Kommentar

Damit Schulen keine Horrorhäuser werden, bitte loslegen!

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Isabell Jürgens
So wie diese Schule sollen Berlins Schulen nach der Schulbauoffensive nicht mehr aussehen (Archiv)

So wie diese Schule sollen Berlins Schulen nach der Schulbauoffensive nicht mehr aussehen (Archiv)

Foto: Jens Kalaene / dpa

Berlins Schulbauoffensive muss jetzt umgesetzt werden. Doch schon bei der Vorstellung macht etwas misstrauisch, meint Isabell Jürgens.

In Berlin wurde gerade in der vergangen Woche ein sogenanntes Horrorhaus geräumt, weil die Wohnbedingungen in der völlig vernachlässigten Immobilie menschenunwürdig waren. Fenster, die aus ihren morschen Rahmen fallen, Wasser im Keller, schimmlige Wände, herabstürzende Zwischendecken und defekte Sanitäranlagen finden sich aber leider nicht nur in den Gebäuden profitgieriger Immobilienspekulanten oder überforderter Hauseigentümer –, sondern auch in Berliner Schulen.

Auch dort lernen und lehren Schüler und Lehrer teils unter Lebensgefahr. Das ist durchaus keine Übertreibung, wie zuletzt der Vorfall im November vergangenen Jahres zeigte, als im Foyer der Spandauer Carlo-Schmid-Sekundarschule großflächig die Zwischendecke herabstürzte und nur deshalb niemand Schaden nahm, weil gerade Herbstferien waren.

Die Erwartungen an die Schulbauoffensive sind hoch

Angesichts des enormen Sanierungsstaus, der sich in den vergangenen Jahren aufgebaut und dazu geführt hat, dass viele unserer Kinder in völlig vergammelten Gebäuden unterrichtet werden, scheint die Summe von 5,5 Milliarden Euro, die in den kommenden zehn Jahren in Sanierung und Neubau von Schulen fließen sollen, keinesfalls zu hoch gegriffen.

Und es ist gut, dass der Senat nun endlich den Sanierungsfahrplan vorgelegt hat. Damit wird für Lehrer, Schüler und Eltern erstmals transparent gemacht, was, wann und an welcher Schule in Angriff genommen werden soll. Die Erwartungen an die von Rot-Rot-Grün groß angekündigte Schulbauoffensive sind entsprechend hoch. Jetzt müssen die Bauabteilungen des Senats, der Bezirke und der für größere Bauvorhaben ins Boot geholten Howoge aber auch schleunigst liefern.

Misstrauisch macht, dass für den ersten Controlling-Bericht nicht alle zwölf Bezirke die geforderten Unterlagen rechtzeitig beibringen konnten. Das ist hoffentlich kein schlechtes Omen, denn ein Scheitern können sich weder der Senat noch die Bezirke leisten.

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