Bislang hat jeder seinen Job gemacht. Die ungezählten Ehrenamtlichen von „Moabit hilft“, die den Flüchtlingen am Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) an der Turmstraße seit Monaten beistehen. Und das leisten, wozu die Behörden nicht in der Lage sind: Sie sorgen für Essen, Kleidung und medizinische Hilfe. Auch der Wachschutz spielt eine wichtige Rolle. Er hat für einen geordneten Ablauf bei der Registrierung gesorgt. Viele der dort eingesetzten Mitarbeiter haben selbst einen Migrationshintergrund, sprechen Arabisch und Englisch. Sie haben meist ein Gespür dafür, wie sie mit den Menschen umgehen müssen.
Doch der Sommer der Hilfsbereitschaft scheint an sein Ende zu kommen. Die Hilfskräfte sind erschöpft. Die Auseinandersetzung zwischen Wachschützern und Flüchtlingen vom Donnerstag lässt befürchten: Mit sinkendenden Temperaturen und weiter langen Wartezeiten auf die Antragsbearbeitung könnte die Stimmung kippen.
Dem kann nur damit begegnet werden, dass auch im Wachschutz gut ausgebildete Menschen eingesetzt werden, die in der Lage sind, deeskalierend zu wirken. Am Lageso ist deren Zahl bereits von 24 auf 76 erhöht worden. Doch langsam geht der Wachschutz- und Sicherheitsbranche das Personal aus. Nach Einschätzung des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft sind derzeit bundesweit 5000 Wachschützer an Flüchtlingsunterkünften eingesetzt. Und der Bedarf wird mit jedem zusätzlichen Flüchtling steigen. Die Umsätze der Security-Firmen übrigens auch. Weitere 5000 müssten eingestellt werden, um die Aufgaben zu erfüllen, schätzt der Branchenverband. Doch woher nehmen?
Unternehmen der Branche wie auch die Politik müssen deshalb jetzt alles daran setzen, dass die Qualitätsstandards unbedingt eingehalten werden. Keinesfalls dürfen sie sinken. Und: Warnungen von seriösen Innenpolitikern aus der großen Koalition in Berlin vor dem Einsickern der organisierten Kriminalität in das Wachschutzgewerbe sollten nicht ignoriert werden. Nur so kann verhindert werden, dass aus dem Sommer der Hilfsbereitschaft ein Winter der Eskalation wird.





