ARD-Krimi

Neues „Tatort“-Duo in Frankfurt schießt lieber mit der Kamera

Joachim Król und Nina Kunzendorf waren gestern. Jetzt treten Margarita Broich und Wolfram Koch in die Fußstapfen. Und halten sich erst einmal zurück. Sympathisch wirken sie. Und die Chemie stimmt auch.

Foto: HR/Benjamin Knabe

Im „Tatort“, keine Frage, muss geschossen werden. Auch eine Eva Mattes konnte sich da trotz Knallphobie nicht hinauslavieren. Aber schießen muss man ja nicht nur mit der Waffe. Schießen kann man ja auch mit einer Kamera. Sagt sich Margarita Broich. Und macht als neue Frankfurter „Tatort“-Kommissarin Selma Jacobi das, was sie selbst als Erstberuf macht: Fotos schießen. Die schlimmen Bilder von den Leichen überlässt sie schon den Forensikern. Aber es gibt auch sonst viel zu fotografieren, um den Blick zu schärfen. Und dann steht sie, wenn die Verdächtigen aussagen, als reale Figuren in deren Rückblenden. Um zu schauen, ob das alles stimmt, was die so sagen. Eine bildstarke Idee, sattsam bekannte Verhörrituale neu zu inszenieren.

Es ist kaum zu glauben: Aber wir haben erst Mai und zählen in der Folge „Kälter als der Tod“ bereits den dritten „Tatort“-Neuzugang in diesem Jahr, nach dem tollen Berlin-Duo und den Kollegen, die erstmals in Franken ermitteln. Nun also Margarita Broich und Wolfram Koch, die in die großen Fußstapfen ihrer Vorgänger Joachim Król und Nina Kunzendorf treten. Bevor es losgeht, muss man erst mal ganz viel vergessen. Wie toll die Frankfurter Fälle mit den beiden Aussteigern gewesen sind. Die nie geklärten Gründe, warum erst die Kunzendorf und dann der Król ausstieg. Und dann die unselige Diskussion, als Margarita Broich für ihre Figur einen jüdischen Namen vorschlag, um eine im Dritten Reich ermordete Jüdin zu ehren. Vielleicht hat der Hessische Rundfunk deshalb so lange mit der Ausstrahlung des längst abgedrehten ersten Falls von Broich-Koch gewartet: damit gebührend Gras über all die verbrannte Erde gewachsen ist.

Keine Macken, keine Phobien

Und so geht das los: Gleich morgens holt die Neue den Neuen zuhaus ab. Der weiß nicht, dass das die Kollegin ist, und gibt sich erst mal mürrisch. Aber sonst gibt es noch nicht zu viel Persönliches über die beiden Ermittler. Nicht gleich Traumata, Phobien oder Macken, unter denen Kollegen aus anderen Städten so leiden. Sie wollen es ruhig angehen.

Der Fall steht im Vordergrund. Da liegt eine Familie tot im Esszimmer. Die Tochter fehlt – und wird wenig später mit ihrer besten Freundin in einem Keller gefunden. Sehr schnell gibt es einen Verdächtigen, der von Roman Knizka gespielt wird, was ihn noch verdächtiger macht: Roman Knizka muss immer die Schurken spielen. Oder muss man nicht auch die Freundin der Tochter genauer überprüfen, die sich auffallend in diese Familie gedrängt hat?

Broich & Koch ermitteln, ohne sich nach vorn zu drängen. Auch in der Teamkonferenz fragen sie sich eher, ob sie was sagen sollen, und überlassen es dann doch dem eitlen Chef. Alphatiere sind das keine. Sympathieträger schon. Vielleicht klappt es im nächsten Fall ja auch mit dem Tee. Den will Margraita Broich ständig trinken. Und muss ihn dann doch immer einer anderen Person ausgeben.

„Tatort: Kälter als der Tod“ ARD, 17. Mai, 20.15 Uhr