Gewaltschutzambulanz

Das Leid der Gewaltopfer und die Frage der Finanzierung

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Andreas Abel

Andreas Abel stellt sich die Frage, warum das Angebot der Gewaltschutzambulanzen nicht über die Krankenkassen finanziert wird. Ein Kommentar.

Häusliche Gewalt zählt zu den häufigsten Ursachen von Verletzungen bei Frauen in Deutschland. In Berlin sterben pro Jahr sechs bis zehn Frauen nach Gewaltakten ihres Partners oder Ex-Partners. Das sind erschreckende Daten, die auch zeigen, dass eine Einrichtung wie die Gewaltschutzambulanz der Charité nicht nur wichtig sondern unverzichtbar ist.

Es ist kein Ruhmesblatt, dass Berlin das vorletzte Bundesland war, das eine solche Ambulanz einrichtete. Zwei Jahre lang wurde sie nur von CDU-Justizsenator Thomas Heilmann finanziell unterstützt, inzwischen wird sie von einem breiten politischen Bündnis getragen. Vier Senatsverwaltungen und die Abgeordneten des Berliner Landesparlaments haben dafür gesorgt, dass die Gewaltschutzambulanz seit Jahresbeginn über ein wesentlich besseres Budget verfügt und ihr Angebot erheblich ausweiten kann. Das ist eine gute Entwicklung.

Es ist wichtig, dass den Opfern keine Hürden auferlegt werden, ein solches Angebot anzunehmen. Viele Opfer – die ganz große Mehrheit sind misshandelte Frauen - erstatten keine Anzeige, zumindest nicht kurz nach der Tat. Viele sind traumatisiert, andere schämen sich, weil es doch der eigene Partner war, der sie zusammengeschlagen, getreten oder gewürgt hat. Viele haben auch Angst, weil ihnen eben genau dieser Partner schlimme Konsequenzen angedroht hat, „wenn sie was sagt“.

In der Gewaltschutzambulanz können sich die Opfer darauf verlassen, dass nichts ohne ihre Einwilligung geschieht, dass die Fachärzte einer Schweigepflicht unterliegen. Entschließen sie sich aber doch dazu, ihren Peiniger anzuzeigen, haben sie eine Dokumentation in Händen, die ihnen vor Gericht sehr hilft. Beim Verdacht auf Kindesmisshandlung können die Rechtsmediziner allerdings auch gegen den Willen der Eltern aktiv werden und das ist ebenfalls gut so.

Bleibt die Frage, wieso ein solches Angebot nicht über die Krankenkassen finanziert wird. Gesundheitsminister Gröhe sieht die Justiz für die Dokumentationen der Rechtsmediziner zuständig. Das erscheint nur auf den ersten Blick plausibel. Schließlich übernehmen die Kassen ja auch die Kosten der Heilbehandlung von Gewaltopfern.