Wenn es im Dschungelcamp darum geht, möglichst viel Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und zwar egal um welchen Preis, dann liegt Walter Freiwald momentan weit vorn. Freiwald, man sollte das vielleicht vorwegschicken, ist der Mann, der an der Seite von Harry Wijnvoord in der RTL-Ramschsendung „Der Preis ist heiß“ bekannt wurde und der zugleich jeden Journalisten hasst, der genau das feststellt. Mit dem Absingen seiner wechselvollen, aufregenden Vita war er am dritten Tag der Sendung stundenlang beschäftigt – und fiel damit seinen Mitcampern ordentlich auf die Nerven.
Dabei haben all die unaufgearbeiteten Konflikte und Komplexe dieses Mannes einigen Unterhaltungswert – ob sie nun echt sind oder kalkuliert. Für Harry Wijnvoord jedenfalls, vor gar nicht allzu langer Zeit selbst zu Gast im australischen Dschungel, hat er nicht gerade nette Worte übrig. Wijnvoord, erzählte Freiwald der Kamera, habe immer Angst gehabt, er, Freiwald, könne neben ihm „hochkommen“. Harry habe ihm sogar unterstellt, Choleriker zu sein, schimpfte Freiwald mit kippender Stimme. Er habe sich die Aufmerksamkeit der Boulevardmedien erschlichen! „Ich würde sogar soweit gehen, dass der Harry da irgendwelche Leute geschmiert hat“, sinnierte Freiwald frei von der Leber weg. Obwohl er doch vorher mehrfach beteuert hatte, über so etwas gar nicht reden zu wollen.
Hypochondrie und Erkenntnis
Auf ihn, auf seine selbstverliebten Vorträge und auch auf seine etwas hypochondrische Freude am Jammern und Klagen hatten sich Moderatoren und Kandidaten schnell eingeschossen. Wo es am zweiten Tag noch danach aussah, als sei der bis dato noch unbekannteren Ex-„Topmodel“-Kandidatin Sara Kulka die Hauptrolle zugedacht, stand er diesmal klar im Mittelpunkt. Daran konnte auch die Dschungelprüfung nichts ändern, die Sara nun schon zum dritten Mal in Folge auf Wunsch der Zuschauer zu absolvieren hatte.
Wir erinnern uns: Als die Moderatoren Daniel Hartwich und Sonja Zietlow sie am Sonnabend in eine Art Verließ schicken wollten, wo sie aus Gefäßen mit unbekanntem tierischen Inhalt Sterne herausfischen sollte, hatte sie kurzerhand mit Totalverweigerung reagiert und war mit leeren Händen ins Camp zurückgekehrt. Diesmal musste sie in einer rotierenden Kabine Styroporwürfel aufbrechen, die ebenfalls die nahrungsverheißenden Sterne enthielten. Erschwert wurde das durch die üblichen Schaben und Maden, die ebenfalls in erheblicher Anzahl in der Kabine zugegen waren. Sara meisterte die Prüfung diesmal gut und holte sieben Sterne – doch die Prüfung zog sich ordentlich in die Länge.
Misstrauen greift um sich
Die in immer neuen Varianten ausgebreiteten Kakerlakenexzesse gehören inzwischen zu den Minuten der Sendung, in denen man getrost nochmal nach den Kindern sehen oder sich ein Bier aus dem Kühlschrank holen kann. Lustiger sind die von Micky Beisenherz geschriebenen, immer gnadenlosen Dialoge der Moderatoren – und natürlich das psychologische Spiel, das im Zentrum der Sendung steht: Das Misstrauen der Kandidaten gegenüber den Moderatoren und vor allem untereinander. Wie sie langsam, aber sicher schlecht über alles und jeden zu reden beginnen, der gerade einmal nicht in der Nähe ist. Das voyeuristische Kapital des Dschungelcamps liegt weder in zur Schau gestellten Brüsten noch darin, dass man anderen bei Dingen zusehen kann, die man selbst ekelhaft fände. Er liegt in dem wohligen Grusel darüber, dass man dem Zerfall von sozialen Ressourcen in Echtzeit zusehen kann. Vertrauen, Freundlichkeit, vielleicht auch Zuverlässigkeit: All das zerbröselt von Sendung zu Sendung, bis kaum noch etwas davon übrig ist.
Und sonst so? Die Brille von Rolfe ist kaputt, er hat sich draufgesetzt. Tanja Tischewitz verbreitet beherzt gute Laune. Und in der nächsten Dschungelprüfung muss einmal nicht Sara antreten, sondern ihr ebenfalls blondes, beinahe gleichaltriges „Playboy“-Pendant aus der RTL-Sendung „Bachelor“, Angelina Heger. Freiwald konnte aus medizinischen Gründen leider nicht gewählt werden. Heger wird durch Wasserbassins mit Schlangen und ähnlichem Getier tauchen müssen. Wie sagte Sara so unnachahmlich ehrlich am Ende der Sendung: „Ich bin so froh, dass du dran bist!“



