ARD-Krimi

Becker & Waschke - Die neuen „Tatort“-Gesichter von Berlin

Meret Becker und Mark Waschke sind das neue Berliner „Tatort“-Duo. Ein wenig kannten sie sich schon vorher. Aber reicht das? Ein Gespräch über Schießkünste, Erfahrungen mit der Polizei und was sich die beiden kochen würden.

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Mit ihren Vorgängern ging es eher unharmonisch zu Ende. Das sollen Meret Becker und Mark Waschke jetzt vergessen machen. Sie sind die neuen Berlin-Kommissare im Schlachtross des Deutschen Fernsehens, dem „Tatort“. Berlin soll in ihren Fällen die dritte Hauptrolle spielen, und schon der erste Fall „Das Muli“, der am 22. März ausgestrahlt wird, führt sie vom Bahnhof Zoo über eine Müllanlage in Britz bis zum noch nicht eröffneten BER. Das Duo Becker-Waschke wurde beim RBB erfunden, was die Schauspieler selber überrascht hat. So ganz eingespielt scheinen sie noch nicht. Beim Interview im RBB-Fernsehzentrum in der Masurenallee macht Mark Waschke das Fenster auf, das Meret Becker gleich wieder schließt. Dafür verbindet sie ein eher schräger Humor.

Berliner Illustrirte Zeitung: Als neue Berliner „Tatort“-Kommissare müssen wir Ihnen natürlich erst mal die Sonntagsfrage stellen. Wie halten Sie es mit dem „Tatort“? Gucken Sie sonntagabends? Gehören Sie zu denen, die man um diese Zeit nicht anrufen, nicht stören darf?

Mark Waschke: Ich habe als Jugendlicher in den achtziger Jahren ab und zu „Tatort“ geguckt. Ich fand Schimanski damals cool. Ich wollte so eine Jacke haben und auch so cool sein. Aber in den Neunzigern habe ich dann damit aufgehört, und zwar richtig. Ich habe damals gar kein Fernsehen mehr geguckt. Als ich frisch nach Berlin gezogen war, bin ich jeden Abend ins Kino gegangen. Erst über die ein, zwei TV-Filme, in denen ich selbst mitgespielt habe, habe ich dann wieder angefangen, fernzusehen. Und begriffen, was für ein Medium das ist. Dass das gar nicht mehr so schlimm ist, wie es mal war. „Tatort“ gucke ich jetzt aber erst wieder...

Meret Becker: … seit Du mitspielst.

Waschke: Genau! Und um zu gucken, was das ist. Und da stelle ich erstaunt fest, wie heterogen, wie unterschiedlich dieses Format ist. Wie kann es dafür eine so homogene Fan-Gemeinde geben? Das ist erstaunlich.

Becker: Früher gab es in Berlin ja nur fünf Kanäle, aus dem Osten und dem Westen. Da gab es nicht so viel Auswahl, da habe ich auch „Tatort“ geguckt. Schimanski mochte ich auch. Weil der so aus der Reihe fiel. Außerdem spielte Eberhard Feik mit, ein Kollege von der Schaubühne. Ansonsten gehöre ich nicht zu den Menschen, die immer „Tatort“ gucken. Wie es überhaupt nichts gibt in meinem Leben, was man regelmäßig nennen könnte.

Hätten Sie denn je gedacht, einmal selber „Tatort“-Kommissar zu werden?

Waschke: Nicht wirklich.

Becker: Also, ich bin tatsächlich irgendwann mal... Nee, hab ich nicht.

Nun hat man Sie beide ja gleich als Team vorgeschlagen. Können Sie sich erklären, warum?

Becker und Wasche: (gucken sich lange an) Nö.

Hat man es Ihnen erklärt?

Becker: Es gab da so ein Rollengerüst, da hatte der RBB wohl ganz konkrete Vorstellungen, wer das erfüllen kann und soll. Männlein und Weiblein, Ost und West, Single und Familienmensch. Das machte schon Sinn, als man uns das auseinandergesetzt hat.

Kannten Sie sich denn vorher?

Becker: Ja... nein...

Waschke: Wir kannten uns ein wenig.

Und waren Sie überrascht, als man Sie als Kombi-Packung vorschlug?

Waschke: Erst mal schon. Aber bei dem Gerüst schien es wirklich die einzige Kombination. In der Polarität und dem lustvollen Spannungspotenzial macht die Besetzung durchaus großen Sinn. Hier gibt es mal nicht nur so ein übliches Gegensatzpaar, da ist sehr viel möglich. Und das will man ja auch nicht nur einen Film lang machen, sondern langfristig erzählen.

Sie haben zuvor noch nie zusammengearbeitet. Wie war das bei der ersten Klappe? Wir haben gehört, das erste Treffen soll schlecht gewesen sein.

Becker: Es ist doch so langweilig, wenn man sagt: War super. Wir haben deshalb ein bisschen rumgealbert, war scheiße, ich kann den nicht leiden.

Waschke: Aber die Ironie hat wohl keiner verstanden. Jetzt kommen alle und fragen, war es wirklich so schlimm?

Becker: Wir haben uns gleich zusammen vor eine Kamera gestellt und einfach mal ausprobiert.

Waschke: Um zu gucken, wie das ging. Dass das menschlich ging, konnten wir uns gut vorstellen. Aber es musste auch vom Spiel her klappen. Hätte ja auch sein können, Meret, dass du noch viel kleiner bist, als ich dachte.

Becker: Und ich dann auf Kisten steigen muss... Wie man privat miteinander kann und wie man zusammen vor der Kamera wirkt, das sind einfach ganz unterschiedliche Dinge.

Früher waren Serienfiguren ja ein absolutes No-No für Schauspieler. Schublade, Sackgasse, Endstation. Haben Sie kurz gezögert, als das Angebot kam?

Waschke: Erst mal ist das ja eine Reihe und keine reine Fernsehserie. Das ist schon noch mal was anderes. Eine Serie hätte ich jetzt wohl nicht unbedingt gemacht, aber bitte, fang du doch mal an.

Becker: Ein Zucken gab’s nach wie vor. Obwohl das in der Tat nicht mehr so schlimm ist, dass man, wie früher, festgelegt ist. Einmal Derrick, immer Derrick. Auch das Niveau hat sich sehr gehoben.

Waschke: Unseres natürlich gesenkt! (lacht) Zu spät!

Becker: Meine Hingabe gilt nach wie vor vor allem dem Kino. Und der Musik. Sachen, bei denen man nicht so sehr in Konventionen geschubst wird. Die Gefahr hast du hier schon, wenn du Millionen Zuschauern gefallen sollst, steht da schon eine ganz andere Maschinerie dahinter. Das ist dir schon bewusst.

Herr Waschke, kommt es da auch zu Reibungen mit dem Spielplan an der Schaubühne? Müssen Sie da manchmal mittags drehen und abends auf der Bühne stehen?

Waschke: Iwo. Das sind ja nun auch nur zwei Fälle pro Jahr, das bleibt schon überschaubar.

Becker: Da gibt es halt Sperrfristen. Das gab’s noch nicht in meinem Leben, das ist auch gewöhnungsbedürftig. Andererseits ist das auch eine große Ehre. Und damit verbunden sind ja auch gewisse Sicherheiten, die ich so auch noch nicht hatte. Die auch mal ganz angenehm sind. Ich musste immer Haken schlagen. Wenn jemand dachte, ah jetzt kennt er mich, bin ich immer in die andere Richtung gelaufen, um zu demonstrieren: Denkste, Püppchen. Aber ich komm nun mal aus einer Showbiz-Familie, ich stehe auf Boulevard. Und auch der „Tatort“ ist in einer guten Art volksnah. Damit etwas anstellen zu können, das macht nicht nur Spaß, das eröffnet auch eine große Chance.

Waschke: In der Tat. Das ist nichts Serielles, keine Soap Opera, die sich über Herz und Schmerz entwickelt. Das find ich spannend, wie man im eigentlichen Krimiplot erzählen kann, wie wir leben. Lebenswirklichkeit von Berlin darzustellen. Was nicht nur nett, beschaulich und unterhaltsam ist, sondern auch irritierend, verstörend und merkwürdig sein kann für Millionen von Zuschauern. Sonst wird das im Fernsehen ja gern eingeordnet, da hast du den Mitbürger mit Migrationshintergrund und da eine schwule Figur. Bei uns ist ganz vieles noch ganz offen. Den Irrglauben, die Wirklichkeit festhalten zu können und damit beherrschbar haben, diesen Irrglauben zu erschüttern in dem großen Boulevardtheater „Tatort“, das ist meine Lust daran. Und eine diebische Vorfreude.

Becker: Das eröffnet auch eine gewisse Anarchie. Wenn man dir sagt, das geht so nicht. Das hat so und so zu sein. Jetzt einfach zu zeigen: Nö, geht vielleicht doch anders, das ist eine ganz große Möglichkeit.

Waschke: Bei uns gibt’s ja zum Beispiel im ersten Fall erst mal gar keine Leiche. Blut ja, aber eben keine Leiche. Das ist schon mal eine Tradition, mit der gebrochen wird. Vielleicht gibt’s da ja noch mehr. Ich hätte, im Gegensatz zu vielen Millionen Zuschauern, auch nichts dagegen, wenn ein Fall mal nicht aufgeklärt wird. Obwohl, vielleicht fänden die Millionen das ja auch mal spannend. Ich denke, da ist noch viel mehr möglich. Nicht nur im ironischen Umgang mit dem Format, wie das ja auch einige versuchen. Wenn die alle das nicht mehr ernst nehmen, dann brauchen wir das nicht mehr machen.

Haben Sie schon mal eine Leiche gespielt?

Becker: Ich bin schon umgekommen im Film. Aber ich habe noch nie eine Leiche gespielt, die ausschließlich Leiche war. Dafür, ganz ehrlich, bin ich zu teuer.

Waschke: Tot war ich auch schon ein paar Mal. Einer meiner anstrengendsten Drehtage war mal ein Film von Matti Geschonneck, wo ich wirklich acht Stunden lang als Leiche in einem Kofferraum lag, mit aufgeschnittener Kehle und so aufgeklebtem Filmblut. Leiche sein kann echt hart sein.

Becker: Ich hab schon mal einen ganzen Film im Koma gelegen, das war auch nicht lustig. Und in einer österreichischen Serie, „Der Aufschneider“, war ich auch mal Totengräberin und habe mit Leichenteilen gedealt. Und dann lag da ein alter, toller Herr, der wurde uns in den Sarg gelegt und den sollten wir zurechtzuppeln. Ich hatte Großaufnahme und spielte und plötzlich hörte man aus dem Sarg so ein Schnarchen. Ich musste dabei immer ernst bleiben. Das war echt ein Erlebnis.

Frau Becker, es heißt, Sie schießen gern. Hatten Sie die Kommissarin schon in der DNA?

Becker: Nee, das ist ja eher so’ n Cowboy-Ding. Ich schieße gern auf dem Rummel, aber das ist ja mehr so mit Gewehr. Und da schießt nicht nur du, da wird auch ein Foto von dir geschossen, du mit Gewehr und die Leute, mit denen man da ist. Das ist so ein kurioses Zeitdokument. Das mag ich wirklich gern. Im „Tatort“ musst du aber mit Pistole schießen. Das ist etwas ganz anderes. Dafür waren wir auch bei einem richtigen Schießkurs, und das war alles andere als lustig. Wir haben da mit scharfer Munition geschossen, da hast du ein ganz seltsames Gefühl. Da geht es eben wirklich um Leben und Tod. Du stehst da auch mit zehn Leuten in der Reihe und denkst: Was, wenn jetzt einer von denen ein Freak ist?

Waschke: Das sind alles Freaks! Ich war ja auch da. Nein, ganz ehrlich: Das ist unheimlich Respekt einflößend. Und es ist so einfach, mit Knarre zu töten. Das macht es so unheimlich, weil es so unkörperlich ist. Du musst dafür nichts machen, nur auf den Auslöser drücken. Als Schauspieler liebst du das Körperliche: Hier bin ich, mit meinem Gefühl und meinem Körper. Und da hast du so ein Ding, wo sich deine Wirkung überproportional verlängert. Leute, die das Schießen begeistert, sind mir von jeher sehr suspekt.

Becker: Die finden das total geil. Die fragen sich nicht, wofür, die haben einfach so eine Lust, das zu tun. Das ist ja auch sauteuer. Ein Versehen, eine falsche Bewegung, und das ganze Leben ändert sich.

Mussten Sie dafür bei der Polizei eigens in Lehre gehen?

Waschke: Es ist jetzt nicht so, dass der RBB uns dazu gezwungen hätte. Es war uns eher ein Bedürfnis, dass das nicht lächerlich aussieht. Dass man damit umgehen kann, dass die Waffe kein Fremdkörper ist. Es gibt, das finde ich auch ganz ulkig, für alles Experten. Wie man eine Waffe hält, das hab ich drei Mal erklärt bekommen. Bis mir der Kameramann das noch mal ganz anders gezeigt hat.

Becker: Das ist ja auch das Tolle an unserem Beruf, dass man ganz viel ausprobieren darf.

Was war denn, abgesehen vom „Tatort“, Ihre letzte Erfahrung mit der Polizei?

Becker: Das Blitzlicht auf der Autobahn. Ich bekomme ja immer Post.

Waschke: Als die Gerhart-Hauptmann-Schule in Kreuzberg besetzt war. Da war ich mit meiner Frau und meiner kleinen Tochter bei einem friedlichen Fest, da wurde getanzt und gefeiert, und plötzlich kam da Bereitschaftspolizei und hat sich einen der Flüchtlinge herausgegriffen. Da gab es Protest von den Anwesenden, und die Polizisten griffen plötzlich zu ihrem Pfefferspray. Ich hatte meine Tochter auf der Schulter, wir waren alle total geschockt. Und ich hatte richtig Angst. Ansonsten, muss ich gestehen, kann ich Uniformen, und die Autorität, die sie verkörpern, oft nicht ernst nehmen. Da muss ich immer lachen, ich kann nicht anders.

Das ist ja dann merkwürdig, wenn Sie selber so eine Autorität spielen.

Waschke: Was wir tun, ist ja ganz was anderes. Wir treten nicht in der Uniform auf, wir zeigen da eine Dienstmarke. Wovor ich aber immer großen Respekt habe, ist das, was Streifenpolizisten jeden Tag zu machen haben.

Becker: Als ich neulich auf Tournee war, gab es in meinem Hotel einen Kongress von Polizisten, da waren dann unter anderem Verkaufsstände. Einer hatte da lauter Handschellen und Handschuhe, alles mit Katalog. Und ein anderer Strompistolen. Die versuchen, die an den Mann, an den Polizisten zu kriegen. Ich fand das ganz merkwürdig, die haben doch eine Standardausrüstung, warum gibt es da noch Kataloge mit speziellem Material. Aber die können halt aufrüsten. Das geht fast in den Fetisch-Bereich.

Wenn man Berliner „Tatort“-Kommissar ist, ist man dann auch so etwas wie das Gesicht der Hauptstadt?

Becker: Schön wär’s. Aber ob das so ist, weiß ich nicht.

Waschke: Das wird sich noch zeigen müssen.

Frau Becker, Sie werden ja, obwohl auch nicht hier geboren, immer als waschechte Berlinerin gehandelt. Sie, Herr Waschke, leben auch schon seit 20 Jahren hier, aber mit Ihnen würde das keiner verbinden.

Waschke: Bin ich ein waschechter Berliner? Wohl eher ein waschke-echter.

Becker: Waschechter Berliner ist ja insofern schwierig, weil das bis zu den Großeltern gehen muss. Und das ist für viele aus historischen Gründen oft nicht möglich, weil sie zu bestimmten Zeiten in diesem Land einfach nicht Berliner sein konnten. Das Schöne ist aber, dass man schnell als Berliner anerkannt wird. Ich durfte neulich Shermine Langhoff den BZ-Kulturpreis verleihen, die ist in Nürnberg geboren, mit türkischem Hintergrund, und trotzdem Berlinerin.

Waschke: Das Schöne an Berlin ist auch, dass es so wenig Deutschland ist wie New York die USA. Wenn man für München stünde, hätte man vermutlich bestimmte Folklore-Bilder im Kopf. In Berlin hab ich das nicht, da ist so etwas Nicht-Greifbares, Widerspruchsvolles, Irritierendes, Eigenes. Dafür stehe ich gerne. Für eine bestimmte Kultur, eine bestimme Identität würde ich ungern stehen, weil ich das immer ausgrenzend finde. Und auch langweilig. Das Offene, Uneindeutige, das ist mehr so meins.

In Ihren „Tatorten“ soll Berlin künftig ja die dritte Hauptfigur sein...

Waschke: Na, die erste!

... lernt man da die eigene Stadt noch einmal anders kennen?

Becker: Man lernt sie vielleicht auch ein wenig definieren. Das ist ja erst mal so ein Slogan: die dritte Hauptfigur. Aber je mehr man sich damit beschäftigt, desto mehr denkt man auch darüber nach, wie man die denn gesehen haben will. Wofür Berlin eigentlich steht.

Waschke: Ich fand toll, wie wir in dieser Müllanlage gedreht haben, draußen in Britz. Orte, an die du garantiert nicht kommst. Da erfährst du dann, dass 90 Prozent von all dem, was wir so in den Hausmüll schmeißen, recycelt wird. In einem wahnsinnig aufwendigen Prozess. Man taucht da in Arbeitswelten ein, die keiner kennt, über die sich keiner Gedanken macht. Wo Leute mal nicht nur vor Computern hocken. Die aber die ganze Stadt, diesen Riesenmoloch am Laufen halten. Wir wollen auch, dass man Berlin körperlich spüren soll. Ich finde, das ist im ersten Fall schon ganz gut gelungen.

Sie durften auch schon Schlüsselszenen am BER drehen. Wie war das?

Waschke: Das ist ganz absurd. Da sprießt schon das Gras zwischen den Steinen. Und doch ist schon unglaublich viel los. Da gab es ein Parkhaus mit vielen Autos, da wird also schon ganz viel gearbeitet. Du siehst auch Flugzeuge, weil um die Ecke schon das eine Rollfeld von Schönefeld ist. Und gleichzeitig hast du diese absolute Leere. Das hat etwas total Groteskes. Ich fürchte, wenn der Flughafen mal geöffnet wird, muss man sich schon fragen, ob die Architektur noch up-to-date oder schon altmodisch ist.

Becker: Das erste Mal, als wir dort drehten, war nachts. Ich fuhr da hin, und da war alles beleuchtet. Wie in einer Geisterstadt. Du fragst dich die ganze Zeit, wo sind die dazugehörigen Menschen? Da gibt’s auch eine flughafeneigene Zeitung, und du denkst, für wen wird die gemacht? Es gibt da ja auch schon einen ganz merkwürdigen Tourismus.

Was ist der schönste Ort in Berlin für Sie?

Waschke: Das verändert sich hier alles so rasant, dass ich das nicht nennen könnte. Ich war einen Sommer lang ganz oft auf dem Flugfeld Tempelhof und fand das großartig, was da passierte. Im nächsten Moment kann das dann aber auch wieder eine völlig unbekannte Kneipe in Neukölln sein, in der ich lande. Und dann ist es wieder die Schaubühne, in der ich spiele.

Becker: Es gibt auch so bestimmte Zeiten, die dann vorbei sind. Wenn du zum Beispiel Schaubühne sagst, das ist für mich nicht der Ku’damm, das bleibt für mich auf alle Zeiten das Hallesche Ufer. Da hab ich meine Kindheit verbracht, das wird für mich immer die Schaubühne sein.

Da Sie sich jetzt kennengelernt haben: Was würden Sie füreinander kochen?

Waschke: Wenn ich Meret Becker zum Essen einladen würde – coole Frage. Ich würde auf jeden Fall sehr stark würzen. Nicht zwingend scharf, aber mit ungewöhnlichen Gewürzen. Ich würde anfangs einen fruchtigen Papaya-Chili-Salat machen, in der Mitte irgendwas mit Fleisch, aber mit ganz wenig Kohlehydraten. Zum Schluss dann noch ein richtig fettes geiles Dessert. Wir haben aber bislang wenig zusammen gegessen. Insofern kann ich da nur raten. Aber das mit den Gewürzen, das scheint mir sehr zutreffend.

Becker: Ich würde dir was Fischiges machen.

Waschke: Weil ich so fischig bin, wie? Du kriegst mich nicht zu greifen, das willst du damit doch sagen, oder?

Becker: Nee, ich liebe Fisch. Und ich glaube, das kannste ab. Es wären auch viele Kräuter dabei. Ich würde für Geschmackssensationen sorgen. Und versuchen, dich zu überraschen. Aber kein Nachtisch. Und kein Alkohol.

Wie lange, was meinen Sie, werden Sie denn „Tatort“ drehen?

Becker: Bis zur Rente.

Waschke: 37 Jahre! Jeder. Das macht 74 insgesamt. Oder sagen wir so: Solange, wie es passt, wie es sinnvoll und nötig ist.

Becker: Das hast du schön gesagt. Aber dann kommt doch noch was hinten dran...

Waschke: Ah richtig. Und solange, bis ich irgendwann den Satz sagen muss: „Warum glaube ich Ihnen nicht?“

Becker: Genau. Dann kündigen wir.