Im September 2012 beschloss das Bundeskabinett den Nationalen Radverkehrsplan 2020, der das Fahrradfahren in Deutschland sicherer und attraktiver machen soll.

Das geschah von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt – und offensichtlich auch unbemerkt von den politischen Akteuren. Denn gerade einmal 1,19 Prozent der bei den Bundesministerien Beschäftigten könnten – gesetzt den Fall, sie wollten es alle gleichzeitig tun – ein Dienstfahrrad ihres Ministeriums nutzen, um einen Termin wahrzunehmen.

Oder anders: Nur jedem 84. Mitarbeiter stünde ein Fahrrad zur Verfügung. Das geht aus einer Antwort auf eine schriftliche Frage des Verkehrspolitischen Sprechers der Grünen-Bundestagsfraktion, Stephan Kühn, an die Bundesregierung hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegt.

Und das, obwohl der Radverkehrsplan einen sehr konkreten Vorschlag enthält, wie seine Umsetzung erfolgreich gelingen könnte: Es könne effektiv sein, „vor einer Werbung für das Fahrrad als Verkehrsmittel in der Öffentlichkeit zuerst in Politik und Verwaltung hineinzuwirken, um Unterstützung „in den eigenen Reihen zu gewinnen“, schreiben die Verfasser. Und weiter: „Auch die Vorbildwirkung bekannter Persönlichkeiten wird häufig noch unterschätzt.“

Verkehrsminister hat 19 Fahrräder für 1464 Berliner Beschäftigte

Offenbar auch von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), der für den Plan verantwortlich ist. Sein Ministerium liegt nur minimal über dem durchschnittlichen Bestand an Dienstfahrrädern. 19 Fahrräder hat die Behörde für die 1464 Berliner Beschäftigten. Das ist ein Anteil von 1,3 Prozent. Stephan Kühn wundert das kaum: „Symptomatisch für einen Verkehrsminister, der sich nur zu Fototerminen aufs Rad schwingt.“

Aber man muss gerecht bleiben. Nicht nur das Bundesverkehrsministerium hat einen genauen Blick verdient. Was ist zum Beispiel mit Umwelt und Gesundheit?

Im Hinblick auf die im Radverkehrsplan geforderte Vorbildwirkung bekannter Persönlichkeiten schlägt sich das Umweltministerium mit einem stets zweiberäderten Minister Peter Altmaier (CDU) sehr gut. Doch mit der Unterstützung in den eigenen Reihen, wie es der Plan fordert, scheint es im Umweltministerium nicht sehr weit gediehen. Für 3461 Beschäftigte gibt es 22 Dienstfahrräder. Das heißt, nur jedem 157. Mitarbeiter der Behörde steht ein Fahrrad zur Verfügung. Noch schlechter sieht es im Gesundheitsministerium aus: 21 Fahrräder auf 3708 Beschäftigte.

Bundesfamilienministerium besitzt nur zwei Dienstfahrräder

Es gibt aber auch, ein einziges, Positivbeispiel: Im Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gibt es 212 Fahrräder für 5385 Beschäftigte. Jeder 25. Mitarbeiter könnte also ein Fahrrad nutzen, um Termine wahrzunehmen.

Den letzten Platz belegt übrigens das Bundesfamilienministerium: 2 Dienstfahrräder für 573 Beschäftigte.