„Ich glaube nicht, dass uns Schulden retten, wenn uns eigentlich Fachkräfte fehlen“, „Ich halte diese Koalition nicht für zukunftsfähig, ihr sind junge Menschen egal“, oder „Die Regierung muss Einigung ausstrahlen – auch nach außen“ – das sind drei der Bürger- und Bürgerinnenstimmen, die zu Beginn von „Hart aber fair“ in einem Einspieler zu sehen sind.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Und sie machen eins deutlich, wie der SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner es formuliert: „Diese Koalition darf nicht scheitern.“ Nicht scheitern, das heißt für ihn, dass das „Verantwortungsbündnis“ vernünftig geführt werden und Kompromisse finden müsse. Oder wie die ehemalige Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang es unter Applaus aus dem Publikum sagt: „Noch eine gescheiterte Regierung können wir nicht brauchen.“
„Hart aber fair“: Das waren die Gäste:
- Serap Güler (CDU), Bundestagsabgeordnete
- Ralf Stegner (SPD), Bundestagsabgeordneter
- Souad Lamroubal, Kommunalbeamtin und Migrationsexpertin
- Andrea Thoma-Böck, Unternehmerin in der Metallindustrie und CDU-Mitglied
- Ricarda Lang (Bündnis 90/Die Grünen), Bundestagsabgeordnete und ehemalige Parteivorsitzende
- Stefan Kerth (parteilos), Landrat des Kreises Vorpommern-Rügen
- Sebastian Klein, Start-up-Unternehmer
Doch wie schwer diese Kompromissfindung bei zwei Parteien mit unterschiedlichen Ansichten sein kann, zeigt auch dieser Abend im Kleinen. Mal wieder geht es um die seit Monaten bestimmenden Themenblöcke Wirtschaft und soziale Gerechtigkeit sowie Migration. Schließlich sind auch das die Themen, bei denen es in den Koalitionsverhandlungen die größten Differenzen gibt – und die bereits den Wahlkampf bestimmt haben.
Andrea Thoma-Böck ist Unternehmerin in der Metallindustrie und CDU-Mitglied. Sie spricht von einer „miserablen Stimmung“ in der Industrie, viele Unternehmen würden „ums Überleben kämpfen“. Ihr Gefühl: Wahlversprechen würden umgekehrt, dringend benötigte Strukturreformen finden nicht statt.
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Sebastian Klein ist Start-up-Unternehmer und hat 90 Prozent seines mit seinem Unternehmen erwirtschafteten Vermögens in eine gemeinnützige GmbH überführt. Denn er ist überzeugt: „Die extreme Ungleichheit und die extremen Vermögen in Deutschland haben das Potenzial, die Demokratie zu zerstören.“ Er setzt sich deshalb dafür ein, extrem hohe Vermögen stärker zu versteuern.
Unternehmer zu CDU-Politikerin bei „Hart aber fair” in der ARD: „Sie sind nicht gut informiert”
Genau diese Debatte ist es, die den Großteil des Abends bestimmt, aber viel zu oft auch durcheinandergeht und springt. CDU-Bundestagsabgeordnete Serap Güler (CDU) sieht in der Umverteilung „keins der dringendsten Probleme“ und will lieber Investitionsanreize für Superreiche schaffen. Sie behilft sich bei ihrer Argumentation so sehr mit Gemeinplätzen, dass Klein irgendwann unter lautem Applaus aus dem Publikum sagt: „Da sind sie aber nicht gut informiert, wenn sie uns das hier erzählen wollen.“
„Der Reichtum des einen hat was mit der Armut des anderen zu tun“, findet auch Ralf Stegner. Und Ricarda Lang bekommt Applaus für die Aussage, dass die schlechte wirtschaftliche Lage „auf ein extrem ungerechtes Steuersystem in Deutschland trifft.“
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Und dann ist da noch die Schuldenbremse. Das erste vom wahrscheinlich zukünftigen Bundeskanzler gebrochene Wahlversprechen. Lang zeigt sich skeptisch, ob die zusätzlichen Investitionen letztlich tatsächlich für die Infrastruktur ausgegeben werden – und erntet erneut Applaus. Diesbezüglich ist sie an diesem Abend federführend, nicht die Vertreterinnen und Vertreter der zukünftigen Regierungsparteien.




