Kulturhaus

"Bar 25"-Nachfolger "Kater" droht Baustopp

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Sören Kittel

Foto: Sören Kittel

Neues Team, neues Konzept: "Kater" soll der Nachfolger der "Bar25" heißen. Ob er wie geplant im Juni eröffnen kann, ist allerdings derzeit noch offen.

Im zweiten Stock der Ruine an der Köpenicker Straße tanzt sich schon einmal eine Schaufenster-Puppe warm, im blauen Kleid steht sie da und es sieht aus, als ob sie winken würde. Zu ihren Füßen, zwischen den beiden bunt bemalten Gebäuden, arbeiten Männer und Frauen noch an dem neuen Kulturstandort, der hier in der Nähe der Station Jannowitzbrücke entstehen soll, gegenüber der ehemaligen "Bar25", von der nur noch Reste übriggeblieben sind.

"Kater" soll das Kulturhaus heißen und der Bootssteg inklusive einem großen bunten Tor ist schon fertig. Über dem hölzernen Torbogen ist das spanische Wort für "frei" angeschrieben: "Libre". Dahinter liegt zum Beispiel der gefällte Stamm einer 120 Jahre alten Schwarz-Silberpappel, einst das natürliche Wahrzeichen des Strandclubs gegenüber und vielleicht das größte, was die Mitarbeiter auf die andere Seite der Spree retten konnten.

Am 1. Juni soll in der denkmalgeschützten Backsteinruine einer alten Seifenfabrik an der Köpenicker Straße 50 das neue Kulturhaus an der Spree eröffnen, eine höhere sechsstellige Summe hatten die Betreiber bislang investiert - doch am Donnerstag, gegen 15.25 Uhr erreichte das "Kater"-Team die vorläufige Absage für ihre Bauvorhaben. "Das könnte für uns das Ende bedeuten", sagt Markus Schweins, der neue Pressesprecher des "Kater". "Ein Verschieben der Eröffnung auf Juli oder August wäre der finanzielle Ruin für unser Projekt." Ein Club sollte es eben nicht werden, sondern eine Kultureinrichtung mit Kino, Theater, Lounge, einem Restaurant sowie Ateliers für Künstler und Proberäumen für Bands.

Doch genau das Konzept wurde zum Streitpunkt zwischen Bauamt und "Kater". Gegen eine Kulturstätte an der Spree hat auch das Bauamt zunächst nichts einzuwenden. Doch verschiedene Details im Bauplan erweckten im Amt den Eindruck, dass es sich um eine sogenannte "Vergnügungsstätte" handele. Der Bezirksbürgermeister von Mitte, Christian Hanke (SPD), jedenfalls betont, dass er zusammen mit seinem Baustadtrat Ephraim Gothe versuchen werde, zeitnah eine Lösung für dieses Problem zu finden. "Generell unterstützen wir solche Projekte immer und wir haben im Bezirk in der Vergangenheit auch gute Erfahrungen mit Zwischennutzung gemacht", sagte er Morgenpost Online. "Wir hoffen, das Projekt noch zum Laufen zu bekommen."

Dabei hatten die "Kater"-Betreiber nach eigenen Angaben immer mit offenen Karten gespielt, von dem ersten Treffen mit dem Vermieter im Dezember 2010 an. Dirk Bösel von der Domus Aurea Immobilien GmbH ist selbst öfter im Restaurant der "Bar25" gewesen und mochte die Stimmung dort. Skeptisch war er nur, weil auch er gehört hatte, dass der Club immer wieder eine Schließung im letzten Augenblick verhindern konnte.

50 Arbeitsplätze für zwei Jahre

Doch mit dem "Kater", das machten ihm die neuen Betreiber um Sprecher Markus Schweins klar, sollte alles anders werden: Sie haben nicht nur eine neue Gesellschaft mit dem Namen "Kater Holzig" gegründet, bei dem fünf von sechs Mitgliedern nichts mit dem früheren Club zu tun haben. "Wir haben unterschrieben", sagt Schweins, "dass wir am 31. März 2013 geräumt werden können." Damit will er eine weitere Erneuerung im Konzept des Kulturhauses betonen: Es ist von vornherein als Zwischennutzung geplant und hat einen genauen Endpunkt.

Der Vermieter sieht der Zusammenarbeit mit Vorfreude entgegen. "Alle Bedingungen, die wir gestellt haben, wurden ausnahmslos erfüllt", sagt Dirk Bösel. Themen wie Lärmbelästigung, Feuerschutz und temporäre Bebauung seien komplett mit ihm abgestimmt. "Wir hatten auf diesem Gelände monatelang Probleme mit Einbrechern, Hausbesetzern und illegalem Lagerfeuer." Durch die Zwischennutzung werde die marode Ruine nicht nur erhalten und getrocknet, sondern auch für einen bevorstehenden Bau vorbereitet. Dass in den kommenden zwei Jahren hier ein Ort der Kunst und Kultur entstehen soll, findet er gut - denn letztlich wertet solch eine Nutzung Wohngegend auf. Im Sommer 2013 will dann seine GmbH mit dem Ausbau der Wohnungen beginnen.

Solange aber könnten im "Kater" 50 Arbeitsplätze geschaffen werden. Das Team aus 25 Festangestellten und 25 Freien würde mit diesem Ort sicher wieder international von sich reden machen, wie es das Gelände hinter der Bretterwand an der Holzmarktstraße 25 über Jahre hinweg geschafft hatte.

Im "Kater" kann das alles aber schon aus Platzgründen nicht wieder erbaut werden - was die Betreiber gut finden. "Wir haben das als Chance gesehen", sagt Schweins, "noch einmal neu anzufangen." Theaterprojekte mit den Sophiensälen sind schon in Planung und im zweiten Stock stehen schon die Stuhlreihen aus dem Kino "Zoo Palast". Auch das neue Restaurant mit dem Namen "Kater Schmaus" sollte eines der Highlights des Kulturhauses werden.

Der Betreiber der Kultureinrichtung "Radialsystem" auf der anderen Spreeseite, Jochen Sandig, hatte sich jedenfalls schon auf die Eröffnung des "Kater" gefreut. "Da auch wir ein Kulturhaus in der Nachbarschaft sind", sagt er, "hatten wir schon auf eine Zusammenarbeit gehofft - gerade wegen des Konzepts des Kater." Für ihn ist es wichtig, dass das Spreeufer dauerhaft mit Leben gefüllt werde. "Genau diese Freiräume machen Berlin für die Bewohner und die Besucher erst attraktiv." Vielleicht steht deswegen "Libre" über dem Eingangstor des "Kater".