Kommentar

Lehren aus dem Tempelhofer Feld

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Andreas Abel

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Das Tempelhofer Feld ist nicht nur ein Grünfläche. Es ist ein Beispiel für Lebensqualität, die es zu erhalten gilt, meint Andreas Abel.

Für viele Berliner ist das Tempelhofer Feld nicht nur eine Grünfläche. Der für den Senat verlorene Volksentscheid im vergangenen Jahr machte das Gelände zu einem Symbol der Bürgerbeteiligung, die Zehntausende Berliner inzwischen von der Politik einfordern. Eine zunächst kleine Initiative setzte sich gegen die Landesregierung durch, weil eine deutliche Mehrheit der Berliner deren Pläne für eine Randbebauung ablehnte. Seitdem wird in politischen Debatten über Bauprojekte gern das Codewort „Tempelhof“ als Warnung in den Raum geworfen, den Menschen nicht einfach eine Planung „von oben“ vorzusetzen.

Das Ergebnis der Abstimmung hinterließ zunächst ein Vakuum, es legte lediglich fest, was nicht passieren darf. Dann eröffnete der Senat ein Beteiligungsverfahren, um zu klären, wie das Feld (weiter-)entwickelt werden soll. Daran haben sich bislang 200 Aktive über mehrere Monate beteiligt. Das mag der eine viel, der andere wenig finden. Auf jeden Fall dürfte die Zahl der Vorschläge reichen, sich auf einen Kompromiss für einen Pflege- und Entwicklungsplan zu einigen – denn das Feld ist schließlich nicht nur Symbol, sondern auch Grünfläche. Die Ergebnisse sind auch nicht sonderlich überraschend, die Menschen wünschen sich Bänke, Bäume, ein paar Toiletten und im äußeren Wiesenring einen behutsamen Ausbau der Sport- und Freizeitflächen.

Dass es nicht großer Projekte bedarf, um das Tempelhofer Feld attraktiv zu finden, geht schon aus den ständig steigenden Besucherzahlen hervor. Inzwischen kommen am Wochenende bis zu 31.000 Menschen pro Tag, an Wochentagen mehr als 12.000. Ähnliches zeigt sich auch an dem ebenfalls noch jungen Park am Gleisdreieck. Mit vergleichsweise geringen Mitteln wurde ein Grünzug geschaffen, der viele Menschen anzieht und in dem eine schöne, ebenso großstädtische wie entspannte Atmosphäre herrscht. Das gilt auch für das Tempelhofer Feld. Beide Beispiele zeigen zudem, wie wichtig es neben aller Notwendigkeit, neue Wohnungen für die wachsende Stadt und die vielen Flüchtlinge zu bauen ist, Frei- und Grünräume zu erhalten oder zu schaffen. Die Lebensqualität unserer Stadt muss erhalten bleiben.