehzahlkonzept.

Bisher setzte Mercedes bei der Leistungssteigerung vor allem auf die Aufladung per Kompressor. Prinzipiell bieten sich im Motorenbau drei Wege an, um hohe Leistung zu realisieren: mehr Hubraum und damit einhergehend ein höheres Drehmoment, Leistungssteigerung durch Aufladung mittels Turbolader und Kompressor oder eben die Erhöhung der Drehzahl. Der Vorteil dieser Technik liegt vor allem in der Gewichtseinsparung, da keine zusätzlichen oder schwereren Bauteile benötigt werden. Das bringt Vorteile bei der Fahrdynamik.

Allerdings wird die Konkurrenz bei den Daten des 3,5-Liter-V6 nicht in Ehrfurcht erstarren. Der neue Antrieb im SLK350 leistet 305PS bei 6500 U/min, die Höchstdrehzahl gibt Mercedes mit 7200 Touren an. Wo der SLK350 abregelt, hat der Reihensechszylinder des BMW Z4M noch nicht einmal seine Höchstleistung erreicht: Der BMW-Motor entwickelt seine 343PS erst bei 7900 Umdrehungen. Und auch beim Wettbewerber Audi versteht man unter Hochdrehzahlkonzept etwas anderes. Der 4,2-Liter-V8 im Audi S5 beispielsweise leistet 354PS bei 7000 U/min.

Alles heiße Luft also? Nicht ganz. Denn Daimlers neuer Sechszylinder soll trotz 33 Mehr-PS beim Verbrauch einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht haben. Ganze 1,1 Liter weniger verspricht Mercedes. Mit dem serienmäßigen Sechsgang-Schaltgetriebe genehmigt sich der SLK350 durchschnittlich 9,5 Liter auf 100 Kilometer. Auch wenn man ihre höhere Leistung berücksichtigen muss: Davon könnten sich die hochdrehenden Motoren im Z4M (12,1 Liter) und im S4 (12,4 Liter) eine Scheibe abschneiden.


Um die neue Sportlichkeit aus dem Hause Mercedes auch nach außen zu transportieren, haben die Designer die Optik des SLK überarbeitet. Die geänderte Frontschürze rückt mit ihrer ausgeprägten Pfeilform die SLK-Nase jetzt noch näher in Richtung Formel1. Und auch mit den angedeuteten Finnen an der Heckschürze, die wie ein Diffusor aussehen, aber nicht so wirken, zielt die Designabteilung auf das Thema Rennsport. Ob das bei der bislang durchschnittlich 54,8 Jahre alten Mercedes-Kundschaft genauso gut ankommen wird wie bei der offensichtlich angepeilten jüngeren Klientel, wird sich zeigen.


Ein Fortschritt für alle Käufer verspricht zumindest die neue Direktlenkung zu werden. Als Extra (im SLK55AMG serienmäßig) gibt es sie für alle Motorisierungen. Kern der neu entwickelten Lenkung mit variabler Lenkkraftunterstützung ist eine spezielle Zahnstange. Rund um die Mittellage ist die Lenkung für stabilen Geradeauslauf bei hohen Geschwindigkeiten indirekt übersetzt. Mit engeren Kurvenradien spricht sie immer direkter an. Im Gegensatz zu BMW und Audi verwirklicht Mercedes dies rein mechanisch, ohne elektrische Stellmotoren und ohne aufwendige Sensorik.