Kommentar

S-Bahn-Probleme sind schlimmer für Berlin als der BER

Die Stadt muss Verantwortung übernehmen. Ein Versagen ist für Berlin dramatischer als der nicht startende BER, meint Joachim Fahrun.

Die Ringbahn S42

Die Ringbahn S42

Foto: dpa Picture-Alliance / Paul Zinken / picture alliance / Paul Zinken/d

Die S-Bahn bildet das Rückgrat des Berliner Verkehrssystems. Die S-Bahn-Krise von 2009 und den Folgejahren hat mit Wucht deutlich gemacht, wie stark Ausfälle in diesem System das Alltagsleben von Hunderttausenden Berlinern einschränken. Dagegen sind ein nicht funktionierender BER und überlastete Bestandsflughäfen gar nichts. Auch Autofahrer würden massiv leiden, wenn auch nur ein Teil der S-Bahn-Nutzer auf die Straßen ausweichen müsste.

Die Zukunft der S-Bahn muss deshalb für die rot-rot-grüne Koalition ein Topthema sein. Die Berliner Politik steht vor einer Richtungsentscheidung, wenn es jetzt um die Vergabe der Nord-Süd und der Ost-West-Strecken geht. Macht es Sinn, auf den Schienen der Deutschen Bahn mehrere Fahrdienstleister verkehren zu lassen? Und soll die Stadt selbst die eigens für Berlin anzufertigenden Fahrzeuge kaufen oder diese Aufgabe den Betreibern oder privaten Finanzierungsgesellschaften überlassen?

Aus Sicht der Fahrgäste muss man gegen kühne Experimente sprechen. Womöglich drei Fahrdienstleister, ein Infrastrukturbesitzer und eine private Fuhrparkgesellschaft auf einem System: Darüber können sich nur die Juristen freuen. Stattdessen sollte der Senat selbst Verantwortung übernehmen für die wichtigste Verkehrsinfrastruktur. Berlin ist inzwischen reich genug, um selbst die Wagen zu kaufen und die Bürger nicht noch die Rendite eines privaten Finanziers bezahlen zu lassen.

Die Stadt sollte darauf bestehen, an einer S-Bahn-Betriebsgesellschaft beteiligt zu werden. So könnte sie eine auf maximalen Gewinn setzende Geschäftspolitik verhindern, wie sie die auf den Börsengang getrimmte Bahn vor 2009 verbrochen hatte. Niemand versteht, warum Berlin zwar die BVG betreiben, bei der S-Bahn aber nur Besteller sein darf. Dabei geht es bei der S-Bahn nicht um Kosten, sondern um die Grundlage der Lebensqualität aller Berliner und vieler Brandenburger.

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