Holzmarktstraße

Club Kater Holzig plant alternativen Spreeufer-Kiez

Der Berliner Club plant ein Erlebnisdorf auf dem Grundstück an der Holzmarktstraße - den Zuschlag bekommt allerdings der Meistbietende.

Foto: Sören Kittel

Der Kampf um eine der letzten Spree-Brachen hat begonnen. Seit Mittwoch können sich potenzielle Interessenten für das Grundstück an der Holzmarktstraße 19-30 bewerben. Die Berliner Stadtreinigung (BSR) hat den Liegenschaftsfonds Berlin mit dem Bieterverfahren für das 18.600 Quadratmeter große Grundstück an der Michaelbrücke in Friedrichshain beauftragt. Gleichzeitig ist das „KaterHolzig-Team“ mit seinem Konzept an die Öffentlichkeit gegangen. Der Club aus der Michaelkirchstraße 22 möchte an der Spree zwischen S-Bahn und dem Grundstück der Berliner Wasserbetriebe ein Kultur-, Wohn- und Gewerbedorf bauen.

„Neben zahlreichen kleinteiligen Dorfeinheiten für Kreative, Kleingewerbetreibende und Stipendiaten soll auch ein öffentlicher Park, ein Restaurant, ein Club und ein Hotel entstehen“, sagt Sprecher Simon Wöhr. Dabei werde es sich bei der Investition um kein lukratives Projekt handeln. Es sei für Leute gedacht, die sich kulturell-sozial engagieren wollen.

Unterstützer in der Wirtschaft

Deshalb möchte die „Interessengemeinschaft Holzmarkt“ nach Auskunft von Wöhr das millionenteure Wassergrundstück auch „nicht unbedingt kaufen“. Auch wenn es bereits Leute gebe, die sich mit Beträgen ab 25.000 Euro engagieren würden. Ihnen würde es reichen, das Areal in Erbpacht zu erhalten. Das Projekt „Holzmarkt“ habe nach eigener Auskunft bereits viele Unterstützer in der Kulturszene und in der Wirtschaft gefunden. „Um den KaterHolzig formiert sich eine Gemeinschaft, die das Areal vor der dichten Bebauung durch Immobilienspekulanten bewahren und für die Bevölkerung kulturell, sozial und ökologisch revitalisieren will“, teilt die Initiative weiter mit. „Uniforme Glasfassaden gibt es schon genug an der Spree“, sagt Juval Dieziger, Betreiber des KaterHolzig und ehemaliger Geschäftsführer der Bar 25, die das Gelände an der Spree im Herbst 2010 räumen musste.

Zur Diskussion stellen die alternativen Spreeufer-Entwickler ihre Idee, die Brache zu einer grünen, pulsierenden, städtischen Erholungszone machen zu wollen. Statt der zulässigen 44.000 Quadratmeter Geschossfläche würde die Interessengemeinschaft nur ein Drittel der möglichen Fläche bauen. Das Nachbargrundstück westlich des Bahnviadukts möchten sie nach eigener Auskunft mit einem Wohnhaus bebauen. Dazu seien sie, so der Sprecher der Interessengemeinschaft, auf der Suche nach einem Partner. Für ihr geplantes Hotel an der östlichen Grundstücksseite gebe es bereits einen Partner. Seit einem Jahr arbeitet die Gruppe, die aus zwölf Mitstreitern besteht, schon an den Plänen. Da der Vertrag für den KaterHolzig an der Michaelkirchstraße nur noch bis März 2013 laufe, soll auch er an der Holzmarktstraße eine neue Heimat finden. „Mit kommerziellen Investoren können wir nicht mithalten“, weiß Simon Wöhr. Er und seine Gruppe hoffen deshalb auf eine politische Entscheidung.

Verkaufswert wird ermittelt

Franz Schulz (Grüne), der Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, unterstützt die alternativen Pläne: „Ich finde, dass es sich um ein spannendes Nutzungs- und Baukonzept für den Ort handelt.“ Die BSR wisse, das das Bezirksamt deutlich weniger Geschossfläche an dieser Stelle möchte, als es der Bebauungsplan erlaubt. „Außerdem wollen wir dort kein 70 Meter hohes Hochhaus. Aber wir wollen einen hohen Anteil von bezahlbaren Wohnungen“, so Schulz weiter. Die BSR habe gesagt, dass sie das Grundstück nicht für jede x-beliebige Nutzung verkaufen werde, sondern auf eine gute Stadtentwicklung achten werde. Schulz hätte es am besten gefunden, wenn das Grundstück mit einem Festpreis verkauft wird und die Käufer sich im Wettbewerb um das beste Konzept messen müssten.

Der Liegenschaftsfonds allerdings will das Areal an denjenigen verkaufen, der das höchste Gebot abgibt. Das Bieterverfahren laufe ohne Bedingungen, einen Verkaufswert gibt es nach Auskunft von Liegenschaftsfonds-Sprecherin Irina Dähne noch nicht. Das Bieterverfahren dient gleichzeitig als Marktabfrage, um den aktuellen Verkehrspreis zu bewerten. „Die Lage und die Möglichkeit der Bebauung werden bei der Bewertung eine wesentliche Rolle spielen“, sagt Irina Dähne. Die Bieterfrist läuft bis zum 31. Mai. Die Senatsfinanzverwaltung, die für Grundstücksgeschäfte zuständig ist, wollte sich zum Thema deshalb noch nicht äußern.

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