Fernsehen

Schon wieder ein "Tatort" über Gewalt an Kindern

Der neue Tatort ist spannend bis zuletzt. Aber er handelt schon wieder von Gewalt an Jugendlichen. Was sagt das über uns aus?

Zwei Väter im Konflikt: Frank Mendt (Robert Hunger-Bühler) ist die Tochter ermordet worden. Nun entführt er die Tochter des Ermittlers Sebastian Bootz (Felix Klare), um durch ihn an den Mörder heranzukommen.

Zwei Väter im Konflikt: Frank Mendt (Robert Hunger-Bühler) ist die Tochter ermordet worden. Nun entführt er die Tochter des Ermittlers Sebastian Bootz (Felix Klare), um durch ihn an den Mörder heranzukommen.

Foto: SWR / SWR/Alexander Kluge

Wer den „Tatort“ in letzter Zeit regelmäßig verfolgt hat, kann zwei Trends erkennen. Der erste betrifft die Bauweise seiner Plots: Immer öfter rücken die Autoren vom „whodunit“, vom klassischen Prinzip der Tätersuche ab und wenden sich Erzählungen zu, in denen der oder die Täter von vornherein feststehen und die Spannung auf anderen Wegen erzeugt werden muss.

Der zweite ist weitaus verstörender und wirft deshalb auch mehr Fragen auf: Immer häufiger ist es Gewalt gegen Kinder, die im Zentrum unserer Sonntagabendunterhaltung steht. Vergangene Woche erst war es ein sechsjähriges Mädchen, dem wir beim Spielen in einem Dortmunder Sandkasten dabei zusehen mussten, wie es eine Portion Kokain fand, sie in den Mund steckte und sogleich daran starb.

In „Preis des Lebens“ ist es diesmal ein zehn Jahre älteres Kind, Mareike, das drei Tage lang vergewaltigt und dann abgemurkst wurde wie ein Stück Vieh. Man muss solche Geschichten nicht moralisch verurteilen, sie sind ja fiktiv und der übliche Grusel am Sonntag. Aber man kann sich fragen, warum das üblich ist. Was darin zum Ausdruck kommt. Was es sagt über uns.

In jedem Fall stehen in diesem Stuttgarter „Tatort“ alle Täter von vorn­herein fest. Einer der Mörder des Mädchens wird anfangs aus der Haft entlassen. Ihn empfangen die Eltern (Michaela Caspar und Roland Hunger-Bühler) der 15 Jahre zuvor grausam zugerichteten Mareike.

Sie zwingen ihn, der während seiner ganzen Haft geschwiegen hat, den Namen seines Mittäters preiszugeben. In panischer Angst, vor Schmerzen nennt er ihn: Stefan Freund. Die Eltern wollen ihn umbringen.

Aber die Polizei kommt ihnen zuvor. Die Kommissare Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) verhaften Freund, woraufhin wiederum die verwaisten Eltern, Gespenster auf der Suche nach Rache, Bootz’ eigene Tochter entführen, um dessen Freigabe zu erpressen. Dem Regie-Routinier Roland Suso Richter ist ein Thriller gelungen, der bis in die letzte Minute spannend bleibt. Aber er wirft auch Fragen auf, die über ihn hinausreichen.

„Tatort: Preis des Lebens“ ARD, 23. Oktober, 20.15 Uhr