Berlin greift zum Fahrrad: In manchen Bezirken hat sich der Fahrradverkehr in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Zuletzt kündigte der Senat an, acht Millionen Euro in den Ausbau von Radwegen zu investieren. Davon würden rund 70 Prozent der Einwohner profitieren – so viele sind Fahrradbesitzer. Die restlichen 30 haben bei einem Blick in den Geldbeutel die Wahl. „Ein gebrauchtes Fahrrad kann besser sein, da günstige Neuräder oft von minderwertiger Qualität sind“, sagt Bernd Zanke vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Berlin (ADFC). Doch auch bei einem Gebrauchten sollte man nicht blind zugreifen. Auf diese Komponenten sollten Sie achten.

Händler

Nicht jeder Fahrradladen verkauft auch Gebrauchträder, da dafür eine besondere Lizenz nötig ist. Der ADFC Berlin hat auf seiner Webseite einige Händler aufgelistet. Viele haben eine eher kleines Angebot, am besten vorher anrufen und nach der Auswahl fragen. Einen guten Händler erkennt man daran, dass er sich Zeit für die Beratung nimmt und ohne Aufpreis kleine Nachbesserungen vornimmt. Sinnvoll ist, einen Händler in der Nähe des Wohnorts zu wählen. Gut für ein Schnäppchen sind auch Anzeigen im Internet. Hier immer eine Probefahrt vereinbaren und nicht auf gut Glück kaufen.

Preis

Sind Neupreis und Alter bekannt, gilt folgende Faustregel: Ein Fahrrad verliert beim Kauf rund 20 Prozent an Wert, nach etwa zwei Jahren liegt er nur noch bei 50 Prozent. Danach halbiert sich der Wert alle vier Jahre. Letztlich entscheidet natürlich der Zustand. „Gute Gebrauchträder gibt es schon ab 100 Euro“, sagt Zanke.

Sicherheit

Auf einen teuren Neukauf zu verzichten, bietet sich in Berlin schon wegen der stetig steigenden Zahl von Diebstählen an. 2013 registrierte die Polizei 26.513 Fälle, nur vier Prozent davon wurden aufgeklärt. Schutz bietet die Codierung. Sie besteht aus dem Ortskennzeichnen sowie Initialen und Geburtsdatum des Besitzers. Gegen Vorlage eines Kaufbelegs kann die Codierung bei Polizei oder ADFC auf den Rahmen eingraviert werden. „Diebe greifen tendenziell eher zu Rädern ohne Codierung“, sagt Zanke. Wichtig ist natürlich trotzdem das Fahrradschloss. Bei einem neuen Fahrrad sollte der Preis dafür zehn Prozent des Kaufpreises betragen. Laut ADFC kann man sich auch beim Gebrauchtrad an dieser Faustregel orientieren.

Rahmen

Der Rahmen ist quasi das Skelett des Fahrrads. An ihm sind alle nötigen Komponenten befestigt, zudem trägt er das Gewicht des Fahrers. Völlig normal bei Gebrauchträdern sind Kratzer am Rahmen. Was nicht geht, sind Dellen oder Risse. Die Schweißnähte von Stahl- oder Alurahmen sind dafür besonders anfällig. Wenn der Rahmen bricht, kann das zu Unfällen führen. Risse sind mit dem bloßen Auge nicht immer erkennbar. Bei der Probefahrt also auf ein verdächtiges Klacken im Rahmen lauschen.

Reifen, Felgen und Speichen

Das Rad anheben und prüfen, ob die Laufräder sauber und gleichmäßig zwischen Gabel und Bremsklötzen drehen. Das Profil der Reifen sollte nicht zu stark abgenutzt sein, ist aber in der Stadt „nicht so ausschlaggebend, da in der Regel keine hohen Geschwindigkeiten gefahren werden“ sagt Zanke. Von Vorteil seien Kunststoffeinlagen, mit denen „ist der Reifen ‚unplattbar‘“. Felgen sollten keine größeren Macken haben und nicht rostig sein, allerdings kann dies nur bei Stahlfelgen passieren, wie sie bei alten und billigen Rädern vorkommen. Neuere Modelle haben Alufelgen. Hier sollte man auf „Alufraß“ achten, der im Winter durch Streusalz verursacht werden kann. Ob Speichen kaputt sind lässt sich prüfen, indem man immer zwei nebeneinanderliegende zusammendrückt.

Tretkurbel und Pedale

Kurbel und Pedale sollten fest sitzen. Gerade der Austausch einer Kurbel kann ins Geld gehen. Auch hier bei der Probefahrt auf auffällige Geräusche achten und mit der Hand einfach mal die Festigkeit testen.

Bremsen

Schiebt man das Rad an, sollten die Räder bei angezogener Bremse blockieren. Die Bremsgriffe dürfen sich nicht bis zum Anschlag durchziehen lassen, zudem sollte der Druck sich bei mehrmaliger Betätigung nicht verändern oder nachlassen. Die Bremsblöcke sollten noch mindestens ein Millimeter Profil haben. Scheibenbremsen dürfen keinen Rost aufweisen und sollten bei der Probefahrt nicht quietschen oder vibrieren. Bei Felgenbremsen sollte die Felgenfläche, auf der die Bremsklötze aufliegen, nicht zu verschlissen sein.

Kette und Gangschaltung

Für die Stadt reicht normalerweise eine Nabenschaltung mit drei bis sieben Gängen, bei der zudem die Kette länger hält, da sie in einer geraden Linie bleibt. „Bei Kettenschaltungen muss die Kette nach 10.000 Kilometern erneuert werden“, sagt Zanke. Bei der Probefahrt sollten die Gänge ohne Kraftaufwand eingelegt werden können. Die Kette sollte rost- und schmutzfrei sein und sich flüssig über die Ritzel bewegen. Stehen einzelne Glieder ab, ist die Kette womöglich ausgeleiert. Zum Test in den höchsten Gang schalten – beim Versuch, sie in Fahrtrichtung abzuziehen, sollte sie auf dem Kettenblatt sitzen bleiben.

Sattel

Der Sattel sollte nicht übermäßig verschlissen oder porös und die Federung nicht zu stark zusammengedrückt sein. Ob der Sattel groß genug ist, lässt sich überprüfen, in dem man den Abstand seiner Gesäßknochen misst. Rechnet man auf beiden Seiten ein bis zwei Zentimeter dazu, erhält man die nötige Breite.

Lenker

Wie der Rahmen kann auch der Lenker in Folge eines Unfalls oder durch Verschleiß gebrochen sein. Zum Überprüfen stellt man sich vor das Fahrrad, klemmt den Reifen zwischen die Beine und bewegt den Lenker hin und her. Beim Fahren darf der Lenker nicht Fall einrasten, er muss sich geschmeidig bewegen. Zur Überprüfung das Fahrrad anheben und den Lenker nach links und rechts fallen lassen. Hier darf kein Widerstand auftreten.