Der Berliner Senat will Radfahrern in der Innenstadt mehr Platz geben. Aktuell geplant sind etwa Veränderungen auf der Straße Unter den Linden, die derzeit noch von Baustellen geprägt ist. „Da wird es mehr Platz für den Radverkehr geben, weil der Radverkehr dort stark zugenommen hat“, sagte Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) der Berliner Morgenpost.

Gerade der touristrische Radverkehr in der Innenstadt ist in den letzten Jahren gewachsen. Denkbar sei, die Busspur zu verbreitern, damit die Busse Radfahrern ausweichen können, ohne dabei die Busspur verlassen zu müssen, sagte Gaebler.

Nach Angaben des Senats liegt der Anteil der Radfahrer am täglichen Verkehrsaufkommen bei rund 13 Prozent. 1,5 Millionen Wege in Berlin werden demnach pro Tag mit dem Fahrrad zurückgelegt. Der rot-schwarze Senat will den Anteil des Radverkehrs bis zum Jahr 2025 auf 20 Prozent erhöhen.

Erleichterungen für Radfahrer soll es auch an anderer Stelle geben: So will Verkehrssenator Michael Müller (SPD) alle geeigneten Einbahnstraßen für den Radverkehr öffnen. Radfahrer können diese dann in beide Richtungen nutzen.

Außerdem wird gemeinsam mit Bezirken und Polizei geprüft, auf welchen Radwegen die Benutzungspflicht entfallen kann – also das Verbot, auf der Straße zu fahren, wenn es einen eigenen Radweg gibt. „Wir wollen die Pflicht überall dort abschaffen, wo es möglich ist“, sagte Gaebler.

Öffnung von Einbahnstraßen

Die Öffnung der Einbahnstraßen wird vonseiten des Fahrradclubs ADFC begrüßt. Den Radfahrern mehr Wahlfreiheit zu lassen, ob sie einen Radweg oder die Straße nutzen wollen, geschehe dagegen vonseiten des Senats nicht freiwillig, sagte Philipp Poll, Geschäftsführer des ADFC in Berlin. „Es gab mehrere Gerichtsurteile, die den Senat zwingen, die Pflicht nach und nach aufzugeben.“

Wenn Radfahrer auf der Straße fahren, würden sie besser von den Autofahrern gesehen, sagte auch ADFC-Unfallexperte Bernd Zanke. Das reduziere die Unfallgefahr gerade an Kreuzungen, meinte er.

In diesem Jahr sind bereits sieben Radfahrer in Berlin tödlich verunglückt. Erst am Freitag starb ein 63-jähriger Mann im Krankenhaus, nachdem er tags zuvor in Tempelhof von einem Auto erfasst worden war. 2012 waren 15 Radfahrer in Berlin ums Leben gekommen, in den Vorjahren elf beziehungsweise sechs.

Warum die Zahlen steigen, werde im Detail noch analysiert, sagte Staatssekretär Gaebler. Ein höheres Verkehrsaufkommen führe aber grundsätzlich zu mehr Unfällen. „Natürlich ist jeder Unfall einer zu viel, und wir wollen gezielt gegensteuern.“

Polizei will Sicherheit verbessern

Wichtigste Maßnahme sei dabei, Angebotsstreifen für Radfahrer auf der Straße zu schaffen, um Konflikte mit Autofahrern beim Abbiegen und mit Fußgängern auf den Gehwegen zu entschärfen, sagte der SPD-Politiker. „Der Radfahrer gehört nicht auf den Bürgersteig, sondern auf die Straße.“ Außerdem will Berlin angesichts des teilweise dichten Radverkehrs Verhaltensregeln ausarbeiten. Vorbild dafür sei Kopenhagen, wo Radfahrer beispielsweise die Hand heben würden, um anzuzeigen, dass sie anhalten möchten, und um Auffahrunfälle zu vermeiden.

Auch die Polizei will sich mehr um die Sicherheit von Radfahrern kümmern. „Die Polizei wird zur Verbesserung der Sicherheit Kontrollen durchführen und Beratungsgespräche führen. Außerdem werden wir den Radfahrern Informationsmaterial aushändigen“, sagte Polizeioberrat Andreas Tschisch, Leiter der Sachbereichsgruppe Verkehrssicherheit. Es gehe besonders darum, die Radfahrer über die Hauptunfallursachen aufzuklären. Dazu zählen neben Rotlichtverstößen fehlerhaftes Abbiegen und falsches Benutzen von Straßen oder Radwegen – beispielsweise in der falschen Richtung.

Laut ADFC ist in diesem Jahr mehr als die Hälfte der in Berlin tödlich verunglückten Radfahrer nach einer Kollision mit einem Lkw gestorben. Unfallexperte Zanke kritisiert daher, der Ausbau der Radstreifen auf den Hauptstraßen müsse viel schneller gehen.

Zanke plädiert außerdem dafür, die Haltelinien für den Kraftverkehr an Ampeln drei Meter statt wie bisher 1,5 Meter hinter die Haltelinie für Radfahrer zu verlegen, damit gerade Lkw-Fahrer die Radfahrer an Kreuzungen nicht so häufig übersehen. ADFC und Grüne kritisieren außerdem, dass der Senat die Gelder für den Ausbau der Fahrradinfrastruktur in den nächsten beiden Jahren um eine Million Euro gekürzt hat.