Kommentar

Der Berliner Rahmenlehrplan ist nicht im Sinne der Bildung

Der neue Berliner Rahmenlehrplan ist verabschiedet - trotz vieler Schwachpunkte. Im Sinne der Bildung ist das nicht, sagt Felix Müller.

Das Vorgehen hinterlässt einen muffigen Beigeschmack. Die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) und Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD) veröffentlichen den neuen Rahmenlehrplan für die Jahrgangsstufen 1 bis 10 erst im selben Moment, in dem sie ihn unterzeichnen. Damit ist er vorerst nicht mehr zu ändern. Scheeres und Baaske sind zu nichts anderem verpflichtet. Aber die Vorgeschichte hätte mehr Sensibilität und Transparenz erwarten lassen.

Denn die Kritik auf den Entwurf zum Lehrplan war zu vehement, um seine endgültige Gestalt nun einfach durchzuwinken. Beanstandet wurde vor allem die Idee, Geschichte in den Klassen 7 und 8 nicht mehr chronologisch, sondern in sogenannten Längsschnitten zu behandeln. Gesellschaftliche Großthemen wie zum Beispiel Migration sollten anhand verschiedener historischer Epochen vorgestellt werden. Zu Recht befürchteten Geschichtslehrer eine schleichende Demontage ihres Fachs. Denn wer sich nicht früh genug über die zeitliche Abfolge historischer Epochen orientiert, dem wird es auch später nur noch schwer gelingen.

Immerhin sollen nun umfassende Basismodule ab der Klasse 7 zum Erhalt historischen Grundwissens beitragen. Auch die fächerübergreifenden Inhalte von Sexualerziehung und Medienbildung mag man begrüßen – auch wenn letzteres eine Ausstattung der Schulen voraussetzt, über die sie in der Regel gar nicht verfügen. Der Alltag wird diesen Teil des Lehrplans einer harten Prüfung unterziehen.

Der größte Schwachpunkt des Rahmenlehrplans bleibt die Gesellschaftskunde an den Grundschulen in Berlin und Brandenburg, wo in der 5. und 6. Klasse die Fächer Geografie, Geschichte und politische Bildung gebündelt werden sollen. Für die Geschichte bedeutet das etwa, dass große historische Perioden bis zum Mittelalter nur schemenhaft sichtbar werden. Es ist eine seltsame Mischung, in der am Ende jedes Fach zu kurz kommen könnte. Sie lädt die Schulen in der Region ein, die Inhalte künftig am Personalstand des Lehrerkollegiums auszurichten.

Im Sinne der Bildung ist das nicht.