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Dschungelcamp 2015 – Maren Gilzer ist Dschungelkönigin

Tanja hat alles gegessen und Jörn gegen Kakerlaken gekämpft – doch vergebens. Die Krone holt Maren. Egal, was sie jetzt macht: Die Zukunft wird sicher spannender als die vergangenen zwei Wochen

Um 0.11 Uhr am ganz frühen Sonntagmorgen steht endlich, endlich das Ergebnis fest: Maren Gilzer ist Dschungelkönigin 2015. Herzlichen Glückwunsch muss man da wohl sagen, obwohl nicht so ganz klar ist, zu was der Ex-Buchstabenumdreherin eigentlich gratuliert werden soll: Zur Krone aus Palmenblatt, Blüten und Gestrüpp? Zu einem monetär absolut wertlosen Titel? Oder doch dazu, es in diesem langweiligsten Dschungelcamp seit der Deutschlandpremiere des Formats im Jahr 2004 am längsten ausgehalten zu haben?

Auch ohne Publikumsjoker lautet die Antwort ganz klar: letzteres. Die elfköpfige Reisegruppe, die sich am 16. Januar aufgemacht hatte aus Deutschland in den australischen Regenwald, hat in Sachen Dynamik, Temperament und Unterhaltungswert eher an eine Gänseblümchenwiese erinnern lassen als an eine Trash-TV-Show beim Privatsender RTL, von der man zwar halten mag, was man will, die aber in den vergangenen Jahren zu einem der umstrittensten Formate geworden war.

Aber das ist jetzt ja egal. Denn nicht nur die drei Finalisten Maren Gilzer, Jörn Schlönvoigt und Tanja Tischewitsch haben es überstanden, sondern auch die Zuschauer. Herzlichen Glückwunsch passt da ja doch ganz gut.

Eine Schlange vor dem Klohäuschen

Lassen wir den Final-Abend noch einmal Revue passieren. Wie wir es aus den letzten Tagen kennen, steht zunächst ein Abschied an. Rolfe Scheider, der leider im Halbfinale am Freitag aus dem Camp gewählt wurde, sagt allen Lebewohl.

Aber erst sehen wir noch, wie er nachts auf die Toilette muss. Und dabei an einem wahnsinns ungefährlichen Frosch und an einer wahnsinns ungefährlichen Schlange vorbei läuft. RTL unterlegt das mit wahnsinns dramatischer Musik. Und es passiert: nichts. Zumal Rolfe und Tanja, die ihn beim Gang zum Klo begleitet, die Schlange nicht mal bemerken. Diese Szene fügt sich damit nahtlos in die ziemlich flache Spannungskurve dieses Dschungelcamps ein.

Tanja Tischewitsch isst alles

Dann wird es niedlich: Mit Schnickschnackschuck aka Schere, Stein, Papier aka Schingschangschong (damit jetzt auch wirklich jeder weiß, was gemeint ist) knobeln Maren, Tanja und Jörn aus, wer welche Dschungelprüfung absolvieren muss. Maren hat Pech. Sie wählt Schnack. Und fängt an.

Sie muss in eine Schlangengrube. Nicht in eine metaphorische, sondern eine echte. Endlich mal. Lieblingsfeind Walter Freiwald reibt sich beim Zuschauen im Versace-Hotel bestimmt hämisch die Hände. Die ganzen fünf Minuten hält Maren aber aus, natürlich, wie bei den anderen Prüfungen bleibt sie cool. Obwohl 40 Schlangen nach und nach zu ihr in die Grube kommen. Maren holt fünf Sterne. "Es war aufregend. Und sie haben sich eigentlich gut angefühlt", sagt sie danach.

Tanja-ich-heul-gleich-echt-jetzt-Tischewitsch wählt Schnick und muss zu einer Ess-Prüfung. Wir erleben eine Premiere: Tanja Tischewitsch hält zum ersten Mal ausnahmsweise die Klappe, als sie eine lebende Spinne verspeist. Eine gar nicht mal so kleine lebende Spinne. Und dann eine Kuh-Lippe, die ziemlich zäh zu sein scheint. Eine Maden-Kakerlaken-Sülze. Kamelhöcker. Eine Buschschweinvagina. Sehr eklig. Tanja holt vier Sterne.

Jörn Schlönvoigt in der Taucherglocke

Jörn Schlönvoigt muss auch nochmal ran. Und seinen Kopf zusammen mit immer mehr Krabbeltieren in eine Art Taucherglocke stecken. Er windet sich. Er paddelt mit den Armen. Er stöhnt und leidet. Hochrot kommt er nach fünf Minuten aus der Prüfung – aber auch er holt fünf Sterne.

Was gab's noch? Essen. Also richtiges Essen. Das erste seit zwei Wochen. Schien allen geschmeckt zu haben. Ende der Geschichte.

Um 0.03 Uhr steht schließlich die Drittplatzierte fest: Es ist Tanja. In einer Minute erklärt sie zwar vorher noch in gefühlten 20.000 Worten, warum die Zuschauer sie zur Dschungelkönigin machen sollen – doch es hilft nicht. Nach dem Camp will sie duschen, sich "richtig schön schminken", was essen und ihre Mama anrufen, verkündet sie. Jörn und Maren tigern inzwischen durchs Camp. Die Nerven liegen blank.

Maren Gilzer dreht durch

Aber nur ein paar Minuten. Maren erfährt ihren Sieg dann um 0.11 Uhr und ist dann sowas von erlöst. "Ich danke euch, ich danke euch, ich danke euch, ich danke euch", ruft sie. Und tanzt wie ein Rumpelstilzchen um das Lagerfeuer. Dann darf sie endlich (zur Erleichterung der verstörten Zuschauer) nach Feuerwerk und Funkenfontäne mitten im Regenwald zum Baumhaus von Sonja Zietlow und Daniel Hartwich zu ihrer Krönung. Es gibt ein Glas Sekt. Stößchen.

Und was bleibt der neuen Dschungelkönigin am Ende? Krone und Zepter werden wieder in der RTL-Requisitenkiste eingemottet. Dann geht der Flieger zurück ins kalte nach Deutschland, wo die ausgehandelte Gage verjubelt werden kann. Die an den Dschungelpforten abgelegte Würde gibt es dagegen nicht so schnell wieder, denn zunächst müssen weitere Auftritte absolviert werden, ganz bestimmt nicht nur von Maren, sondern auch von den übrigen Campern. Das perfekte Promi-Dinner auf Vox steht in diesem Zusammenhang immer hoch im Kurs, ebenso die Tanzshow "Let's dance". Zur Not geht auch immer noch der Auftritt als Stargast in einer brandenburgischen Großraumdisco, wer weiß das schon so genau.

Wir wünschen jedenfalls viel Glück dabei. Und eins steht immerhin fest: Spannender als die letzten zwei Wochen wird die Zukunft allemal!

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