Neue Pisa-Studie

Medienbildung soll ab 2017 auf dem Lehrplan stehen

Smartboards und Laptops sind heute in den Schulen angekommen, aber Berlin gehört nach der neuen Pisa-Studie zu den Schlusslichtern.

Immer mehr Schule arbeiten im Unterricht mit Computern. Doch zu viele Kinder müssen sich dabei ein Gerät teilen

Immer mehr Schule arbeiten im Unterricht mit Computern. Doch zu viele Kinder müssen sich dabei ein Gerät teilen

Foto: Getty Images / Getty Images News/Getty Images

Laptop-Klassen, Smartboards oder Tablets - die Ausstattung der Schulen mit digitalen Medien macht Fortschritte und dennoch hinkt Berlin im bundesweiten Vergleich hinterher. Die am Dienstag veröffentlichte Bildungsstudie Pisa hat gezeigt, das sich in Deutschland statistisch 4,2 Schüler einen PC teilen. Damit liegt Deutschland unter den 34 OECD-Ländern auf Platz 28. In Berlin sieht die Relation noch schlechter aus. Hier kommen laut Bildungsverwaltung an den öffentlichen Schulen 5,4 Schüler auf einen Computer oder Laptop. In einigen Bezirken sind es noch mehr. Schlusslichter sind Charlottenburg-Wilmersdorf und Treptow-Köpenick, wo sich mehr als sechs Schüler einen Computer teilen. Insgesamt sind Grundschulen besser mit Computern ausgestattet als Gymnasien.

Internet-Seepferdchen nur an 38 Prozent der Grundschulen

Dennoch hat die Entwicklung durch den sogenannten Masterplan „eEducation“ in den vergangenen Jahren in Berlin einen Sprung gemacht. Vor zehn Jahren drängten sich noch im Durchschnitt knapp zwölf Schüler um einen PC. Interaktive Whiteboards nutzen inzwischen 71 Prozent der Schulen. Vor fünf Jahren waren es gerade 29 Prozent.

Doch was mit den digitalen Medien tatsächlich im Unterricht gemacht wird, ist höchst unterschiedlich. Festgelegte Standards gibt es nicht, bisher gelten lediglich Empfehlungen. So sollen die Kinder zum Beispiel laut Masterplan möglichst in der dritten oder vierten Klasse ihr „Seepferdchen“ zum Frei schwimmen im Internet machen. Dabei lernen sie, ein Password anzulegen, eine E-Mail zu versenden und Informationen im Internet zu suchen. Doch verbindlich ist das nicht. Nach Angaben der Bildungsverwaltung haben sich zwischen 2010 und 2014 nur 38 Prozent der Grundschulen an den Internet-Seepferdchen-Prüfungen beteiligt.

Ab 2017 soll Medienbildung auf dem Lehrplan stehen

Das soll sich ändern. In den neuen Lehrplänen, die ab 2017/18 gelten sollen, ist neben der Sprachbildung auch die Medienbildung als verbindliches fächerübergreifendes Kernthema vorgesehen. „In allen Klassenstufen sollen technische, soziale und ökonomische Aspekte der Medienbildung mit den Inhalten des jeweiligen Faches verbunden werden“, sagt Beate Stoffers, Sprecherin der Senatsverwaltung für Bildung. Bei der sogenannten Methodenkompetenz sollen die Schüler fachübergreifend lernen, selbstständig Informationen aus den Medien zu beschaffen, aufzuarbeiten und zu ordnen. Zusätzlich gibt es einen Rahmenlehrplan für das Wahlpflichtfach Informatik.

Eine solche Anleitung der Schüler ist dringend nötig. So hat die aktuelle Pisa-Studie gezeigt, dass nicht mehr die Frage des Zugangs zu den Medien entscheidend sei, sondern der Umgang. Inzwischen hätten 96 Prozent der befragten Schüler einen Computer. Entscheidend sei, dass die Schüler bei der Recherche, wichtige von unwichtigen Informationen unterscheiden und die Glaubwürdigkeit einer Quelle einschätzen könnten. Schüler aus besser gestellten Schichten würden das Internet mehr zur Informationsbeschaffung nutzen als sozial benachteiligte Jugendliche. Dort dienten Computer eher dazu, Videos zu schauen, zu spielen oder zu chatten.

Die meisten Lehrer glauben, die Lernergebnisse der Schüler verbessere sích durch den Einsatz von Computern

Auch die Berliner Lehrer sehen in der digitalen Bildung ein wichtiges Feld. So geben in einer Umfrage der Bildungsverwaltung 71,8 Prozent der Lehrer an, dass sich die Lernergebnisse der Schüler durch den Einsatz von Computern verbessert hätten. Gleichzeitig wünschen sich die meisten Lehrer mehr Unterstützung bei der IT-Ausstattung.

Das Lessing-Gymnasium in Wedding hat eEducation zu einem Schwerpunkt gemacht. Fast die Hälfte ihrer Hausarbeiten erledigen die Schüler bereits online. Auch wenn sie Arbeitsblätter benötigen, loggen sie sich in den virtuellen Lernraum ihrer Schule ein. Mehr als 200 Computer und Netbooks gibt es hier. „Dabei geht es nicht um eine Art Fernstudium in der Schule“, sagt Schulleiter Michael Wüstenberg. Vielmehr müssten die Lehrer wählen, welche Methode und Medien gerade passend sind.

Hälfte der Hausaufgaben am Lessing-Gymnasium laufen online

Die stärkere Computernutzung zieht aber auch Probleme nach sich: „Wir haben immer mehr Geräte, aber nicht mehr Personal für die Wartung“, sagt Wüstenberg. Nur 2,5 Lehrerstunden pro Woche sind für die Wartung vorgesehen. Am Lessing-Gymnasium ist dafür der Informatik-Lehrer zuständig. Nur durch ehrenamtliches Engagement und Überstunden sei es möglich, die Geräte am Laufen zu halten. Aber was sollen Grundschulen machen, die keinen Informatik-Lehrer haben?

Vor drei Jahren hatten sich Schulleiter, darunter Michael Wüstenberg, mit einem offenen Brief an die Bildungsverwaltung gewandt und mehr Personal für die Wartung der IT-Ausstattung gefordert. Jedoch ohne Erfolg. Obwohl die Zahl der Geräte seither weiter gestiegen ist, gibt es keine zusätzliche Unterstützung. Die Bildungsverwaltung verweist auf die Bezirke, die für die Ausstattung der Schulen zuständig sind.