Sie ist reich, mit einem der begehrtesten Männer der Welt verheiratet, hat drei hübsche Kinder, eine Topfigur und Schränke voller Designerklamotten. Dennoch kämpft Fußballergattin Victoria Beckham seit Jahren darum, ernst genommen zu werden. Nach ihrer Karriere als Sängerin bei der britischen Popband "Spice Girls" war sie in den letzten Jahren hauptsächlich als spindeldürre Kleiderstange mit zumeist versteinertem Gesichtsausdruck aufgefallen. "Mode-Ikone" nannte man sie höchstens in Anführungszeichen.

Aber "Posh Spice" ist offensichtlich zäher, als viele dachten: 2008 brachte sie es von der vermögenden Kundin aus der ersten Reihe zum Gesicht der Werbekampagne von Marc Jacobs. Der zeigte sein berühmtes Model zwar in durchweg lächerlichen Posen, aber immerhin. Kurz darauf legte Beckham nach – und präsentierte bei der New Yorker Modewoche im vergangenen Herbst zum Erstaunen der Modewelt ihre erste Kollektion unter eigenem Namen. Die figurbetonten, eleganten und von Beckhams favorisiertem Designer Roland Mouret inspirierten Kleider wurden mit Wohlwollen aufgenommen – und waren binnen kurzer Zeit ausverkauft.

Jetzt stellte Victoria Beckham in New York ihre zweite Kollektion vor. Und sie scheint damit am Ziel angekommen: endlich als Modedesignerin anerkannt zu werden. Kritiker lobten ihre 23 Entwürfe für die Herbst- und Wintersaison 2009 als "überraschend", "jugendlich" und "glamourös". Die schlicht geschnittenen, femininen Kleider, die Victoria Beckham statt auf dem großen Laufsteg in einer Suite im noblen Waldorf Astoria Hotel präsentierte, strahlten in üppigem Scharlachrot, Lila und sanften Creme- und Grautönen. Und sie zeigten im Unterschied zur ersten Kollektion sogar ein wenig Bein: "Posh" orientiert sich mit ihren Kleidern, die zuweilen sogar figurformende Korsetts verbergen, zwar immer noch am damenhaften Glanz der 50er-Jahre. Ganz offensichtlich will sie mit der neuen, jugendlicheren Kollektion nun aber auch jüngere Käuferinnen ansprechen.

Ein ehrgeiziges Ziel, denn die müssen sich die Roben der Marke Beckham erst einmal leisten können. Zu Preisen von umgerechnet 960 bis zu 5200 Euro (für eine bodenlange, in Indien von Hand bestickte Abendrobe) gehören sicherlich immer noch eher superreiche Kundinnen aus dem Nahen Osten als die britische Durchschnittsfrau zur potenziellen Beckham'schen Zielgruppe.

Dennoch vergaß die Neu-Designerin im Rahmen ihrer New Yorker Präsentation nicht, sich auch an den von der Rezession geplagten Teil ihrer Kundschaft zu wenden: "Zeitlos" seien ihre Kleider, die man deshalb durchaus auch mal mehrere Saisons hintereinander tragen könne. Statt sie wie früher nach einem halben Jahr schon wieder der Altkleidersammlung zu übergeben.

lha