Film

Diese beiden Filmstars zeigen dem Krebs den Stinkefinger

Eine gelungene Tragikkomödie über eine todkranke Frau: „Im Himmel trägt man hohe Schuhe“. Da nimmt man auch manche Glattheit gern in Kauf.

Die eine kriegt ein Kind, die andere bekommt Krebs: Jess (Drew Barrymore, l.) und Milly (Toni Collette)

Die eine kriegt ein Kind, die andere bekommt Krebs: Jess (Drew Barrymore, l.) und Milly (Toni Collette)

Foto: BM

Susanne Leinemann

Wie macht man einen schicksalsschweren Film popcornleicht? Mit Humor. Man braucht Dialoge mit Witz und Tempo. Dazu eine wunderbare Hauptdarstellerin, die Tragik genauso spielen kann wie Klamauk: die Australierin Toni Collette, vielen noch in Erinnerung aus „Muriels Hochzeit“ und „Sixth Sense“.

„Im Himmel trägt man hohe Schuhe“ ist ein gelungener Mainstream-Film über eine Frau mit Brustkrebs. Milly, gespielt von besagter Toni Collette, erfährt eines Tages von ihrem Arzt, dass ein bösartiger Knoten in ihrer Brust sitzt. Sie hat, wie es halt so ist, ein bisschen mit der Vorsorge geschlunzt – als arbeitende Mutter von zwei kleinen Kindern, verheiratet mit ihrer Jugendliebe Kit (Dominic Cooper), hat sie eine Menge um die Ohren. Was nun folgt, sind die verschiedenen Stadien der Brustkrebs-Behandlung: es beginnt mit Chemo und endet mit der Abnahme beider Brüste.

Die Wohlfühl-Zone wird verlassen

Tod und Leben, in diesem Film geht alles Hand in Hand. Denn während Milly um ihr Leben kämpft, wird ihre beste Freundin Jess (Drew Barrymore) endlich schwanger. Milly und Jess sind engste Freundinnen seit Kindertagen – und so versucht Jess, so gut es geht, das Leid von Milly abzumildern. „Du siehst aus wie E.T.“, bemerkt sie spöttisch,, als Milly die Haare ausfallen. Beide lachen herzlich. Ein hübscher Insider, da Drew Barrymore auch bei „E.T.“ mitgespielt hat.

Doch je länger die Krankheit verläuft, je klarer auch wird, dass sie tödliche Kraft hat, desto schwieriger wird es für die Freundinnen, ihre Leichtigkeit weiter zu behaupten. So kommt es irgendwann zu einem Zerwürfnis der beiden. Der Film traut sich, die Wohlfühl-Zone zu verlassen. Milly wird als Todkranke nicht netter, dafür ist sie viel zu verzweifelt.

Toni Collette füllt den Raum mühelos

Natürlich bleibt das Zerwürfnis im Rahmen, am Ende findet man sich wieder. Ein gewisser Weichzeichner liegt über allen Bildern, das Hospiz in der Schlussszene sieht aus wie ein Haus der Romantik-Hotel-Kette, die Krankenhäuser sind clean und modern. Die US-Regisseurin Catherine Hardwicke, die mit der „Twilight-Saga“ einen enormen Kassenerfolg verbuchen konnte, versteht ihr Handwerk perfekter Oberflächen. Tod hin- oder her: Hier sieht alles gut aus.

Egal. Die Schauspielerin Toni Collette gibt ihrer Figur Milly eine große Wahrheit und Tiefe. Was man leider über Drew Barrymore nicht sagen kann: Jess hat während des Films lediglich ein, zwei Gesichtsausdrücke zur Verfügung. Mehr ist schauspielerisch nicht drin. Egal, ihr Gegenpart Toni Collette füllt den Raum mühelos. Genau wie die anderen, sehr guten Nebendarsteller (Jacqueline Bisset als Mutter von Milly, Paddy Considine als Freund von Jess).

Reale Vorlagen

Der größte Charme entsteht aber aus den schnellen Dialogen und dem Screwball-Tempo des Films. Das verdankt man dem Drehbuch der Engländerin Morwenna Banks. Die 54-Jährige verlor vor wenigen Jahren drei enge Freundinnen in kurzer Zeit. Alle drei starben an Brustkrebs, sie wurden kaum älter als 40 Jahre. Mit einer Freundin, Deborah, begann sie damals einen Roman zu verfassen, „a funny novel“, doch irgendwann war Deborah zu erschöpft, um weiterzuschreiben. Sie starb wenig später. Der Film – im Original trägt er den Titel: „Miss You Already“, übersetzt „Vermisse Dich schon jetzt“ – ist diesen drei Freundinnen gewidmet. Und Banks trifft durchgehend den richtigen Ton.

Alle im Film zeigen dem Krebs den Stinkefinger, so lange es nur geht. Selten war die Auswahl der Perücke, nachdem die Haare ausgefallen sind, so lustig wie hier. Lieber Afro oder Typ verstaubte Grundschullehrerin? Der Film verschweigt aber auch nicht, wie sehr so eine schwere Krankheit ein Familienleben lahm legt, wie sie alle überfordert, auch die Kinder. Hier gibt es kein Happy End. Und doch verlässt man das Kino happy.