In der evangelischen Schule in Berlin-Köpenick sind 83 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler gegen eine Wehrpflicht. „Kriegsverherrlichend“ nennt ein Schüler das. Eine Schülerin hingegen findet, sie habe viel vom Staat bekommen – Kindergeld etwa oder Bildung – und könne sich durchaus vorstellen, „dem Land etwas zurückzugeben”. Einig sind sich die Schülerinnen und Schüler hingegen bei der Frage, ob auch Frauen in eine etwaige Wehrpflicht mit einbezogen werden sollten. Dem stimmen 100 Prozent zu. Ebenso der Frage, ob jeder Mensch zumindest gefragt werden sollte, ob er freiwillig einen Dienst leisten wolle.

„Caren Miosga“: Das waren die Gäste:

  • Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesaußenminister a. D.
  • Jana Puglierin, Sicherheitsexpertin
  • Hauke Friedrichs, Journalist („Zeit Online“)

Die Schulumfrage macht vor allem deutlich: Viele Menschen in der Bevölkerung haben Angst, dass es einen Krieg auch hierzulande geben könnte, aber die Bundeswehr ist nicht attraktiv. So sieht es auch „Zeit”-Journalist Hauke Friedrichs. Er selbst war bei der Marine, würde sich heute aber wahrscheinlich gegen die Bundeswehr entscheiden, wie er sagt. „Die Bundeswehr hat wenig attraktive Argumente, aber zahlreiche Baustellen”, so der Journalist.

Anders sieht das der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen). Der einstige Wehrdienstverweigerer argumentiert, dass er es aufgrund von Putin heute anders sehen würde. „Jeder Mensch sollte sich zumindest fragen, ob er seinen Beitrag zur Verteidigung leisten will. Mir wäre es das wert”, sagt er.

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„Caren Miosga” in der ARD: „Wir müssen anders über Sicherheit nachdenken”

Jana Puglierin ist Sicherheitsexpertin und setzt sich für ein gesamtgesellschaftliches Pflichtjahr ein. „Es geht nicht nur um militärische Gefahren”, sagt sie. Auch das THW oder das Rote Kreuz seien bei Angriffen gefragt. Ihr Appell: „Wir müssen anders über Sicherheit nachdenken.“

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Dabei steht fest: Die 182.857 aktiven Soldaten und Soldatinnen in Deutschland wären viel zu wenig, wenn sich das Land wie die Ukraine verteidigen müsste. Auch die rund 900.000 Reservisten würden da nicht groß weiterhelfen, wie Hauke Friedrichs erklärt. „Es gibt keine Kreiswehrersatzämter mehr, die die Daten abrufen könnten, die Daten sind weg”, sagt er. „Die könnten niemanden rufen.”

Hinzu kommt: In Sachen Munition und Waffensystemen ist Deutschland „blanker als blank”, so der Journalist. Je nach Waffensystem sei die Munition im Fall der Fälle nach wenigen Tagen aufgebraucht. „Wir haben so wenige Waffensysteme, da brauchen wir uns um die Munition eigentlich gar keine Gedanken zu machen“, sagt er.

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Deshalb, so Puglierin, würde eine Wehrpflicht keine grundlegende Änderung der Probleme der Bundeswehr mit sich bringen. Ohnehin wäre das ein eher langfristiges Projekt. „Die Wehrpflicht ist kein Pflaster, das man schnell draufklebt und dann ist das Problem behoben”, sagt sie. Es brauche auch bessere Ausrüstung, Besoldung und Arbeitsbedingungen.

Oder wie Hauke Friedrichs es sagt: „Die Wehrpflicht ist eine Scheindebatte”. Expertinnen und Experten gingen davon aus, dass „Moskau bereits ab 2029 in der Lage ist, Nato-Gebiet anzugreifen”, so der Journalist. Mit etwa zehn bis 15 Jahren koste die Wehrpflicht Zeit, „die wir nicht haben.”