Eurovision Song Contest

Eklat beim ESC-Vorentscheid - Sieger verzichtet

Beim Vorentscheid zum Eurovision Song Contest kam es am Donnerstagabend zum Eklat. Andreas Kümmert verzichtete, die Zweitplatzierte fährt nun für Deutschland nach Österreich.

Von Felix Müller

Foto: Peter Steffen / dpa

„Fahr’ ich jetzt nach Wien?“, fragte Ann Sophie am Ende einigermaßen fassungslos, und die Frage war berechtigt. Denn dem Abstimmungsergebnis zufolge hatte nicht die Hamburgerin mit ihrem Ohrwurm „Black Smoke“ den Vorentscheid des Eurovision Song Contest (ESC) gewonnen, sondern ein anderer, bekannterer Interpret: Andreas Kümmert, der Blues- und Rocksänger aus Schaippach in Unterfranken, der bereits 2013 die dritte Staffel der Castingshow „The Voice of Germany“ für sich entscheiden konnte. Er hat seitdem eine stabile Anhängerschaft hinter sich versammeln können, die auch diesmal verlässlich zum Telefon griff. Doch als am Ende dieses überlangen Abends in Hannover sein Gesicht auf der Leinwand erschien, da meinte der eher schüchterne Kümmert, er könne sich das momentan nicht zumuten. Er wolle nicht. Er verzichte.

Er war ohnehin angeschlagen und hatte seine Balladen mit 40 Grad Fieber heruntergerockt, aber seine wahren Beweggründe scheinen auch mit der psychischen Belastung eines Auftritts beim ESC zu tun zu haben. Im lauten Pfeifkonzert der Zuschauer der Arena am Expo-Plaza konnte Moderatorin Barbara Schöneberger das nicht so ganz klären, umstimmen konnte sie ihn schon gar nicht. Und so wird es nun die Zweitplatzierte Hamburgerin Ann Sophie sein. Die 24-jährige, in London geborene Sängerin und Songwriterin hatte am 19. Februar im Clubkonzert die begehrte „Wildcard“ ersungen, die zu der direkten Teilnahme am Vorentscheid qualifizierte, und war auf diesem Weg beinahe so erfolgreich gewesen wie die Berliner Band „Elaiza“ im Vorjahr – aber eben nur beinahe.

In den sozialen Medien löste die Entscheidung eine heftige Diskussion aus. „Warum ist er überhaupt angetreten“, fragten sich viele. „Kein Verständnis und ganz schlechtes Krisenmanagement von der Schöneberger und der ARD...die Zweitplatzierte live in so eine unangenehme Situation zu drängen geht gar nicht...“ schreibt ein anderer. Und Dajana Mack meint: „Es hätte wahrscheinlich genug Künstler gegeben die Bock drauf gehabt hätten am Vorentscheid teilzunehmen, dann lieber jemandem anderes die Chance geben als dann zurückzutreten...“

>>> Die Diskussion bei Facebook

Bereits im Vorfeld soll Kümmert angeblich für Verstimmung gesorgt haben. Einem Bericht der „Bild“ zufolge habe er am Sonnabend in Eppingen (Kreis Heilbronn) Zuschauerinnen beschimpft - angeblich, weil sie bei seinem Auftritt geredet hatten. Als eine der Frauen nachgefragt habe, was sein Problem sei, habe er sie beleidigt. Die Frauen sollen demnach Anzeige wegen sexueller Beleidigung erstattet haben.

Für die Berliner Teilnehmer fiel der Abend ernüchternd aus. Das landesweit bekannte Frauenquartett Laing („Morgens bin ich immer müde“) bemühte sich zwar auf Fitnessgeräten und in extravagant geschneiderten Kostümen um choreographische Höhepunkte, strandete dann aber ebenso im Halbfinale wie die in Wiesbaden geborene Wahlberlinerin Alexa Feser, die zum Lebensthema Glück ins Mikrofon schmachtete: „Immer dann, immer dann, wenn es vor dir stand, hast du es nicht erkannt, hast du es nicht erkannt.“ Das Glück des Siegens war ihr in Hannover nicht beschieden, wenigstens das konnte jeder erkennen.

Die Entscheidung ist jedenfalls legitim. "Wir haben keine Vorgaben, wie die Nationen ihre Künstler für das Finale auswählen. Manche Länder haben gar keine Vorauswahl, bei anderen Ländern treten nur zwei Künstler gegeneinander an. Für uns gilt derjenige als Kandidat, der im Mai zum Head of Delegations Meeting in Wien erscheint.", sagt Jarmo Siim, Sprecher der European Broadcasting Union, die den ESC ausrichtet.

"Wir hatten Fälle, wo kurz nach dem Meeting der Song augetauscht wurde, dann wurde der Künstler disqualifiziert. Aber das hier gefährdet Deutschlands Teilnahme nicht, auch wenn es meinen Informationen nach bisher einzigartig ist.", sagte Siim weiter.