„Da ist nichts“, sagt Franz Müntefering, 85, und blickt auf Markus Lanz’ Frage ernst zurück. Gemeint ist das Verhältnis zu Altkanzler Gerhard Schröder. Müntefering sowie weitere SPD-Mitglieder hätten Schröder zu Beginn des Ukraine-Krieges einen Brief geschrieben: „Du musst dem Putin sagen, das ist ein Verbrechen und du musst dich distanzieren davon. Das geht nicht. Das kann ein Sozialdemokrat nicht akzeptieren.“
Bis heute habe er keine Antwort erhalten. Auch zu seinem 85. Geburtstag am 16. Januar: Schweigen. Müntefering hatte unter Bundeskanzler Gerhard Schröder als Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen gearbeitet. Funkstille also zwischen zwei alten Weggefährten der SPD, „politischen Freunden“, wie Müntefering selbst sagt.
„Rentenkürzung durch die Hintertür“ – Kritik an Münteferings Erhöhung
Der frühere SPD-Chef verteilt am Donnerstagabend in der „ZDF“-Sendung „Markus Lanz“ klare Urteile: über seine Partei, über Ex-Kanzler Olaf Scholz – und über die Rolle von Arbeit in einer alternden Gesellschaft. „Ich habe damals selbst die Rente auf 67 erhöht“, erinnert sich Müntefering. „Das war richtig.“
Psychologiestudent David Christner, Sprecher der Organisation „Junge Linke“, widerspricht heftig. Die Erhöhung des Rentenalters sei „eine Rentenkürzung durch die Hintertür“. Fast alle seiner Kommilitoninnen und Kommilitonen müssten jobben. Nicht aus Ehrgeiz – aus Zwang, drohender Armut. Seine Sorge: Am Ende bleibe von der Rente nichts mehr übrig.
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Merz-Vorstoß – Ist eine gesunde Work-Life-Balance Quatsch?
Wie viel Solidarität ist zwischen den Generationen noch übrig?, will Markus Lanz wissen. Wirtschaftsjournalist Julian Olk vom Handelsblatt findet: nicht genug. „Die Generationengerechtigkeit ist nicht geboten“, sagt er – insbesondere mit Blick auf eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht. Erst scheitere die Wirtschaft, dann die Demokratie – so seine Warnung. „Wenn wir aus dieser Stagnationsphase nicht rauskommen, kriegt auch die Demokratie ein Problem.“
Er kritisiert außerdem den Vorstoß von Bundeskanzler Friedrich Merz: „Work-Life-Balance ist Quatsch“, hatte der gesagt. Olk kontert: Wer so im Kommandoton spreche, erreiche die junge Generation nicht. Die wolle Gestaltungsspielraum, kein Durchhalten um jeden Preis.
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Müntefering: Pflege, Haushalt, Ehrenamt ist auch Arbeit
Unternehmerin Clara Hunnenberg aus Solingen hält dagegen. „Wir brauchen Pflichtjahre – egal ob Bundeswehr oder Soziales.“ Und: „Ich bin gegen eine Viertagewoche bei vollem Lohnausgleich – das kann ich mir nicht leisten.“ Zwei Drittel ihrer Belegschaft hätten Migrationshintergrund. Dort, sagt sie, sei die Bereitschaft zur körperlichen Arbeit größer.
„Wir reden nur über Lohnarbeit“, sagt Müntefering, „aber nicht über Pflege, Haushalt, Ehrenamt.“ Auch das sei Arbeit. Wer früher aufhören müsse, zu arbeiten, solle unterstützt werden. Aber: „Wir brauchen die Menschen auch mit 64 und 65 noch.“
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Müntefering wird deutlich in SPD-Personalfragen
„War der falsche Mann an der Spitze?“, will Markus Lanz von ihm wissen. „Er hat zumindest im zweiten Wahlkampf die Leute nicht mehr erreicht. Die Personalentscheidung an der Stelle hat nicht gut funktioniert“, sagt Müntefering in Hinblick auf Olaf Scholz und attestiert ihm Führungsschwäche.
Großes Lob bekommt hingegen Parteichef und Vizekanzler Lars Klingbeil – gerade für dessen schnelles Handeln am Wahlabend. „Ich war sehr froh, dass er sich reingeschmissen hat“, sagt Müntefering. Ein klares Bekenntnis – und ein Signal an die eigene Partei. Die Zukunft der SPD sieht Müntefering nicht bei alten Machtzentren, sondern bei denen, die sich trauen. Klingbeil habe das getan.
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Ist Friedrich Merz der bessere Bundeskanzler?
Und Merz? „Die Demokratie hat entschieden“, sagt Müntefering trocken. Ob er ihn für einen besseren Kanzler hält, hakt Lanz nochmal nach. „Wenn das Land so entschieden hat, dann ist das so“, antwortet Franz Müntefering. „Alle wissen, was ich zu ihm gedacht und gesagt habe“, sagt er.
In einem Gastbeitrag schrieb er kurz vor der Wahl in der SPD-Parteizeitung „Vorwärts“: „Aber was an Erfahrung bringt er eigentlich mit? Er war nie Bürgermeister, Landrat, Ministerpräsident. Kohl und Merkel holten ihn nie in ihre Kabinette – sie kannten ihn. Da ist nicht viel. Man merkt: Kanzler zur Probe? Besser nicht.“ Drei Monate später ist dieser Mann nun Kanzler. „Aber das ist Demokratie“, sagt Müntefering zu Markus Lanz.






