Film

Und die Erde ist doch eine Scheibe: „Gods of Egypt“

Renn und spring. So funktionierten die ersten Videospiele. So funktionieren heute auch Blockbuster. Die Geschichte kriegt dabei Seitenstechen.

Wie bau ich meinen Gott wieder auf? Bek (Brenton Thwaites, r.) mit Horus (Nikolaj Coster-Waldau.)

Wie bau ich meinen Gott wieder auf? Bek (Brenton Thwaites, r.) mit Horus (Nikolaj Coster-Waldau.)

Foto: Concorde

Jump and Run. Spring und renn. Das war die Ur-Dramaturgie der ersten Computerspiele. Und auch wenn die Kulissen und Szenarien immer ausgefeilter geraten, ist sie das eigentlich immer noch. Das sieht man nicht nur Filmen an, die nach solchen Spielen entstehen. Inzwischen sehen auch Filme, die gar nicht auf Videogames beruhen, so aus.

Wie „Gods of Egypt“. Immerzu sacken hier Steinböden weg, knicken Säulenhallen ein, winden sich Riesenschlangen durch die Wüste, flammen Feuersbrünste auf. Und die Helden müssen rennen und springen. Ein einziger Dauerspurt. Der Reiz besteht nur in der Verpackung – weil das Spektakel im antiken Ägypten spielt.

Dazu wird der Osiris-Mythos bemüht: Set (Action-Veteran Gerard Butler), der Gott der Wüste, tötet seinen Bruder Thot, den Gott der Weisheit, bei der Krönung von dessen Sohn Horus (Nikolaj Coster-Waldau aus „Game of Thrones“) und unterjocht das Land.

Es bedarf eines kleinen Menschleins (Branton Thwaites), den besiegten Gottessohn wieder aufzubauen und gegen den bösen Onkel zu rüsten.

Wie weit das sagentechnisch stimmt, ist reichlich egal. Denn in die Tiefe geht der Film nicht durch große Konflikte oder gar Psychologisierung der Figuren, sondern allein durch die 3D-Brille, wenn die nächste Säule auch auf den Zuschauer zu stürzen droht. Das ist dann nur was für halbwüchsige Computernerds.

Eigentlich schade. In den 50er-Jahren, der Hoch-Zeit des Monumentalfilms, ließen die großen Studios Tausende von Statisten durchs Breitwandbild stapfen und pompöse Kulissen errichten. Dank moderner Computertechnologie ist es ein Leichtes, das alles noch monumentaler zu generieren und Massen zu verzehnfachen.

„Gods of Egypt“ könnte also aussehen wie eine zeitgemäße Version von, sagen wir, „Sinuhe der Ägypter“. Nur belässt es Regisseur Alex Proyas, der mit Filmen wie „The Crow“ einmal Maßstäbe im Gothic-Kino gesetzt hat, sich tricktechnisch auszutoben, und vergisst darüber eine relevante Geschichte, an die man sich noch nach dem Abspann erinnern könnte.

Im Fantasie-Ägypten bekämpfen sich die alten Götter mit sehr heutigen Martial-Arts-Techniken. Das sieht dann manchmal aus wie in „Zorn der Titanen“, dem altgriechischen Actionpendant, manchmal auch wie ein Lichtschwertkampf à la „Star Wars“ oder wie das aktuelle Duell „Superman v Batman“. Diese Filmmythen spielen hier eindeutig die wichtigere Rolle.

Nur manchmal blitzt durch, was aus dem Film hätte werden können. Wenn etwa die Menschen nur halb so klein wie die Götter sind. Oder wenn man zum Sonnengott Ra (Geoffrey Rush) ins All fliegt. Der zieht die Sonne in einer Art Cabrio-Raumschiff hinter sich her, während die Erde unter ihm eine Scheibe ist. Das ist dann antike Science-Fiction und macht wirklich Spaß.

Aber dann kommt die nächste Actioneinlage. Dann heißt es wieder Jump and Run. Da kriegen dann nicht nur die Helden, sondern auch der Film Seitenstechen. Und auch als Zuschauer möchte man irgendwann weglaufen.