Es ist gerade nochmal gut gegangen – für Monika Grütters, die Kulturstaatsministerin und Berliner CDU-Chefin. Mit knapp 89 Prozent wurde Grütters, die seit Dezember vergangenen Jahres an der Spitze des Landesverbandes steht, für den Bundestag nominiert, auf Platz eins der Liste, also einem sogenannten sicheren Listenplatz.
Zu erwarten war ein so gutes Ergebnis nicht, hat Grütters in den vergangenen Wochen die Partei doch wenig geführt, und dann flog ihr auch noch der Schlamm aus der Schlacht, die sich Ex-Justizsenator Thomas Heilmann und der Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann im wichtigen CDU-Kreisverband Steglitz-Zehlendorf lieferten, um die Ohren. Zu ihrem Schaden, zu dem der gesamten CDU.
Berliner CDU ist schwer angeschlagen
Doch auch das Ergebnis für Monika Grütters kann nicht darüber hinweg täuschen, dass die Berliner CDU nach der Wahlniederlage schwer angeschlagen ist. Ja, dass sie danieder liegt. Und dass Thomas Heilmann, der sich stets zu Höherem berufen fühlt, Grütters und auch die Partei in eine veritable Krise geführt hat.
Heilmann machen viele in der Union für die Intrige und den Vorwurf der Wahlfälschung, mit der sich der 52-Jährige in der Südwest-CDU dann durchsetzte, verantwortlich. Folge: Der CDU-Mann bekam es auf dem Listenplatz vier mit einem Gegenkandidaten zu tun und unterlag im ersten Wahlgang. Was für eine Schmach.
Nur weil sich Ex-CDU-Generalsekretär Kai Wegner und der ehemalige Gesundheitssenator Mario Czaja, die wahrlich nicht zu Heilmanns Freunden zählen, für ihn und vor allem für die im Landesvorstand beschlossene Liste aussprachen, wurde er dann gewählt. Wäre Heilmann ein Großer, hätte er nach den Vorgängen in Steglitz-Zehlendorf die Verantwortung dafür übernommen und sich gar nicht um einen Listenplatz bemüht, sondern auf Sieg gesetzt und versprochen, seinen Wahlkreis im Südwesten direkt zu gewinnen. Die Größe mussten andere aufbringen.
Monika Grütters muss nun Führung zeigen
Wie Frank Steffel, Bundestagsabgeordneter und Kreisvorsitzender in Reinickendorf. Nicht ganz freiwillig, aber er hat nach außen gezeigt, dass er sich wieder zutraut, seinen Wahlkreis direkt zu gewinnen – auch wenn die CDU im Bundestagswahlkampf und angesichts des Hypes um SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz noch an Zustimmung verlieren kann. Dass Steffel in den vergangenen Tagen dennoch parteiintern gegen Monika Grütters, die anderen Kreisvorsitzenden und die Landesliste wütete und in der Berliner CDU seine ganze eigene Rolle spielt, gehört natürlich auch zur Wahrheit dazu.
Und es zeigt, dass Steffel zwar keine Mehrheiten mehr in der Berliner CDU organisieren, aber sehr wohl für Unruhe sorgen kann. Muss man noch erwähnen, dass der ehemalige CDU-Landeschef Frank Henkel, der in Mitte als Direktkandidat antritt, nicht durch einen Listenplatz abgesichert ist? Gezwungenermaßen verzichtete Henkel darauf, auf der Liste zu kandidieren. Er wäre auch nicht gewählt worden, so groß ist der Verdruss über seine Senatorenzeit und den verheerenden Wahlkampf.
Monika Grütters, die sich nie nach dem Landesvorsitz gedrängt hat und in den vergangenen Jahren immer dann im Landesverband aktiv wurde, wenn es um ihre Kandidatur ging, müsste nach der Schlacht um die Listenplätze nun Führung zeigen. Den Takt vorgeben, das richtige Personal an die richtigen Stellen bringen, die Inhalte bestimmen. Doch das kann nur gelingen, wenn wichtige Kreisvorsitzende mitziehen – und Leute wie Heilmann oder Steffel sich einordnen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist gering.


