Willkommen im Dschungelcamp der Weinerlichkeit. Im Camp des Leides und des Wehklagens. Erst war es ja Walter Freiwald, der sich am Tag des Einzugs zahlreiche mittelleichte bis superleichte Verletzungen zugezogen und reichlich darüber geschimpft hatte – Stichwort: Quallenbiss. Doch an Tag 2 wurde es schlimmer. Und schlimmer. Und schlimmer.

Da ist zunächst Rebecca Siemoneit-Barum. Für alle, die die Namen der D-Promis im RTL-Urwald noch nicht auswendig kennen: Die Rothaarige aus der Lindenstraße. Rebecca jedenfalls hat ein Problem. Etwas „sehr Hartes, Eigenartiges“ wird auf ihrem Kopf gefunden. Also direkt auf ihrem Scheitel. Etwas Gelbglänzendes. „Ein Ei von einem Tier vielleicht?“, mutmaßt sie fachmännisch.

Der Dialog, der sich danach um das harte, eigenartige Dingens auf ihrem Kopf entspinnt, hätte so auch nicht schöner in das Drehbuch einer RTLII-Reality-Soap am Vorabend geschrieben werden können. Rebecca, verzweifelt: „Es tut ein bisschen weh es, ist hart und ich will es nicht einfach abreißen“. Auftritt Patricia – Hauptberuf: Tochter – Blanco: „Boah! Was ist denn das??“ Erstes Ergebnis der Untersuchung: „Es ist gelb und hart.“ So weit waren wir bis dahin schon. Auch der Rest der Inspektion von Frau Simoneit-Barums Kopfhaut bringt wenig Erhellendes: „Super eklig. Boah! Die hat da was ganz komisches, die Rebecca.“

Jörn Schlönvoigt spielt den Dschungel-Arzt

Ein Glück, dass im Camp auch Sara Kulka wohnt, seit Freitag besser bekannt unter dem selbst gegebenen Namen „Opfer der Nation“. Nicht, dass sie Rebecca helfen würde. Nö. Sie trägt vielmehr dazu bei, dass Rebecca ganz schnell lernt, dass sie im sozialen Dschungelgefüge mit Eiern auf dem Kopf nicht mehr viel zu melden hätte. Mit ihrem prolligen Slang verkündet Sara: „Wenn die Rebecca so ne Insektenfarm auf dem kopf züchten würde, wäre das schon echt Hardcore.“ Am Ende hilft Jörn Schlönvoigt, der bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ einen Arzt spielt. Das macht ihn kompetent und erfahren genug, Rebeccas Kopf mit einer Pinzette zu bearbeiten. Und das Zeug wegzuzupfen. Und siehe da: Das Gelbe, Hardcore Eklige ist....Trommelwirbel ....Baumharz. Danke, Dr. Schlönvoigt.

Das nächste Leiden präsentiert Glücksrad-Buchstabenfee Maren Gilzer. Es ist was Persönliches. Fast Intimes. Mit Fremdschäm-Potenzial. „Bisher warte ich darauf, hier den Menschen zu treffen, mit dem ich auch tiefere Gespräche führen kann“, sagt sie erst, und man muss fast ein wenig mitfühlend nicken. Doch dann führt Maren diese tieferen Gespräche eben doch, und zwar gleich mit allen Campbewohnern und mit dem gesamten RTL-Publikum. Was raus muss, muss anscheinend raus. Wir erfahren: 21 Jahre lang war Maren mit ihrem Mann zusammen, drei Jahre lang waren sie verheiratet und dann - peng - die Scheidung. Kinder gibt es keine, was Maren bedauert, es war eben kein potentieller Vater unter den Männern in ihrem Leben dabei. „Naja, und im Ausland ein Kind zu kaufen, das wäre ja auch doof.“ Ähm, ja. Genau, Maren.

Bittere Tränen von Angelina Heger

Tränenauftritt im Dschungel, Klappe die dritte: Die schöne Ex-Bachelor-Trine Angelina Heger weint, bitterlich, mit einem Kissen mit Fotoprint im Schoß. „Das ist mein Freund, und unsere Hunde, das ist Loui, das ist Lotti“, schluchzt sie und zeigt auf das Kissen. Wer jetzt Hund und wer Freund ist, bleibt dabei offen. „Wenn wir abends auf der Couch liegen und kuscheln“, weint Angelina, und beendet den Satz nicht, denn das einzige, was ihr einfällt ist: „das gibt’s hier alles nicht.“ Böses, böses RTL.

Und schließlich Sara, jetzt schon Jammerqueen neben Jammerkönig Walter. Das blonde Model, das treue Dschungelcamp-Gucker an eine Mischung aus Sarah Knappik und Larissa Marolt erinnern dürfte, also an jene blonden Model-Vorgängerinnen mit viel Emotion und eher wenig Ratio.

Sara, also die aktuelle Sara, musste am ersten Tag direkt in die Dschungelprüfung (“Man, ich hab gelitten da!“). Und am zweiten Tag muss sie es wieder. Was sie ziemlich fertig macht. „Ich hab einfach Angst, dass da was Schlimmes passiert“, gesteht sie und holt eine jene unerschütterlichen Lebensweisheiten heraus, die so oder so ähnlich auch dem wachen Geist einer Sarah oder Larissa entsprungen sein könnten: „Wenn du Angst hast, hast du Angst.“

Sara versagt bei der Dschungelprüfung

Was soll man sagen, es kommt, wie es kommen musste. Nur schlimmer. „Warum bist du hier?“, flöten die Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich, als Sara mit düsterer Miene zur Prüfung „Hölle der Finsternis“ antanzt. Antwort: „Weil die mich hassen.“ Mit „die“ meint Sara übrigens die gemeinen TV-Zuschauer, die sie in die Prüfung gewählt haben.

Was dann passiert, kann man im Grunde recht einfach abkürzen: rein. gar. nichts. Sara geht rein in die Höhle, guckt sich kurz um. Und bricht in Tränen aus: „Ich weiß gar nicht, warum ich das hier mache. Ich habe doch ein schönes Leben zu Hause.“ Und geht wieder raus, schluchzend, und kehrt ohne einen einzigen Stern zu ihren Mitcampern zurück. „Scheiße war, ich habe einfach abgeloost“, wimmert sie, noch bevor man ihr dort eine erste Frage stellt. Maren ist von Saras Schicksal so mitgenommen, dass sie auch weinen muss.

Das Ende vom Lied: Sara wird erneut in die Dschungelprüfung an Tag 3 gewählt. Schon echt hardcore, um es mit ihren Worten auszudrücken. Selbst artikulieren kann Sara das nach der Verkündung aber nicht mehr, sie schüttelt nur den Kopf. „Ich sag gar nichts mehr.“

Das ist doch mal ein Wort! Mal sehen, wie lange es hält.