Kino

Zwei Monate verschüttet: Die Eingeschlossenen von Chile

Die ganze Welt bangte bei dem Grubenunglück mit. Nun gibt es den Film zur Katastrophe. Er liefert aber nicht mehr, als man schon erwartet hätte.

Aushalten, bis Hilfe kommt:  Lou Diamond Phillips (l.) als Don Lucho und Antonio Banderas (M.) als Mario Sepúlveda mit ihren 31 Leidensgenossen

Aushalten, bis Hilfe kommt: Lou Diamond Phillips (l.) als Don Lucho und Antonio Banderas (M.) als Mario Sepúlveda mit ihren 31 Leidensgenossen

Foto: Douglas Kirkland / dpa

Wer würde sich nicht an die dramatische Zeit vor sechs Jahren erinnern, als 33 Bergleute irgendwo in der chilenischen Einöde 700 Meter unter Tage eingeschlossen waren? Die Weltöffentlichkeit, sonst reichlich desinteressiert am Schicksal der verarmten Arbeiterschaft dieses Landes, blickte plötzlich wie hypnotisiert auf die Rettungsaktion, die wie aus dem Handbuch für spannende Erzählungen abgeschrieben schien.

33 langsam verhungernde Männer mit knappen Licht- und Luftreserven, eingeschlossen in einem instabilen Grab aus Stein – und an der Oberfläche verzweifelt mit schwerem Gerät kämpfende Retter, immerzu schwankend zwischen Optimismus und Resignation.

Die Bilder aus den Köpfen

Noch unter Tage hatten die 33 „Mineros“ damals beschlossen, ihre Geschichte weltweit zu verwerten. So entstand das Bestseller „Deep Down Dark“ des Journalisten Hector Tobar, der wiederum die Vorlage für diesen Film bildet.

Und so sehen wir eine Geschichte, die wir bereits kennen, deren Bilder aber bislang nur in unseren Köpfen existierten: Die Bergleute fahren in die Tiefen des zerlöcherten Bergs hinein, der bald mit wildem Getöse kollabiert und ihnen nur wenig Raum zum Überleben lässt und noch weniger für Hoffnung.

Nun muss es einem Film nicht zwangsläufig schaden, wenn man sein Ende schon kennt. Auch bei „Titanic“ wussten wir, dass das Schiff untergehen würde. Aber in einem solchen Fall sind Drehbuch und Regie dringend auf Ideen angewiesen, die über die schiere Chronik der Ereignisse hinausweisen - sonst bleibt das Projekt im Dokumentarischen stecken.

Und so rätselt der Zuschauer schon nach einer halben Stunde darüber, wofür die mexikanische Regisseurin Patricia Riggen eigentlich all diese bekannten Schauspieler zusammengetrommelt hat. Wir sehen Antonio Banderas in der Rolle des Mario Sepúlveda, dem unter Tage die Rolle des Leitwolfs und Provianthüters angetragen wird.

Die Figuren bleiben leider blass

An der Erdoberfläche bangt Juliette Binoche um das Schicksal ihres eingeschlossenen Bruders (ihre Rolle war übrigens eigentlich für Jennifer Lopez vorgesehen). Gabriel Byrne darf den sorgenvollen Chefingenieur geben, während Lateinamerikas Starschauspieler Rodrigo Santoro („Lost“) als Laurence Golborne das politische Krisenmanagement übernimmt.

Aber sie bleiben allesamt blass. Das Drehbuch nimmt sich zwar gegenüber der Realität ein paar Freiheiten heraus, in dem es etwa über Tage eine Schwangerschaft erfindet, die es damals nicht gegeben hat. Aber es scheitert daran, eine psychologische Chemie zwischen seinen Charakteren herzustellen und eine zweite Geschichte zu finden, um den Zuschauer zu fesseln.

So bleibt es bei recht hausbackenem Katastrophenkino mit flachen Figuren, das von der Imponiermusik des vergangenen Sommer bei einem Unfall verstorbenen Komponisten James Horner („Avatar“) dann oft auch ins seltsam Melodramtatische verschoben wird. Man hätte mehr daraus machen können.