ARD-Krimi

Der „Tatort“ führt zurück in Zeiten des Kalten Krieges

Eine Falle für politische Flüchtlinge: Das Duo Moritz Eisner und Bibi Fellner ermittelt im tschechisch-österreichischen Grenzgebiet. Spannend ist der neue Wiener „Tatort“ nicht.

Foto: ARD Degeto/ORF/Allegro Film/Mile

Das Ermittlerduo Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhaus) hat bislang meist gute Kriminalgeschichten durch seine umwölkte Chemie noch zusätzlich veredelt. Die „Tatort“-Fälle aus Wien und Umgebung konnte man immer sorglos einschalten. Diesmal aber bleiben die beiden unter ihren Möglichkeiten.

Das liegt vielleicht am etwas zu verschlungenen Plot, den Drehbuchautor und Regisseur Rupert Henning vor uns ausbreitet. Er führt die Kommissare nicht nur fort aus Wien und in das tschechisch-niederösterreichische Grenzgebiet, sondern auch in die ferne Vergangenheit des Kalten Krieges. 1968, als der Eiserne Vorhang noch Tag und Nacht mit Waffen bewacht wird, kehrt ein Fischer von seinem nächtlichen Ausflug nicht mehr nach Hause zurück. Er bleibt verschwunden, die Behörden verweigern jede Auskunft zu dem Vorfall. Jahrzehnte später macht sich sein Sohn daran, den mysteriösen Fall aufzuklären – und genau zu diesem Zeitpunkt wird plötzlich ein 45-jähriger Tscheche tot aus dem Grenzfluss gezogen. Dass es sich dabei um keinen Zufall handeln kann, liegt auf der Hand.

Eine Falle des Geheimdienstes

Bei ihren Ermittlungen stoßen Eisner und Fellner auf eine perfide Strategie, womit der tschechoslowakische Geheimdienst die fluchtwilligen Bürger des Landes seinerzeit in die Falle lockte: Er baute eine fiktive Grenze auf, einige Hundert Meter vor der tatsächlichen Grenze. Mithilfe von kostümierten Agenten wurden die Flüchtlinge im Glauben gelassen, sie seien dem sozialistischen Regime entkommen – um sie dann nebenbei und jovial über ihre Freunde und ihr politisches Umfeld auszufragen. Erst am Ende mussten sie schreckensstarr erkennen, noch immer in der Tschechoslowakei zu sein.

Das hat es gegeben: Junge Österreicher halfen damals bei diesen heimtückischen Täuschungen, und dieses traurige zeithistorische Kapitel aus der Vergessenheit zu holen, ist aller Ehren wert. Aber leider ist etwas schiefgegangen in diesem „Tatort“, und das nicht nur, weil seine Geschichte sich ins Unübersichtliche verliert. Fellner und Eisner, sonst Großmeister des grantelnden Minimalismus, scheinen sich diesmal selbst karikieren zu wollen. Sie reden übereinander und wirken manchmal, als würden sie sich begeistert selbst im Spiegel beobachten. Hinzu kommen einige unnötige Albernheiten wie eine Archäologin, die so gestelzt daherredet, als würde sie Sonderprämien für jedes Fremdwort erhalten. Oder ein Gerichtsmediziner, der seine Obduktionsergebnisse während seiner Vorlesung vorträgt, augenzwinkerndes Geflirte mit seiner blutjungen Studentin inklusive. Eisner und Fellner haben Besseres verdient, die Zuschauer auch.

Tatort: Grenzfall. ARD, am 8. März um 20.15 Uhr