Kommentar

Berlin muss der S-Bahn nach Ausfall richtig Druck machen

Die Politik muss die Bahn bei Ausfällen sanktionieren können, meint Thomas Fülling. Denn anders wird sie sich nicht ändern.

Berlin. Was die S-Bahn ihren Kunden am Dienstag zugemutet hat, war schon ein starkes Stück. Ausgerechnet an einem frostigen Morgen mit eisigem Wind und Minusgraden bricht der Zugverkehr in weiten Teilen des Netzes zusammen. Zehntausende Berufspendler kamen zu spät zur Arbeit, andere verpassten ihren Arzttermin oder kamen zu spät zum Flieger.

Der Auslöser für den morgendlichen Verkehrsinfarkt war so simpel wie unverständlich. Bei Wartungsarbeiten in der Nacht war es in der S-Bahn-Betriebszentrale in Halensee zu einem Stromausfall gekommen, der gut die Hälfte der Rechner lahmlegte. Und da auch bei der Eisenbahn ohne Elektronik inzwischen kaum noch etwas funktioniert, fielen auch noch zwei wichtige Stellwerke aus. Das Chaos war perfekt.

Schon seit Monaten häufen sich im S-Bahnverkehr Meldungen über Stellwerksausfälle und Signalstörungen. Ein Teil der Probleme hängt sicher damit zusammen, dass die Bahn jahrelang zu wenig in ihre Infrastruktur investiert hat. Doch die aktuellen Ausfälle sind damit nicht zu erklären, betreffen sie doch Bereiche, die erst vor Kurzem mit neuester Technik ausgestattet wurden.

Die S-Bahn hatte Besserung versprochen - aber nichts eingehalten

Der Stromausfall in Halensee hätte zudem nie passieren dürfen. Nach einem ähnlichen Blackout vor fast genau sechs Jahren hatte die Bahn hoch und heilig versprochen, genügend Reserven und Sicherheiten im System zu schaffen. Das ist ganz offensichtlich nicht erfolgt.

Zuständig für die Infrastruktur ist die bundeseigene Bahntochter DB Netz. Fernab wütender Fahrgäste scheint dort das Qualitätsmanagement offenbar nicht allzu ausgeprägt zu sein. Hier muss die Berliner Politik dringend handeln. Appelle allein reichen nicht. Fallen Weichen oder Signale aus, muss DB Netz dafür mit Geldstrafen finanziell genauso zur Verantwortung gezogen werden wie die S-Bahn für ausgefallene Züge. Die Fahrgäste, die fast 100 Euro für eine Monatskarte zahlen, haben ein solches Druckmittel leider nicht.