Kommentar

Berlins Radwege müssen schneller werden

Radwege sind nicht mehr so wie früher, in einer Großstadt wie Berlin müssen sie neu geplant werden - ein Kommentar.

Ein Radfahrer befährt das erste Teilstück der sogenannten „Fahrradautobahn“ in Mülheim an der Ruhr. In Berlin gibt es bisher kaum solcher Trassen

Ein Radfahrer befährt das erste Teilstück der sogenannten „Fahrradautobahn“ in Mülheim an der Ruhr. In Berlin gibt es bisher kaum solcher Trassen

Foto: Bernd Thissen / dpa

Welch ein Erfolg für die Radfahrer in der Stadt Berlin: Der Senat soll prüfen, ob zwei neue Radwege quer durch Berlin entstehen können: eine „Radbahn“ unterhalb U-Bahnline 1 und ein „Fahrrad-Highway“ entlang der S-Bahnlinie 1. Der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses genehmigte nun 400.000 Euro mit der eindringlichen Aufforderung, dass damit der Senat eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben soll. Dazu muss man wissen, dass im Senat viele Bremser des Berliner Radverkehrs sitzen. Zwar klopft man sich selbst alle paar Monate auf die Schultern, wenn eine neue Radspur eröffnet wird. Doch es fehlt an einem grundlegenden Konzept, um den zunehmenden Radverkehr zu steuern.

Ein wesentliches Element eines solchen Konzeptes sind Schnellwege für Radfahrer. Wer sich in seinem Kiez bewegt, kann auch mit holprigen Radwegen und dem häufigen Anhalten an Ampeln leben. Wer aber größere Entfernungen beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit zurücklegen muss, der ist genervt vom schlechten Radwegenetz und dem vielen Stillstand. Die Beschleunigung des Radverkehrs ist einer der wesentlichen Punkte, um mehr Menschen im Sommer auf das Umsteigen aufs Fahrrad zubewegen. Die Schnellwege haben zudem den Vorteil, dass sie die Unfallwahrscheinlichkeit senken.

Graswurzelbewegung mit neuen Ideen

Aber es ist bezeichnend, dass sich solche Gedanken nicht der Senat und die zuständigen Verwaltungen machen, sondern wie im Fall der U1-Strecke Ingenieure, die sich privat mit dem Thema beschäftigen. Oder Kommunalpolitiker, wie die CDU in Steglitz-Zehlendorf, die die Zeichen der Zeit erkannt haben. Jenseits der Verkehrsexperten des Senats gibt es längst eine Graswurzelbewegung der Bürger, die neue Vorschläge machen.

Natürlich gibt es Widerstände. Die Bahn will an der S1-Strecke mögliche Ausbaupläne nicht gefährden. Und bei der U1-Strecke gibt es Probleme mit den Stahlträgern der Hochbahn. Wenn aber jetzt das Abgeordnetenhaus 400.000 Euro für eine Machbarkeitsstudie gibt, dann sollte vorurteilsfrei geprüft werden, ob solche Rad-Schnellwege umsetzbar sind. Wenn nicht an diesen Stellen, dann an anderen.