Spitzenkandidatur

Berliner Grüne: Lisa Paus deklassiert Bettina Jarasch

Lisa Paus ist die Spitzenkandidatin der Berliner Grünen für die Bundestagswahl. Ihre kämpferische Rede gab wohl den Ausschlag.

Lisa Paus setzte sich deutlich gegen Bettina Jarasch durch

Lisa Paus setzte sich deutlich gegen Bettina Jarasch durch

Foto: Lisa Paus, CC BY-ND

Die Berliner Grünen ziehen mit der Finanzpolitikerin Lisa Paus als Spitzenkandidatin in den Bundestagswahlkampf. Paus setzte sich am Sonnabend deutlich gegen die ehemalige Landeschefin Bettina Jarasch durch. Sie gewann die Kampfabstimmung mit 798 Stimmen, Jarasch kam auf 308. Damit folgt Paus Renate Künast, die die Liste der Grünen vor vier Jahren angeführt hatte.

Die 48-jährige Paus konnte die mehr als tausend anwesenden Parteimitglieder am Sonnabend im Estrel-Hotel in Neukölln mit einer starken Rede überzeugen. Sie versprach, sich für ein solidarisches Europa und mehr soziale Gerechtigkeit einzusetzen. "Kinderarmut ist die größte Ungerechtigkeit, die sich dieses reiche Land leistet, sich aber nicht leisten darf", sagte Paus.

Die Landesliste der Berliner Grünen für die Bundestagswahl

1. Lisa Paus
2. Stefan Gelbhaar
3. Renate Künast
4. Özcan Mutlu
5. Laura Sophie Dornheim
6. Erik Marquardt
7. Hannah Neumann
8. Tibor Harrach
9. Christa Markl-Vieto Estrada
10. Ulli Reichardt

Auf Listenplatz zwei setzte sich der Pankower Verkehrsexperte Stefan Gelbhaar denkbar knapp gegen den aktuellen Bundestagsabgeordneten Özcan Mutlu durch. Dazu waren drei Wahlgänge nötig, bevor Gelbhaar mit 51 Prozent der Stimmen gewann. Renate Künast kandidiert auf Rang drei, dem wohl letzten sicheren Listenplatz der Grünen. Sie gewann ohne Gegenkandidaten. Mutlu sicherte sich dann noch den vierten Listenplatz gegen die Direktkandidatin aus Friedrichshain-Kreuzberg, Canan Bayram.

Der Spitzenkandidat des grünen Bundesverbandes Cem Özdemir hatte die Berliner Grünen zuvor auf den anstehenden Bundestagswahlkampf eingeschworen. Nach zwölf Jahren in der Opposition wollen die Grünen im Bund zurück in die Regierung, wie es den Berliner Kollegen gerade gelungen ist. Angesichts der aktuell schwachen Umfragewerte von deutlich unter zehn Prozent fehlt es allerdings derzeit an einer Regierungsoption. Umso mehr lobte Özde­mir die Berliner rot-rot-grüne Landesregierung: "Es ist schön, dass die wunderbare Weltstadt Berlin jetzt von Weltbürgern regiert wird." Eine Mobilitäts- und Energiewende sei nur mit den Grünen möglich. An die hier lebenden Deutschtürken appellierte Özdemir, beim anstehenden Referendum in der Türkei mit Nein zu stimmen.

Der emotionalste Moment der Mitgliederversammlung fand vor der Wahl der Bundestagskandidaten statt. Die Parteimitglieder dankten in einem emotionalen Abschied Hans-Christian Ströbele für seine Tätigkeit. Der 77-jährige Ströbele ist bis heute der einzige grüne Politiker, der ein Direktmandat für den Bundestag gewinnen konnte und es in Friedrichshain-Kreuzberg drei Mal verteidigte. Dem kommenden Bundestag wird er nicht mehr angehören.

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