Geschichte

Als Strauß zu Honecker reiste - TV-Doku über Milliardendeal

Ein spannender ARD-Film zeigt die Hintergründe des Milliardenkredits für die DDR. Ost-Berlin war Anfang der 80er-Jahre so gut wie pleite – das Regime hatte sogar Angst vor einem Volksaufstand.

Foto: PHOENIX_WDR / pa/DPA/obs

Es war eine seltsame Begegnung. Da ist dieser bayerische Kraftmensch, dieser massige Biertrinker und Bierzeltredner. Ihm gegenüber sitzt dieser kleine Saarländer mit der komischen hohen Stimme, über den man sich vor allem lustig machte, und der doch der mächtigste Mann des DDR-Regimes war.

Das Treffen zwischen Franz Josef Strauß (CSU), dem bayerischen Ministerpräsidenten, und Erich Honecker, dem SED-Generalsekretär, im Sommer 1983 war auch deshalb etwas Außergewöhnliches, weil der Bayer in seinen Reden die DDR verteufelte – und die DDR-Propaganda Strauß als den „starken Mann des deutschen Imperialismus“ beschimpfte. Und doch standen sie zusammen vor den Kameras und gaben sich die Hände. trauß hatte für die DDR einen Kredit über eine Milliarde D-Mark eingefädelt. Die ganze Sache war so geheim, dass noch nicht einmal der engste Kreis um Strauß etwas davon mitbekam. „Da bin ich fast vom Stuhl gefallen“, sagt in der ARD-Dokumentation „Der Milliardendeal“ Edmund Stoiber. Der war damals CSU-Generalsekretär – und erfuhr durch die Fernsehnachrichten von den Neuigkeiten.

Angst vor der Roten Armee

Die DDR war Anfang der 80er-Jahre so gut wie zahlungsunfähig. Ost-Berlin hatte Angst vor einem möglichen Volksaufstand. Westdeutschland wiederum hatte – ein paar Jahre vor Glasnost und Perestroika – Angst, dass die Rote Armee einen solchen Aufstand brutal niederschlagen würde. Die Bundesrepublik bürgte deshalb bei den Banken für die DDR. Und die DDR verpfändete ihre Transitpauschale – also das Geld, das Westdeutsche für den Weg nach West-Berlin zahlen mussten. Die Bundesrepublik bekam dafür, ohne dass dies genauer verabredet wurde, humanitäre Erleichterungen. So sorgte die DDR etwa für zügigere Abfertigungen an der deutsch-deutschen Grenze. Und: In den nächsten Jahren zahlte die DDR tatsächlich alles zurück.

„Schalck“ und Strauß essen beide gern

„Der Milliardendeal“ ist ein spannender Dokumentarfilm, erzählt detailliert und unterhaltsam. Und er lässt die richten Leute zu Wort kommen: Neben Monika Hohlmeier, die entzückt von ihrem Vater schwärmt, dem „dem Strategen Franz Josef Strauß“, vor allem Alexander Schalck-Golodkowski, Mitglied des ZK der SED und Strippenzieher Ost-Berlins. „Schalck“ und Strauß verstanden sich gut – nicht nur, weil beide gern aßen.

Natürlich ging es Franz Josef Strauß, der 1980 als Kanzlerkandidat der CDU/CSU gegen Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) gescheitert war, auch darum, auf dem Feld der Deutschlandpolitik zu zeigen, dass die CSU keine unbedeutende Partei ist, sondern große Politik macht. So konnte er auch seinen Widersacher Helmut Kohl (CDU), Bundeskanzler seit 1982, ärgern. Und beweisen, dass er mehr war als ein Provinzfürst.

„Der Milliardendeal – Strauß und die DDR“, ARD, Montag 23.30 Uhr