Stilikone im Interview

Kate Hudson gruselt es vor Botox-Partys

| Lesedauer: 11 Minuten
Annemarie Ballschmiter

Schauspielerin Kate Hudson ist bekannt für ihr sonniges Wesen – und für ihre Mutter Goldie Hawn. In ihrem neuen Kinofilm "Bride Wars" liefert sie sich mit Anne Hathaway einen erbitterten Zickenkrieg. Morgenpost Online sprach mit Hudson über Freundschaft, Nacktszenen und Botox-Partys.

Eigentlich wird ihr nachgesagt, dass sie allein durch ihre Anwesenheit einen Raum zum Leuchten bringen kann. Doch dafür ist Kate Hudson heute zu müde. In ausgewaschenen Jeans mit weitem Schlag und grauem Oberteil mit Wasserfallkragen kauert sie mit untergeschlagenen Beinen im Sessel und gähnt immer wieder herzhaft. 20 Stunden Berlin, später geht es weiter nach Rom – die übliche Hollywood-Promotiontour. In „Bride Wars – Beste Feindinnen“ (Start: 5. Februar) spielt die 29-Jährige eine toughe New Yorkerin, die sich über den gemeinsamen Hochzeitsvorbereitungen mit ihrer besten Freundin verkracht.

Morgenpost Online: Sie selbst haben vor acht Jahren geheiratet. Wie waren Sie als Braut?

Kate Hudson: Ich war wahnsinnig aufgeregt. Aber wir hatten nur eine kleine, intime Feier mit der Familie.

Morgenpost Online: Hatten Sie als kleines Mädchen auch von einer opulenten Märchenhochzeit geträumt?

Hudson: Nein, meine Träume drehten sich eher darum, auf der Bühne zu stehen. Als ich klein war, wollte ich immer tanzen und singen. Dieses

ganze Männerding kam später. Vielleicht hat das damit zu tun, dass meine Eltern nicht verheiratet waren. Es gab also auch keine Hochzeitsbilder, die ich hätte betrachten können.

Morgenpost Online: War es seltsam, eine Braut zu spielen und selbst gerade eine Scheidung hinter sich zu haben?

Hudson: Es ist das sechste Mal, dass ich eine Braut in einem Film spiele. Ich bin Schauspielerin, das ist mein Job.

Morgenpost Online: Schöpfen Sie aus eigenem Erleben, wenn Sie spielen, oder kreieren Sie etwas ganz Neues?

Hudson: Ein bisschen von beidem. Es kommt darauf an, wie man sich einer Szene nähert. Da spielen so viele verschiedene Dinge rein. Angefangen bei den Kostümen. In diesem Film ist zum Beispiel die Frisur wichtig, dieser lange Bob mit Pony – eine sehr entschlossene Frisur.

Morgenpost Online: Sind nicht manche Rollen trotzdem fordernder als andere?

Hudson: Nein. Der Trick ist, alles mühelos aussehen zu lassen. Das ist das Ziel. Es gibt ja immer dieses Vorurteil, dass Komödien leichter zu spielen sind, weil sie so leichtfüßig daherkommen, aber genau das ist die größere Herausforderung. Komödien müssen viel direkter auf den Punkt kommen: Entweder es ist witzig, oder es ist es eben nicht. Dazwischen gibt es nichts. Du musst so wahrhaftig im Humor sein, wie du nur kannst. Einen Witz kannst du nicht manipulieren. Ein Gefühl schon. Deswegen sind Komödien so fordernd, und genau deswegen mag ich sie. Als Kind habe ich verschiedene Theaterkurse besucht. Ich liebte Improvisation und Comedy. Sketche zu spielen war für mich das Größte. Leute zu imitieren macht mir immer noch großen Spaß. Wenn ich mit meinen Freundinnen zusammen bin, fordern die mich immer auf, bestimmte Leute nachzumachen.

Morgenpost Online: Tatsächlich?

Hudson: Ja! Das ist genau das, was ich gern mache, und womit ich angefangen habe. Das ist für mich Spaß und Herausforderung zugleich.

Nach der Highschool wurde ich an der Schauspielschule der NYU angenommen, bin aber schlussendlich nicht hingegangen. Sie hatten mich für den Zweig Experimentelles Theater angenommen. Und das hätte gepasst. Ich bin ein Instinktmensch.

Morgenpost Online: Haben Sie Freunde, die Sie seit Ihrer Kindheit begleiten?

Hudson: Ja. Meine beste Freundin kenne ich, seit ich zehn Jahre alt war. Und dann habe ich noch meine Cousine. Mit ihr bin ich zusammen, seit wir geboren wurden.

Morgenpost Online: Könnten Sie mit jemandem, den Sie heute treffen, eine ähnlich enge Freundschaft entwickeln, oder geht das nur mit Menschen, die Sie schon lange kennen?

Hudson: Ich bin ein „Menschen-Mensch“. Ich lerne gern neue Menschen kennen, aber ich habe vor allem eine Gruppe sehr guter Freunde. Ich bin Schauspielerin, und all die Paparazzi und Klatschmagazinen haben zwar keine Bedeutung, aber was darunter leidet, und worunter ich leide, ist, dass es das schwierig macht, neue Leute zu treffen. Dabei bekomme ich daher eigentlich mein Material. Ich frage viel, bin neugierig. Schließlich ist es mein Beruf, Leute nachzuahmen.

Morgenpost Online: Ist es für Sie schwieriger geworden, neue Leute kennenzulernen?

Hudson: Es ist nur so schwierig, wie du selbst es machst. Aber was wirklich anstrengend ist, ist die Ablenkung. Jemand erkennt dich in einem Coffeeshop und spricht dich an, und nach fünf Sekunden hat derjenige normalerweise vergessen, wer du bist, und man unterhält sich ganz normal. Aber wenn dir 20 Paparazzi folgen, wird sich diese Unterhaltung niemals entwickeln, weil es jeder unangenehm findet, so belagert zu werden.

Morgenpost Online: Was ist belastender: eine Freundschaftskrise oder eine Beziehungskrise?

Hudson: Das ist eine gute Frage. Sie sind beide schwierig. (denkt nach) Ich persönlich würde sagen Beziehungskrisen. Denn ich wüsste, dass bei einer Krise in einer Freundschaft meine Freunde trotzdem weiterhin da wären. Üblicherweise sind Stolz und Ego die Ursache einer solchen Krise. Mit Freunden kannst du darüber streiten, aber irgendwann lässt du los. Wenn du sie brauchst, sind sie da. In Beziehungen ist das anders. Du kannst diesen Teil des anderen nicht kontrollieren, weil man anders miteinander verbunden ist. Das ist die Sache mit dem Ego und dem Stolz. In Freundschaften verliert man einander nicht.

Morgenpost Online: Wenn Sie aber einen Freund verlieren würden, wäre das härter als einen Partner?

Hudson: (wartet das Ende der Frage nicht ab) Ich weiß nicht. Ich habe noch nie einen Freund verloren. (denkt nach) Manche Freundschaften verlaufen sich einfach. Aber durch einen Streit ist noch nie eine Freundschaft zu Ende gegangen.

Morgenpost Online: Was muss passieren, damit Ihre bösartige Seite zum Vorschein kommt?

Hudson: Lügen. Ich bin nie bösartig, aber ich kann Lügner nicht ertragen. Ich mag keine Menschen, die andere manipulieren.

Morgenpost Online: Sind Sie rachsüchtig?

Hudson: Nein. Ich gehöre zu den Menschen, die dann einfach in die entgegengesetzte Richtung gehen. Unser Ego und unser Stolz stehen uns

oft im Weg. Aber so bin ich nicht, wahrscheinlich weil ich anders erzogen worden bin. Mein Bruder ist praktizierender Buddhist, schreibt gerade seine Doktorarbeit über Sanskrit. Meine Mutter ist Buddhistin. Und das war die Basis dessen, wie sie uns erzogen hat. Nicht nachtragend zu sein. Es gibt einen Unterschied zwischen Selbstdisziplin, Selbstvertrauen und Stärke und Stolz und Ego. Ich glaube daran, dass sich irgendwann das Wesen jedes Menschen offenbart. Wenn jemand ein Lügner ist, muss man ihm deutlich machen, dass man selbst nicht so ist, und in die andere Richtung gehen.

Morgenpost Online: Sie bezeichnen sich als Hippie.

Hudson: Nein. Das sagen andere über mich. Ich möchte mich nicht gern in irgendeine Schublade stecken. Aber weil ich manche Sachen sage, und wie ich sie sage und auch wegen meiner Klamotten, werde ich eben als Hippie eingeordnet. Ich habe auf jeden Fall einen Hippie geheiratet. (lacht) Und mein Sohn entpuppt sich langsam als Hippie.

Morgenpost Online: Was ist also ein Hippie für Sie?

Hudson: Wir wissen doch alle, wie ein Hippie aussieht. Oberflächlich sind das tief sitzende Schlaghosen, Schmuck, Tücher, Peace und Love. Ich bin ganz sicher kein Hippie. Ich hoffe, dass das, was die Leute in Zusammenhang mit mir mit Hippie meinen, eine gewisse Freigeistigkeit und Offenheit ist. Dann ja, dann bin ich auch ein Hippie, aber ich habe auch andere Anteile. Ich bin zum anderen sehr konzentriert. Und ich habe klare Prioritäten.

Morgenpost Online: Welche?

Hudson: Mutter zu sein. Als Erstes. (Pause) Und als Letztes (lacht). Und dann natürlich meine Verpflichtungen meiner Arbeit und mir selbst gegenüber. Kreativ zu sein macht mich glücklich. Das sollte man ernst nehmen.

Morgenpost Online: Oh, Sie können Ihre Stirn runzeln. Haben Sie jemals daran gedacht, Ihren Körper zu tunen?

Hudson: Bis jetzt noch nicht. Fragen Sie mich in ein paar Jahren wieder.

Morgenpost Online: Sie denken darüber nach?

Hudson: Nun, diese Dinge sind verfügbar. Wenn es das ist, was du brauchst, was du willst, warum nicht? Ich denke nicht, dass das irgendwie

schlecht ist, wenn sich Leute Botox oder sonst was spritzen lassen. Es geht wieder weg. Ich habe Freundinnen, die Botoxpartys machen. Um ehrlich zu sein: Mich gruselt das doch irgendwie. Aber das liegt daran, dass ich Spritzen hasse.

Morgenpost Online: Wird es nicht langweilig, wenn alles makellos ist?

Hudson: Das kommt darauf an, wie weit man es treibt. Es ist eine Sache, vorbeugend Botox zu spritzen, um keine Falten auf der Stirn zu bekommen. Und dann gibt es Leute, die sich die Wangenknochen machen lassen, um anders auszusehen. Meine Freundinnen wollen nicht anders aussehen, sondern gesund. Wenn also ein bisschen Botox meine 40-jährige Freundin glücklich macht, dann soll sie es tun.

Morgenpost Online: Haben Sie schon mal über ein Double für Nacktszenen nachgedacht?

Hudson: Nein, wenn ich mich ausziehe, ist das mein Körper, den man sieht. Alles andere fände ich seltsam. Ich glaube, es kommt darauf an, wie Nacktheit gezeigt wird. Ich bin Schauspielerin. Schauspielerei an sich ist ein Beruf, in dem du sehr verletzlich bist. Irgendwann in deiner Karriere ist es so weit. Besonders wenn du eine Frau bist. Der weibliche Körper ist schön – und sollte gefeiert werden. Manchmal wird er auch sehr schön gefeiert.