Die Ankündigung des neuen Museums erinnert ein wenig daran, wie es ist, wenn in einer belebten Straße gleich neben dem alteingesessenen Gemüseladen ein durchgestylter Supermarkt aufmacht. Nur dass in diesem Fall nicht frisches Gemüse, sondern historische Wahrheiten verkauft werden sollen. Am früheren Grenzkontrollpunkt Checkpoint Charlie will Kultursenator Klaus Lederer (Linke) ein Museum über die Zeit der deutschen Teilung aufbauen. Der von der öffentlichen Hand getragener Bildungs- und Erinnerungsort will die Deutungshoheit übernehmen.

Im alteingesessenen Mauermuseum reagiert man natürlich gereizt auf die drohende Konkurrenz. Das privat geführte Haus am Checkpoint Charlie ist ein überaus erfolgreiches Geschäftsmodell geworden. Was kaum verwundert, denn die Laufkundschaft besteht aus Touristen, die an diesem legendären Schnittpunkt des Kalten Krieges ziemlich alleingelassen werden. Das 1962 eröffnete Mauermuseum bietet ihnen zumindest Einblicke in die Fluchtgeschichten, auf welch abenteuerliche Weise Menschen aus der DDR über die Mauer in den Westen gelangten.

Es ist gut, dass es dieses Museum gibt. Aber der Kalte Krieg war mehr als Fluchtgeschichten. Vor fast drei Jahrzehnten ist die Mauer gefallen. Insofern ist begrüßenswert, wenn die Berliner Politik ein Museum im Sinn hat, das deutsch-deutsche Biografien erzählt und politische Hintergründe aufdeckt. Jüngere Generationen und ausländische Touristen können diese Hilfestellung gebrauchen. Mag sein, dass das Mauermuseum Besucherverluste hinnehmen muss. Was es an dem Ort aber nicht geben darf, ist ein Geschichtsmuseum, das die damalige Unfreiheit im Osten relativiert. Eines sollte klar sein: Deutsche Geschichte ist kein Selbstbedienungsladen.

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