Der Kudamm ist in den vergangenen 25 Jahren schon mehrfach totgesagt worden, kurz danach wurde ihm Aufwind oder gar Boom attestiert. Wer die Entwicklung unaufgeregt, aber aus relativer Nähe beobachtet, wird eher an Stabilität denken. Ja, so manches alteingesessene Geschäft, Kino, Restaurant ist in dieser Zeit verschwunden, dafür sind neue Mieter gekommen. Den Zeitläuften kann sich auch der Boulevard des Westens nicht entziehen. Die heutigen Hauptstädter sind nicht mehr die, die die Stadt vor dem Fall der Mauer geprägt haben.

„Den“ Kudamm gibt es ohnehin nicht, es sind (mindestens) drei Teile. Der westliche oder obere Kudamm ist nicht erst seit Neuestem unaufgeregter und kieziger als der Rest. Dennoch, oder gerade deshalb, ist er zusammen mit einigen umliegenden Straßen als Anlaufpunkt für den täglichen Einkauf oder zumindest am Wochenende beliebt – auch bei Menschen, die ein paar Meter weiter weg wohnen. So kann man dem Bezirksamt zustimmen, dass es nicht nötig ist, panikartig einzugreifen. Und sicherlich werden sich auch Entwicklungen, die den Boulevard weiter östlich aufwerten, positiv auf den oberen Teil auswirken. Dennoch sollte das nicht als Freibrief missverstanden werden, gar nichts tun zu müssen.

Der Dauer-Leerstand des ehemaligen Baumarktes an der Ecke Nestorstraße tut dieser Ecke des Kudamms nicht gut, und für die unmittelbaren Anrainer unter den Geschäftsleuten ist er ein echtes Problem. Weil die Flächen eine ungünstige Größe haben und daher schlecht zu vermieten sind, muss man aber nicht gleich den Abriss des zugegeben unattraktiven 70er-Jahre-Klotzes fordern. Es wäre ein erster Schritt, wenn sich das Bezirksamt mit dem Hauseigentümer an einen Tisch setzt und mögliche Wege auslotet, vielleicht auch Hilfe anbietet. An anderen Stellen der Stadt ist mit Zwischennutzern Attraktivität wiedergewonnen worden. Der Kudamm lebt, aber er ist kein Selbstläufer.