Die Luft im Raum ist warm und feucht. Zu pulsierenden Beats schmiegen sich die Körper von zehn Paaren wellenförmig aneinander, um sich dann wieder in langsamen, ausladenden Bewegungen voneinander zu lösen. Es wirkt wie das Zusammenspiel von Welle und Brandung. Das sei Zouk, ein sinnlicher, mitreißender Tanz und Lebensgefühl in einem, sagt der 32-jährige brasilianische Tanzlehrer Junior Carvalho. In Brasilien, auf den niederländischen und französischen Antillen und auf den Kapverdischen Inseln wird er von Tausenden getanzt. Zouk ist die charmantere, elegantere Version der brasilianischen Lambada – aber nicht unbedingt schwerer als Salsa.
Deutschlandweit ist die Bremer Zouk-Szene bislang einmalig. Sie konkurriert gar mit europäischen Tanz-Hochburgen wie Barcelona, Amsterdam, Paris oder London. Carvalho stellt so etwas wie den Mittelpunkt der Szene dar. Der charismatische Tänzer hat schon annähernd 70 deutsche "Zoukeiros" begeistert. Aus sporadischen Workshops, die Carvalho seit dem Jahr 2000 in verschiedenen deutschen Städten gegeben hat, ist seit knapp drei Jahren eine feste Anstellung in der Bremer Tanzschule "La Milonga" geworden.
Die Begeisterung der Bremer Tänzer wachse mit jedem neuen Kurs und habe ihren Höhepunkt gerade in dem ersten deutschen Zouk-Festival gefunden, sagt Carvalho. Ähnlich wie der populäre Salsa sei Zouk in seiner Grundform leicht zu lernen. "Das Feeling ist schnell da – auch für die eher als zurückhaltend geltenden Norddeutschen“, sagt der Tanzlehrer. Dann jedoch dauere es Jahre, alle Kniffe, Körperwellen und Fallfiguren so richtig zu verinnerlichen. Es gehöre viel Körperbeherrschung und Training dazu.
Zouk entspannt und kann süchtig machen
Zouk gelte als eine langsame, sinnliche Variante des Lambada und im Vergleich zum Spaßfaktor des Salsa besitze der Tanz eher erotische und zwischenmenschliche Elemente, erläutert der Tanzlehrer. Der Funke der Begeisterung springe bei den Tanzenden schnell über.
Tanzschüler Sven Voelpel, der erst seit wenigen Wochen Zouk lernt, bestätigt das. Das Schwierigste sei das richtige Führen der Partnerin. "Man muss zu einer fließenden, schwebenden Einheit werden“, sagt der 35-jährige BWL-Professor, der nach dem Salsa nun auch Zouk für sich entdeckt hat. Dafür bedürfe es viel Einfühlungsvermögen. Für Voelpel ist Zouk jedenfalls der ideale Ausgleich zum stressigen Berufsalltag. "Dann gibt es nichts außer dem jeweiligen Tanzpartner, der Musik und der Bewegung – so kann man perfekt abschalten und entspannen.“
"Zouk kann regelrecht süchtig machen“, sagt Christina Witte. Seit drei Jahren ist sie Schülerin von Carvalho und tanzt fast täglich. "Ich kann gar nicht mehr ohne.“ Sie hat schon viel gelernt, war europaweit auf diversen Tanz-Workshops und hat das jährlich stattfindende Bremer Tanzfestival "Conexão Dance – Tanzen verbindet“ mit ins Leben gerufen, zu dem im Oktober 150 Tanzbegeisterte aus Deutschland und anderen europäischen Ländern kamen. "Damit tritt Bremen in die Tradition der wichtigen Tanzzentren Europas“, sagt Witte.
Carvalho hat eine Antwort auf dieses Phänomen. "Ich fühle mich hier wohl“, sagt der Tanzlehrer aus dem brasilianischen Belém. Er schätzt die kleine engagierte Tanzszene innerhalb der spezialisierten Tanzschule und genießt es, dass man sich auch auf der Straße im Alltag jederzeit begegnen kann. Hin und wieder ist Carvalho auch in anderen Städten im Einsatz. Ein fester Kurstag in Hamburg und wechselnde Workshops in anderen deutschen Städten unterstreichen das wachsende Interesse an dem für Deutschland neuen Zouk-Tanzstil. Die Zouk-Begeisterung sei eben hochgradig ansteckend, sagt Carvalho.
ddp



