Wann hat es das je gegeben? Ein amtierender Festivalchef wird nur drei Monate vor der neuesten Ausgabe von lauter Filmschaffenden kritisiert – viele darunter, die auf eben diesem Festival groß geworden sind. Das Ganze wurde medial zu einem wahren Kosslick-Bashing verzerrt. Und schlug so hohe Wellen, dass die Berlinale auch international plötzlich als „unsicheres“ Festival galt. Von Anfang an standen die 68. Berliner Filmfestspiele deshalb quasi unter Beobachtung. Dieter Kosslick musste beweisen, dass er „es“ als Festivalchef noch kann. Und die Kritiker lauerten auf jeden Hinweis, dass ihre Kritik nicht gänzlich unberechtigt war. Wie kann man unter solchen Umständen business as usual machen?

Aber, das ist die Überraschung dieses Festivals, das mit der Bären-Verleihung heute Abend zu Ende geht (am Sonntag ist nur noch Publikumstag): Es war eine ganz normale Berlinale. Sie lief schon rein organisatorisch rund, was wirklich keine Selbstverständlichkeit ist, da doch der ganze Festivalapparat von der Debatte um Kosslick tief getroffen und, vor allem, stark verunsichert wurde. Aber nein, alles lief bestens, alle waren guter Laune.

Das Festival hat außerdem eine Plattform für eine ganz andere Debatte geboten, #MeToo. Das zeigt einmal mehr, dass das Festival für Toleranz und Vielfalt steht. Es wurden über 4000 Tickets mehr verkauft als im Vorjahr. Das zeigt, dass Kino und Festivals trotz aller Streamingdienste als soziales Ereignis immer noch wichtig und unersetzlich sind.Und dann schien sogar die Sonne. Nichts da von den Schneegestöbern, die sonst pünktlich zum Festival über der Hauptstadt wüten.

Das sind die Stars der großen Bären-Gala

Anke Engelke moderiert die große Bären-Gala. Mit auf der großen Bühne: Bill Murray.
Anke Engelke moderiert die große Bären-Gala. Mit auf der großen Bühne: Bill Murray.© REUTERS | FABRIZIO BENSCH
Er nahm stellvertrtend den Silbernen Bären für Wes Anderson entgegen, der als bester Regisseur ausgezeichnet wurde.
Er nahm stellvertrtend den Silbernen Bären für Wes Anderson entgegen, der als bester Regisseur ausgezeichnet wurde.© Getty Images | Thomas Niedermueller
Murray hatte schon auf dem roten Teppich...
Murray hatte schon auf dem roten Teppich... © REUTERS | HANNIBAL HANSCHKE
... den Fans gutaufgelegt Autogramme gegeben.
... den Fans gutaufgelegt Autogramme gegeben.© REUTERS | HANNIBAL HANSCHKE
Adina Pintilie (2.v.l.) wurde für ihren umstrittenen Debüt-Film „Touch me Not“ mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.
Adina Pintilie (2.v.l.) wurde für ihren umstrittenen Debüt-Film „Touch me Not“ mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.© REUTERS | FABRIZIO BENSCH
Ana Brun wurde als beste Schauspielerin mit einem Bären geehrt.
Ana Brun wurde als beste Schauspielerin mit einem Bären geehrt.© REUTERS | FABRIZIO BENSCH
Antony Bajon erhilelt den Silbernen Bären als bester Schauspieler.
Antony Bajon erhilelt den Silbernen Bären als bester Schauspieler.© REUTERS | FABRIZIO BENSCH
Mit Bären geehrt: Adina Pintilie, Marcelo Martinessi, Bill Murray und Alonso Ruizpalacios (v.l.n.r.)
Mit Bären geehrt: Adina Pintilie, Marcelo Martinessi, Bill Murray und Alonso Ruizpalacios (v.l.n.r.)© REUTERS | FABRIZIO BENSCH
Unter den Gästen: Iris Berben mit ihrem Freund Heiko Kiesow
Unter den Gästen: Iris Berben mit ihrem Freund Heiko Kiesow© dpa | Britta Pedersen
Ebenfalls blendend aufgelegt: Marie Bäumer
Ebenfalls blendend aufgelegt: Marie Bäumer © dpa | Jens Kalaene
Gael Garcia Bernal
Gael Garcia Bernal© dpa | Britta Pedersen
Festival-Chef Dieter Kosslick
Festival-Chef Dieter Kosslick© dpa | Britta Pedersen
Und schon steht er mit Anke Engelke auf der Bühne.
Und schon steht er mit Anke Engelke auf der Bühne.© Getty Images | Thomas Niedermueller
Jury-Präsident Tom Tykwer mit seiner Frau Marie Steinmann
Jury-Präsident Tom Tykwer mit seiner Frau Marie Steinmann© dpa | Britta Pedersen
Annabelle Mandeng and Tanja Bülter (v.l.n.r.)
Annabelle Mandeng and Tanja Bülter (v.l.n.r.)© Getty Images | Adam Berry
Tagesschau-Sprecher Jan Hofer und seine Lebensgefährtin Phong Lan
Tagesschau-Sprecher Jan Hofer und seine Lebensgefährtin Phong Lan© dpa | Britta Pedersen
Julia Zange
Julia Zange© REUTERS | HANNIBAL HANSCHKE
Im Blitzlichtgewitter
Im Blitzlichtgewitter© REUTERS | HANNIBAL HANSCHKE
Cecile de France, Schauspielerin und Jury-Mitglied
Cecile de France, Schauspielerin und Jury-Mitglied© REUTERS | HANNIBAL HANSCHKE
Peter Simonischek und seine Frau Brigitte
Peter Simonischek und seine Frau Brigitte© dpa | Britta Pedersen
Regisseur Detlev Buck
Regisseur Detlev Buck© Getty Images | Matthias Nareyek
Protest: Franziska Petri kam mit einer Tüte auf dem Kopf.
Protest: Franziska Petri kam mit einer Tüte auf dem Kopf. © REUTERS | HANNIBAL HANSCHKE
Darauf zu sehen ist der russische Regisseur Kirill Serebrennikov, der nicht zur Berlinale reisen durfte. Auf ihrem T-Shirt steht „I have to stay at home“.
Darauf zu sehen ist der russische Regisseur Kirill Serebrennikov, der nicht zur Berlinale reisen durfte. Auf ihrem T-Shirt steht „I have to stay at home“.© Getty Images | Matthias Nareyek
Carla Nieto und ihr Freund Leonardo Ortizgris
Carla Nieto und ihr Freund Leonardo Ortizgris© Getty Images | Matthias Nareyek
Jury-Mitglied Ryuichi Sakamoto
Jury-Mitglied Ryuichi Sakamoto© Getty Images | Matthias Nareyek
Franz Rogowski
Franz Rogowski© dpa | Jens Kalaene
Regisseurin Malgorzata Szumowska
Regisseurin Malgorzata Szumowska© dpa | Britta Pedersen
Malgorzata Gorol
Malgorzata Gorol© dpa | Jörg Carstensen
Bernardo Velasco
Bernardo Velasco© Getty Images | Matthias Nareyek
Das sind die begehrten Trophäen.
Das sind die begehrten Trophäen.© REUTERS | FABRIZIO BENSCH
Im Berlinale Palast am Potsdamer Platz wurden die Bären verliehen.
Im Berlinale Palast am Potsdamer Platz wurden die Bären verliehen.© dpa | Jörg Carstensen

Eine ganz normale Berlinale: Das war sie freilich auch, was das Programm betrifft. Dieses Jahr fiel nicht so enttäuschend aus wie das vergangene, wo es stark an Stars mangelte und auch die Filmauswahl, vorsichtig ausgedrückt, nicht geglückt war. Nein, das 68. Festival verlief wie so viele Kosslick-Berlinalen zuvor, die ganz stark beginnen, aber ab der Hälfte ins Stocken geraten und langsam ausplätschern. Auch wenn das Bashing gegen seine Person vollkommen überzogen war: Den einen Vorwurf muss Kosslick sich schon gefallen lassen: dass er kein gutes Händchen in der Auswahl seiner Filme hat.

Pech für ihn, dass die Berlinale in diesem Jahr so nah vor dem Oscar liegt wie noch nie. Hollywood nach Berlin zu locken, war da fast aussichtslos. Wäre ihm am Ende nicht noch ein echter Coup geglückt – mit den allerletzten Wettbewerbsfilmen, vor allem mit einem Star, der nicht aus dem Film-, sondern aus dem Pop-Bereich kam –, dann wäre die Bilanz wohl sehr verhalten ausgefallen.

Die Ironie will es, dass ausgerechnet der deutsche Film, der vorab so unisono die Berlinale kritisierte, das Festival in diesem Jahr gerettet hat. Vier deutsche Beiträge im Wettbewerb, das ist vielleicht ein bisschen zu viel des Guten, wurde moniert. Das sah so aus, als hätte der Festivalchef sonst gar nichts anderes mehr bekommen. Aber tatsächlich waren sie mit die stärksten Beiträge in diesem insgesamt doch eher durchschnittlichen Programm.

Dieter Kosslick hat mit seiner 17. Berlinale schon bewiesen, dass er es noch kann. Seine Kritiker dürfen sich aber auch bestätigt fühlen. Noch eine Berlinale wird der 69-Jährige leiten, bevor sein Vertrag ausläuft. Er ist dann das, was man im Amerikanischen eine „lame duck“ nennt. Er wird dann aber wohl eine Carte Blanche ausspielen können. Die Debatte über seine Nachfolge, man hat sie während des Festivals hintangestellt. Ab morgen wird sie wohl wieder geführt werden. Denn schon im Sommer soll über die Nachfolge entschieden werden.

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