Berliner Nordosten

Bau-Verzug bei der S-Bahn am Karower Kreuz

Die ab 8. Januar geplante Vollsperrung der S-Bahn in Pankow hat die Bahn abgesagt. Der Regionalexpress 3 wird länger umgeleitet.

Zwischen Karow und Pankow werden Schallschutzwände in einer Länge von fast 8,5 Kilometern entlang der Bahnstrecke aufgebaut

Zwischen Karow und Pankow werden Schallschutzwände in einer Länge von fast 8,5 Kilometern entlang der Bahnstrecke aufgebaut

Foto: dpa Picture-Alliance / Jörg Carstensen / picture alliance / Jörg Carstens

Berlin. Des einen Leid ist des anderen Freud. So könnte die aktuelle Botschaft der Deutschen Bahn für viele Berufspendler im Berliner Nordosten lauten. Denn während Tausende Berufspendler, die jeden Tag mit Regionalzügen zwischen dem Umland und Berlin unterwegs sind, weiter eine Umleitung und damit eine längere Fahrzeit in Kauf nehmen müssen, können sich Zehntausende S-Bahn-Kunden erst einmal freuen. Ihnen bleiben sieben Wochen nerviger Schienenersatzverkehr erspart – zumindest vorerst.

Denn das aktuell wichtigste Bauprojekt der Bahn in Berlin und Brandenburg, der Umbau des Karower Kreuzes, ist erheblich ins Stocken geraten. Der Bahntochter DB Netz hat jetzt kurzfristig die ab dem 8. Januar bis Ende Februar 2018 geplante Vollsperrung der S-Bahn-Verbindungen zwischen Karow und Pankow (Linie S2) sowie zwischen Birkenwerder und Pankow (S8) abgesagt. Einen neuen Zeitplan gibt es noch nicht, heißt es.

Rund 80.000 S-Bahn-Kunden, die auf der Strecke täglich unterwegs sind, werden sich über diese Mitteilung aber sicher freuen. Waren sie doch bereits im November und Dezember gut fünf Wochen lang gezwungen, auf den berühmt-berüchtigten Schienenersatzverkehr (SEV) auszuweichen. Der war zwar etwas besser organisiert als bei der Sperrung im Jahr zuvor, doch bescherte er ihnen dennoch Fahrzeitverlängerungen von bis zu 40 Minuten pro Strecke. Hinzu kam das ungemütliche Warten und Umsteigen auf zugigen und kalten Bahnsteigen.

Zumindest letztere Begleitumstände könnten den S-Bahn-Nutzern bei der nächsten Sperrung erspart bleiben. Um weitere Risiken im Bauablauf am Karower Kreuz zu vermeiden, werden die Hauptarbeiten nun außerhalb der Wintermonate geplant, teilte die Bahn mit. Wann genau es weitergeht, ist allerdings noch offen. Denn es gibt im Unternehmen durchaus gegensätzliche Interessen. S-Bahn-Chef Peter Buchner will die nächste Vollsperrung gern in die Zeit der erfahrungsgemäß verkehrsschwächeren Schulferien verschieben. Die Bahntochter DB Regio, die die von den Sperrungen am Karower Kreuz betroffenen Regionalexpresslinie RE3 (Berlin–Eberswalde–Stralsund) und RE5 (Berlin–Oranienburg–Rostock) betreibt, wünscht sich hingegen einen Baubeginn möglichst noch vor den Sommermonaten. "In dieser Zeit herrscht in den Regionalzügen in Richtung Ostsee die größte Nachfrage", so ein Bahnmanager.

Klar ist derzeit nur, dass die für Anfang April geplante Wiederaufnahme des Zugverkehrs über das Karower Kreuz nicht mehr machbar ist. Die ICE nach Binz sowie der RE3 nach Schwedt und Stralsund werden vorerst weiter umgeleitet, die Fahrzeit verlängert sich um bis zu 25 Minuten. Die RB27 von Klosterfelde kann im Berufsverkehr nicht bis Gesundbrunnen durchfahren.

Seit dem weitgehenden Abschluss der Arbeiten am Ostkreuz steht das Projekt "Nordkreuz-Karow" eigentlich ganz oben auf den Prioritätenlisten der Bahn. Die Strecke gilt als Nadelöhr für den gesamten Bahnverkehr in der Region, vor allem wegen seiner Eingleisigkeit auf dem 4,6 Kilometer langen Abschnitt zwischen Karow und Pankow. Geplant sind nicht nur der Aufbau eines zweiten Gleises für die Fern- und Regionalbahnzüge, sondern auch die Errichtung von Lärmschutzwänden. Sie haben eine Gesamtlänge von 8491 Metern und sollen die Anwohner vor dem Lärm der vielen Züge schützen.

Über die Gleise am Karower Kreuz fahren nicht nur die S-Bahnen der Linien S2 (Bernau–Blankenfelde) und S8 (Birkenwerder–Zeuthen) sowie der RE3 und der RE5. Auch die ICE nach Stralsund und dem Ostseebad Binz sowie der RE66 nach Stettin (Szczecin) sind hier unterwegs. Das Bauprojekt gilt als anspruchsvoll, vor allem weil zahlreiche neue Brücken, aber auch Gleisverbindungen, die nur zeitweilig genutzt werden, gebaut werden müssen. Doch der Baugrund im Bereich Karow macht den Bauleuten sehr zu schaffen. So konnten bereits im November die eigentlich geplanten Brückenarbeiten nicht stattfinden. Stattdessen wurden Arbeiten vorgezogen, wie die Errichtung von Lärmschutzwänden zwischen Karow und Pankow.

Defekte Weiche behindert Bahnverkehr am Ostbahnhof

Am Montag sorgte zudem eine defekte Weiche auf der Stadtbahn vor dem Ostbahnhof für massive Behinderungen im Bahnverkehr der Hauptstadt. Der RE1 und der RE7 mussten über Gesundbrunnen und Lichtenberg, die RB14 Jungfernheide umgeleitet werden. Für viele Fernzüge war bereits am Hauptbahnhof statt am Ostbahnhof Endstation. In der Nacht zu Dienstag wollte die Bahn die Weiche erneuern. Das sorgte ab 23 Uhr für erhebliche Einschränkungen im S-Bahn-Verkehr.

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