Zu Beginn ist die dritte Sendung von „Sarah Tacke“ im ZDF eine sachliche Diskussion, die an diesem Donnerstagabend ohne Live-Abstimmungselemente auskommt und aufgezeichnet ist. Doch schnell formiert sich aus der Dreierunde ein über die Länge von einer Stunde etwas unfair wirkender Kampf zwischen Kevin Kühnert, dem Bereichsleiter Steuern bei Finanzwende e.V. und der Doppelfront von Ökonom Bernd Raffelhüschen und Unternehmerin Andrea Thoma-Böck. Denn: Letztere sind sich in allem einig und wettern gemeinsam gegen Kühnert.

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„Sarah Tacke“: Das waren die Gäste:

  • Kevin Kühnert, Bereichsleiter Steuern bei Finanzwende e.V. und ehemaliger SPD-Generalsekretär
  • Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen, Finanzwissenschaftler und Ökonom
  • Andrea Thoma-Böck, Familienunternehmerin, Präsidentin der „Initiative Zukunft Wirtschaft“ und CSU-Mitglied
  • Natalya Nepomnyashcha, Gründerin des „Netzwerks Chancen“ für sozialen Aufstieg.

Andrea Thoma-Böck stellt klar, worum es aus ihrer Sicht für den Mittelstand in Deutschland geht: „Möglichst steuerfrei vererben.” Schließlich sei all das Vermögen ohnehin schon einmal versteuert worden, so ihre Argumentation. Zudem leide man hierzulande an einem massiven Nachfolgeproblem und solle es den Erben nicht noch schwerer machen. Mit einer Versteuerung würde man den Wirtschaftsstandort massiv gefährden, Abwanderung drohe: „Viele sitzen schon auf gepackten Koffern”, so die Unternehmerin.

Argumente, die der ehemalige SPD-Generalsekretär Kühnert so nicht gelten lassen will. Er prangert vor allem ein „Sonderrecht für Menschen, die besonders hohe Anteile bekommen, für die sie noch nichts geleistet haben“ an – also besonders hohe Erbschaften im Unternehmensbereich. Ihm gehe es keineswegs um Neid, sondern darum, wie verhindert werden könne, dass die Gesellschaft über Generationen immer weiter auseinanderdrifte.

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„Sarah Tacke“ im ZDF: Zwei gegen Kühnert

Doch genau das hält Bernd Raffelhüschen für ökonomischen Selbstmord und unterstützt dabei die Argumentation von Thoma-Böck. „Die Unternehmen zu besteuern, wäre das Dümmste, was man machen kann”, giftet er Richtung Kühnert. „Die müssten dann alle Insolvenz anmelden.”

Da hilft es auch nichts, als Kühnert ein prominentes Beispiel aus der Medienbranche heranzieht und in die Runde fragt, ob es gerecht sei, wenn bei der Übertragung riesiger Aktienpakete die Schenkungssteuer entfalle. Eine Frage, auf die Thoma-Böck im Laufe des Abends mehrfach nicht eingeht. Immer wieder betont sie, dass sie den Mittelstand repräsentiere und die Superreichen ja gar nicht mit am Tisch säßen.

Die Moderatorin lässt die Diskussion weitestgehend laufen und hakt auch nicht nach, wenn Fragen wie diese nicht beantwortet werden. Als die Unternehmerin – selbst CDU-Mitglied – Kühnert als ehemaligen Vertreter der Politik die Schuld an der aktuellen Lage in Deutschland in die Schuhe zu schieben versucht, platzt diesem der Kragen. „Ich vertrete keine Partei, ich vertrete meinen Arbeitgeber”, raunt er mehrmals. „Sie antworten nicht auf meine Frage. Sie haben zu allem eine Meinung, aber dazu nicht.”

Talk bei „Sarah Tacke“ zum Thema Erben: eine Gesprächrunde mit Rums

Raffelhüschen nimmt das Milliardärsbeispiel zum Anlass, Kühnert noch an anderer Stelle zu kritisieren. „Immer diese Einzelfälle”, wettert er gegen die moralische Argumentation. „Sie nutzen immer wieder den Begriff Gerechtigkeit. Das ist doch Unsinn. Hören Sie damit auf.” Gerechtigkeit sei ein unbestimmter Rechtsbegriff, in der Wissenschaft würde man von Gleichheit reden. Die gebe es aber in der Erbschaftsteuer nicht. Zudem sei diese unglaublich kostenintensiv und furchtbar bürokratisch.

Seine Forderung deshalb: „Am liebsten die Erbschaftsteuer komplett abschaffen” und durch einen Zuschlag bei der Einkommenssteuer ersetzen. Und dann kommt noch ein weiterer Seitenhieb Richtung Kühnert: „Versuchen Sie sich doch mal mit Steuerrecht ein bisschen auseinanderzusetzen.“

Etwas unausgewogen wirkt die Diskussion an diesem Abend dann durch die vereinte Front gegen Kühnert dann schon. Die ein oder andere Nachfrage der Moderatorin Sarah Tacke hätte der Diskussion sicherlich gutgetan und für weniger Redundanzen vor allem bei Unternehmerin Thoma-Böck gesorgt. Denn das muss man dieser Folge lassen: Ein Talk war es allemal. Sogar einer, bei dem es zwischendurch ordentlich gerumst hat.