Checkpoint Charlie

Senator Lederer will ein Museum über die Teilung Berlins

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Lorenz Vossen
Der Checkpoint Charlie zwischen Schautafeln, Imbissbuden und DDR-Devotionalien

Der Checkpoint Charlie zwischen Schautafeln, Imbissbuden und DDR-Devotionalien

Foto: Maurizio Gambarini

Das neue Museum am Checkpoint Charlie soll in einem geplanten Bürogebäude entstehen. Doch vor Ort reagiert man mit Feindseligkeit.

Berlin. Wer am Checkpoint Charlie etwas über die deutsche Teilung erfahren will, ist zwischen Imbissbuden, DDR-Devotionalien und Schauspielern in Soldatenuniform einigermaßen überfordert. Touristen suchen hier die Mauer – und finden eine nachgebaute Kontrollbaracke. Einzig ein paar Schautafeln und das Haus am Checkpoint Charlie informieren an der Friedrichstraße über die Zeit zwischen 1961 und 1989.

Neue Pläne für den Checkpoint Charlie

Vor allem Letzterem will der Senat offenbar nicht die Deutungshoheit über den wichtigsten Teil der jüngeren deutschen Geschichte überlassen. Am Freitag teilte Kultursenator Klaus Lederer (Linke) mit, dass er den Checkpoint Charlie, wo sich am 27. Oktober 1961 amerikanische und sowjetische Panzer schussbereit gegenüberstanden, erlebbarer machen will. Er plane, am ehemaligen Grenzübergang ein Museum über die Zeit der deutschen Teilung und des Kalten Krieges aufzubauen. „In Berlin“, so Lederer, „fanden sich – wie unter einem Brennglas gebündelt – alle Folgen des Kalten Krieges, der Konfrontation zweier Ideologien, zweier Mächte, zweier Systeme.“ Heutzutage müsse es darum gehen, nachfolgenden Generationen Geschichte so zu vermitteln, dass sie daraus lernen könnten.

Seit 28 Jahren, so beklagen sie bei der Stiftung Berliner Mauer, fehle dem Checkpoint ein klares Gestaltungskonzept. Mit seinem Vorstoß folgt der Senator nun dem Koalitionsvertrag von Rot-Rot-Grün. Man werde am früheren Grenzübergang einen „Bildungs- und Erinnerungsort“ entwickeln, heißt es dort. Schon unter der vormaligen rot-schwarzen Koalition stand die Idee zur Debatte, allein zur Umsetzung kam es nicht.

Noch keine Details zu Zeitplan und Kosten

Das neue Museum soll nun in einem geplanten Bürogebäude entstehen, 3000 Quadratmeter Fläche wurden mit einem Investor vereinbart. Der Checkpoint Charlie sei ein herausragender historischer Ort für Erinnerungskultur und historische Bildung, begründet Lederer die Standortwahl. Details zu Zeitplan und Kosten gibt es noch nicht. Fest steht, dass das Ausmaß der Grenzübergangsstelle in Zukunft deutlicher werden, ein „urbaner Platz mit Freiflächen“ entstehen soll. Dass die Ausstellung über den Kalten Krieg und die Teilung im Untergeschoss des Bürogebäudes gezeigt werden soll, stört manche, nicht aber Axel Klausmeier, Direktor der Mauer-Stiftung. Man müsse eben von außen auf sie aufmerksam machen.

Vor Ort gibt es Widerstand

Im Haus am Checkpoint Charlie reagiert man auf die Pläne mit Ablehnung. Das private Museum, das bereits zwei Jahre nach dem Mauerbau gegründet wurde und mit mehr als 800.000 Besuchern zu den am stärksten besuchten Museen in der Stadt zählt, beschäftigt sich vor allem mit dem Thema Flucht. Experten kritisieren, es würde sich zu sehr mit der Seite der Opfer beschäftigen, es sei zu einseitig. „Wir dokumentieren nur, wir sind eine Institution“, sagt Alexandra Hildebrandt. Die Direktorin des Hauses am Checkpoint Charlie stammt selbst aus dem Osten. Was Senator Lederer plane, interessiere niemanden, da „es niemanden interessiert, was Herrn Lederer interessiert.“ Ein Museum über den Kalten Krieg sei für das Land Berlin eine Nummer zu groß, wenn überhaupt müsse hier der Bund aktiv werden. Richtiger sei aber, am Checkpoint der Mauer-Toten zu gedenken, statt ein weiteres Bürogebäude mit einem Museum darin zu bauen.

Aus terminlichen Gründen konnte sich Lederer am Freitag zu den Vorwürfen nicht äußern. Tatsächlich scheint die Kritik nicht nur ideologisch motiviert, das Haus am Checkpoint Charlie steckte zuletzt in Schwierigkeiten. Ende letzten Monats wurde ein ehemaliger Abteilungsleiter zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt, da er über Jahre Gelder veruntreut und mehr als 200.000 Euro für sich abgezweigt hatte – um seine Spielsucht zu finanzieren.

In der Berliner Opposition reagiert man mit gemischten Gefühlen. „Es ist hilfreich, etwas zum Kalten Krieg zu zeigen, deswegen kommen die Leute ja nach Berlin“, sagt der kulturpolitische Sprecher der CDU, Robbin Juhnke. Das neue Museum könne eine gute Ergänzung zum Haus am Checkpoint Charlie sein. Juhnke verweist aber darauf, dass nicht der Eindruck entstehen dürfe, dass Kalter Krieg und Mauerbau eine Entwicklung darstellten, die man so nicht hätte verhindern können. Und dass mit Lederer ein Linke-Senator das Thema verantworte, werde sicherlich noch Gegenstand von Diskussionen sein.

Beim Koalitionspartner SPD sieht man indes die Chance, den als „Disneyland“ verschrienen Checkpoint Charlie aufzuwerten. „Das Museum könnte dazu führen, dass der Kommerz dort nicht mehr so im Vordergrund steht“, sagt deren kulturpolitischer Sprecher Frank Jahnke. Dagegen hätten sie selbst im Haus am Checkpoint Charlie nichts einzuwenden, auch wenn man den Kommerz natürlich nie vertreiben könne.

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