Mario Barth deckt auf

Mario Barth spendiert den Berlinern eine Verkehrsinsel

Wenn unser schönes Geld ins Klo geworfen wird: Der Komiker tritt wieder an, der Verschwendung von Steuergeldern nachzugehen. Das bringt viel Aufregung mit sich und leider wenig neue Erkenntnisse.

Foto: Emily Wabitsch / dpa

Ganz früher, in der TV-Steinzeit, war harte Recherche noch Sache der Öffentlichen-Rechtlichen. Magazine wie „Monitor“ und „Panorama“ deckten auf, wo Deutschland versumpfte, wo Korruption, Verschwendung und krasse Ungerechtigkeit im Verborgenen wucherten. Die Filme waren ernst und langsam. Aber seit geraumer Zeit haben private Sender die Zugkraft der Aufklärung entdeckt. Investigative Sendungen bringen Quote, und Quote bringt Werbekunden. Was das Team Wallraff schafft, das schafft Mario Barth erst recht. Zum neunten Mal läuft „Mario Barth deckt auf“. Der Comedy-Typ mit Berliner Schnauze schaut genau hin, wo unser Steuergeld bleibt.

Die irre Fischtreppe

Zu finden ist da einiges. Schlecht geplante Fahrradwege auf sumpfigem Gelände. Gully-Deckel, für viel Geld zum Lichtkunstwerk umgerüstet. Brunnen, die niemals fließen, weil sie gleich verstopft sind. Den Höhepunkt der Sendung steuern die beiden Fernsehköche Ralf Zacherl und Mario Kotaska bei – die beiden Ex-Küchenchefs, erinnern Sie sich? Nun sind sie plötzlich ins Investigativ-Geschäft eingestiegen und bringen aus Hamburg-Bergedorf das irre Beispiel einer EU-finanzierten Fischtreppe mit, welche weder Fisch noch Mensch braucht. Außerdem ist das Ding aus Altmetall potthässlich. Und gekostet hat es schlappe 1,65 Millionen Euro, in Zahlen: 1.650.000,00 Euro. Wirklich großer Irrsinn.

Zurück im Studio, lässt Mario Barth dann tatsächlich diese 1,65 Millionen – als Päckchen falscher Euro-Noten – von Blondinen in ein überdimensional großes Klo werfen, zum Runterspülen. Diese Bilder machen zweierlei klar: Blondinen können nicht werfen. Nicht mal Geldbündel. Und Barth macht Stammtisch-Fernsehen. Nichts anderes.

Recherche ist nicht nötig

Denn bei all den Berichtchen über verrottende Spielplätze in Berlin, über fehlende Zebrastreifen und horrende Begräbnis-Kosten in Bochum wird man das Gefühl nicht los: Das sind leichte Siege. Hier muss nicht viel recherchiert werden, aber die Empörung ist garantiert. Wer will nicht, dass Kita-Kinder sicher über die Straße – und Verstorbene preiswert unter die Erde kommen? Mario Barth bietet auch mal locker-flockig an, eine Verkehrsinsel selbst zu finanzieren. Denn morgens kommen Schüler nicht über die stark befahrene Schönefelder Chaussee am Berliner Rand. Bei Kaiser Wilhelm gab es den Beschwerdebrief, bei Erich Honecker die Eingabe. Heute kann man Mario Barth eine Mail schicken. Comedy-Kaiser Mario nimmt sich der Probleme des Landes an. Er lebe hoch!