Krimi

Der neue „Polizeiruf“ beschreibt das Leid verlorener Männer

Kaum jemand kann so schön miese Laune verbreiten wie „Polizeiruf“-Kommissar Bukow. Diesmal geht es um düstere Verstrickungen: Ein Firmenchef wird tot aufgefunden, der Täter war offenbar sehr wütend.

Foto: NDR/Christine Schroeder

Der deutsche Mann ist ausgebrannt, beziehungsunfähig und leer. Seine Frau will nichts mehr mit ihm zu tun haben, nachts schläft er auf der Rückbank seines Kombis oder er hängt an Bahngleisen herum und trinkt die Flasche Korn auf Ex. Wir kennen diesen Typen, der uns da als Kommissar Bukow im aktuellen „Polizeiruf“ über den Weg läuft, wir kennen ihn gut. Wir haben ihn erst letzte Woche gesehen, im „Tatort“ mit Joachim Król und Armin Rohde, und wenn man sich all diese kaputten Kerle ansieht mit ihren schwarzen Löchern in der Seele, dann muss man ihn schon bedauern, den deutschen Mann.

Bei kaum einem macht das aber soviel Spaß wie bei Alexander Bukow, diesem etwas aufgedunsenen, augenberingten Wandschrank, der so aggressiv schlechte Laune verbreitet, dass es eine Wonne ist. Wir haben ja schon im letzten „Polizeiruf“ verfolgen dürfen, wie seine Frau Vivienne eine Affäre mit dem Kollegen Thiesler anfing, was Bukow natürlich als Letzter im Kommissariat erfuhr. Dieser Handlungsfaden wird nun, mutig genug nach all den inzwischen vergangenen Wochen, nahtlos weitergesponnen. Das ist eine der Stärken dieses „Polizeirufs“: dass er das Konzept der vertikal erzählten Episoden zugunsten horizontal verlaufender Handlungsfäden aufgibt – zumindest, was das Privatleben der Ermittler angeht. Das ist ja in den Sonntagabendkrimis der ARD bislang nur halbherzig versucht worden – Drehbuchautor Florian Oeller und Regisseur Christian von Castelberg scheinen es endlich einmal ernst zu meinen.

Worum es geht? Es geht um düstere Verstrickungen, wie so oft. Achim Hiller, der Chef der Hilgro Wind AG, wird auf einem brach liegenden Werftgelände tot aufgefunden. Der Täter hat einen „Overkill“ begangen, wie die Ermittler feststellen: Es reichte ihm nicht, dem Opfer in den Kopf zu schießen, er musste noch vier weitere Schüsse auf den Toten abgeben. Wut scheint im Spiel gewesen zu sein, vielleicht Besinnungslosigkeit. Dazu passt, dass in Rostock ein Mann aufgegriffen wird, dem jede Besinnung abhanden gekommen scheint. Er war als Informatiker bei der Hilgro Wind AG angestellt, aber er kann sich an nichts erinnern. Er stammelt, wohl jemanden erschossen zu haben – wen, weiß er nicht. An seiner Hand riecht Bukow Schmauchspuren, die Sache scheint also klar zu sein. Sie ist es, wie so oft, auch diesmal nicht.

Als Mann ohne Gedächtnis macht Christian Friedel, den wir auch bald in Oliver Hirschbiegels Film über den Hitler-Attentäter Georg Elser sehen können, eine ausgezeichnete Figur. Er ist die Spiegelung Alexander Bukows, dem auch alles abhanden gekommen ist – auch wenn er sich daran erinnert. Der Plot dieses „Polizeirufs“ mag manchmal ein wenig konfektioniert wirken, aber die Schauspieler machen düstere Freude.

Polizeiruf: ARD, 20.15 Uhr.