Kommentar

Das Einheitsdenkmal wird von Politikern verschleppt

Es kann nicht sein, dass durch den Geschmack einzelner Politiker, die Einheitsdenkmal-Eröffnung unmöglich wird, meint Joachim Fahrun.

Joachim Fahrun / Berliner Morgenpost

Joachim Fahrun / Berliner Morgenpost

Foto: Reto Klar

Es klingt einleuchtend: Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls gönnt sich Deutschland ein Monument, das an die glücklichsten Tage der jüngeren Geschichte erinnert. Aber dazu wird es nicht kommen und dieses Land wartet weiter auf ein Denkmal der Anerkennung für die Friedliche Revolution in der DDR, der wir die Einheit in Freiheit verdanken.

Manche argumentieren, man brauche kein solches Denkmal und schon gar nicht in Berlin, weil doch eher Leipzig mit den Montagsdemonstrationen der Ort des friedlichen Umsturzes gewesen sei. Natürlich gibt es Menschen, die sich etwas anderes wünschen als den Entwurf von Johannes Milla.

Jedoch hat der sich mit seiner Idee einer begehbaren Waage in einem umfänglichen Wettbewerbsverfahren durchgesetzt. Der Gedanke, dass Menschen gemeinsam Dinge in Bewegung bringen, wenn sie sich zusammen für eine Seite entscheiden, hat die Juroren überzeugt.

Grütters und die Berliner BEhörden verschleppen den Denkmal-Bau

Nach langem Hin und Her kann Milla auf Beschlüsse des deutschen Bundestages verweisen. Geld ist eingeplant, der Standort auf dem Sockel des früheren Kaiser-Wilhelm-Denkmals vor dem Stadtschloss bestätigt. In der Sache spricht nicht wirklich etwas dagegen, sofort loszulegen. Jedoch gewinnt man den Eindruck, dass das Haus der Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und die beteiligten Berliner Behörden das Werk verschleppen, was nicht nur an bürokratischer Trägheit liegen kann.

Grütters hatte sich ebenso wie Berlins Linke-Senatoren Klaus Lederer (Kultur) und Katrin Lompscher (Bau) gegen das Einheitsdenkmal ausgesprochen und einen „Neustart“ der Debatte gefordert. Jetzt ist eine symbolträchtige Eröffnung zum Mauerfall-Jubiläum unmöglich geworden. So dürfen Behörden nicht agieren.

Wenn Grütters oder andere die Waage nicht wollen, dann sollen sie eine neue Entscheidung herbeiführen. Aber es kann nicht sein, dass der persönliche Geschmack einzelner Politiker schwerer wiegt als ein demokratisch gefasster Beschluss des deutschen Parlaments.

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