Wintersaison

Kater Holzig bereitet sich auf kalte Nächte vor

Erst wenige Wochen hat der Club "Kater Holzig" in Berlin-Kreuzberg geöffnet. Um auch die kühlen Nächte im Winter überstehen zu können, bauen die Betreiber nun eine Heizung in die ehemalige Seifenfabrik.

Foto: Sören Kittel

Sie schweben nur kurz, die Partygäste unterwegs zum Kater Holzig, dem Club, von dem alle reden. Sie summen: „Wie ein fliegender Teppich“, der französische Text des Houseschlagers von Noir Desir, der diese Nacht dort sicher laufen wird. Aber wenige Meter weiter zerbricht die gute Laune kurzzeitig an der Türsteherin. „Wo kommt ihr her?“, fragt sie die Gäste, die tatsächlich überlegen, ob es von Nachteil wäre, „Kreuzberg“ zu sagen. Dann ruft einer: „Was geht dich das an?“. Die Türsteherin lächelt. Der Weg ist frei.

Wer in den Kater Holzig am Kreuzberger Spreeufer will, sollte vielleicht so tun, als ob er das gar nicht nötig hätte. Die alte Seifenfabrik am südlichen Spreeufer kann wenige Wochen nach ihrer Gründung bereits das Erbe angetreten, das die Bar25 auf der Uferseite gegenüber sieben Jahre lang angehäuft hat. Das dortige Gelände an der Holzmarktstraße 25 ist aufgegraben, und wer es immer noch nicht glaubt, der liest es in großen Buchstaben am Zaun: „Die Bar ist zu.“

Heizung wird eingebaut

Dafür ist der Kater auf, zumindest für zwei Jahre – und muss sich erstmals auf die Wintersaison vorbereiten. „Wir bauen gerade eine Heizung in die verschiedenen Räume ein“, sagt Katjuscha Rottenberg, 25, die neue Pressesprecherin und selbst ernannte Hauskatze des Kater Holzig. Bis Mitte Oktober soll alles fertig sein, damit auch bei Kälte viele Gäste die beiden „Multifunktionsräume“ besuchen, wie sie sagt. Die Räume heißen „Heinz“ und „Hütte“. Die Garderobe sei bereits seit vergangener Woche in Betrieb.

Das Restaurant „Katerschmaus“ im dritten Stock ist schon jetzt auf den Winter vorbereitet. An rund 110 Plätzen wird auch dann ein durchkomponiertes Menü serviert. Die „gerollte Maispoularde mit Stangensellerie, Karotten und Walnuss-Wildreis“ ähnelt auf dem großen weißen Teller einem Gemälde von Kandinsky – und macht doch satt. Das „Argentinische Rinderfilettournedo“ kostet 22 Euro und baut sich wie ein saftiger Hinkelstein auf.

Mehr Kulturevents geplant

Die Gäste für das Restaurant sollten besser vorbestellen, denn es gibt viele, die in diesem Sommer schon den Blick auf Spree und Fernsehturm genießen wollten – auch wenn die Terrasse meist verregnet war. Wer dort sitzt, sollte aber auch nichts dagegen haben, von einer schlanken Frau in Wildkatzenkostüm angeschnurrt zu werden. Die Künstlerin Kate Leidehirn tritt im Kater manchmal als Katze auf – die kein Wort spricht und sich dafür an die Rücken fremder Menschen schmiegt. Dass die Künstlerin aber auch sprechen kann, zeigt sie an den Tagen, an denen sie von Tisch zu Tisch geht und „Poesie à la carte“ anbietet: Gedichte deutscher Schriftsteller für private Runden.

Das alles klingt nicht mehr nach den Bar25-Exzessen der vergangenen Jahre – wie die Pressesprecherin erklärt: „Wir planen gerade jetzt wieder mehr Kulturevents“, sagt sie. Mittwochs soll es in der „Hütte“ einen Swingabend geben, donnerstags werden im „Heinz“ Filme gezeigt. Am 3. Oktober planen sie eine David-Hasselhoff-Gedenkfeier und zu Weihnachten einen Markt im Innenhof, vielleicht sogar eine Schlittschuhbahn. Beschwerden von Anwohnern gab es bisher keine. „Das heißt: eine einzige“, gibt Katjuscha Rottenberg zu, „wegen der Taxifahrer vor der Tür.“

Erinnerung an einen Mythos

Doch nach dem Essen wird auch jetzt noch gefeiert. Vielleicht auch, um den Mythos der Bar25 weiterleben zu lassen. Zumindest aber, um daran zu erinnern.

Es ist acht Uhr morgens am Sonnabend, als die Musik kurz ausgeht auf der kleinen Tanzfläche. Nach den Rolling Stones will ein Gast wieder House hören, er diskutiert mit dem DJ. „Dieses französische Teil, le vent“, sagt er. Die Platte landet auf dem Teller: „Le vent nous portera“ (deutsch: Der Wind trägt uns), das Lied mit dem fliegenden Teppich. Statt Frühstück gibt es Sekt auf Eis, die Tanzenden heben ihre Hände. Es gibt ihn noch, den Freizeitpark für Erwachsene, der niemals schließt. Steve, ein 23-jähriger Australier, erklärt, wie „crazy“ das sei. 24 Stunden will er bleiben.

Vergangene Woche hat der Kater wieder zu einer Lesung aus dem „Dummy Magazin“ eingeladen, es ging auch um einen sehr freundliche Exhibitionisten. Das klingt so widersprüchlich wie ein 22-Euro-Steak und ein Saufgelage bis zum Vormittag. Aber im Kater passen solche Gegensätze zauberhaft zusammen.