ARD-Krimi

Der „Tatort“ aus Dortmund zeigt Menschen im freien Fall

Ein Basejumper wird mit zerschmettertem Körper in ein Krankenhaus eingeliefert, Geräte halten ihn am Leben. Kommissar Faber (Jörg Hartmann) ermittelt im Kreis seiner Freunde. Ein sehenswerter Fall.

Foto: WDR / WDR/Thomas Kost

Vor ein paar Jahren, als Borussia Dortmund noch ohne großes Glück große Siege feierte, da gewann die Mannschaft einmal haushoch beim Hamburger SV. Am Ende stand es 1:5, eine Demütigung. Ein ergrauter Hanseat saß auf der Tribüne und sah sie sich äußerlich unbewegt an. Nach dem Abpfiff schwieg er lange. Dann sagte er: „Das ist schön für die Dortmunder, dass sie hier gewonnen haben. Aber dafür müssen sie jetzt auch nach Dortmund zurück.“

Ach, Dortmund. Man liebt es ja nicht wegen seiner Schönheit, man liebt es wegen der Frage, warum man es überhaupt lieben soll. Das passt zum Lebensgefühl in dieser Stadt auf der Rückseite des Westens, deren nördlichen Teil man schon länger besser meidet und wo die Industrieruinen in den Himmel ragen wie Echsen aus der Kreidezeit. Die rostigen Großskulpturen sind regelmäßig und auch diesmal Kulisse für die Fälle der Dortmunder „Tatort“-Ermittler.

Eine Rechnung, die niemand begleichen kann

Es geht um Basejumper, also um Anhänger des lebensgefährlichen Hobbys, sich von hohen Gebäuden, Gerüsten oder eben Industrieanlagen zu stürzen und erst im letzten Moment den Fallschirm zu öffnen. Einer dieser Basejumper wird mit zerschmettertem Körper in ein Krankenhaus eingeliefert. Er heißt Leo Janek, man kann ihn nur noch mit Geräten am Leben halten. Jemand muss seine Frau informieren und den gemeinsamen Sohn. Auftritt Kommissar Faber.

Faber ist eine komplexe Figur, vielleicht der am besten entwickelte Charakter in der Riege männlicher „Tatort“-Ermittler. Der in Hagen geborene Jörg Hartmann leiht ihm den authentischen Ruhrpottdialekt und eine verlorene Unnahbarkeit. Faber, die meisten wissen das, hat seine Frau und seine Tochter bei einem Autounfall verloren, und seitdem hat er mit der Welt eine Rechnung offen, die niemand begleichen kann.

Affäre mit einem Fallschirmspringer

Die Frage ist jetzt, wie der halbtote Springer überhaupt vor das Krankenhaus gekommen ist. Faber und seine Kollegin Bönisch stehen auf dem Dach des Gebäudes, und Bönisch sagt: „Wenn ich mich umbringen will, dann springe ich doch nicht direkt vor die Notaufnahme.“ Jemand muss ihn also dorthin gebracht haben, aber wer? Die Ermittler forschen im Kreis seiner Freunde und Bekannten nach. Seinem Schwager, der irritierenderweise genauso aussieht wie der BVB-Linksverteidiger Marcel Schmelzer, hat Janek einen Kredit verschafft, es gab Konflikte deshalb. Aber auch unter seinen Basejumping-Freunden herrschte nicht die reine Harmonie.

Währenddessen immer wieder: Die Reibereien zwischen dem Ex-Paar Dalay (Aylin Tezel) und Kossik (Stefan Konarske), das sich nach einer Abtreibung getrennt hat und sich nun das Leben schwermacht – Dalay stürzt sich in eine Affäre mit einem Fallschirmspringer und deshalb auch aus einem Flugzeug, um von Kossik loszukommen. Der Dortmunder „Tatort“ gibt viel Zeit aus für die Entwicklung seiner Charaktere. Viel stärker als die geschlossenen Episoden aus München, Köln oder Münster setzt er auf den Fluss einer langen Erzählung. Das macht ihn sehenswert, auch in diesem Fall.

ARD, 3. Mai, 20.15 Uhr