Kino

Das Rot steht ihm gut: Ryan Reynolds glänzt als „Deadpool“

Mit seinem ersten Comic „Green Lantern“ ist er ja gefloppt. Aber jetzt kommt Ryan Reynolds in Rot. Eine Parodie auf die ganze Zunft.

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Diese ganzen Comic-Filme arten ja langsam zu einem regelrechten Inzest aus. Demnächst wird bereits der dritte Darsteller als Spider-Man durch die Lüfte sausen, und der wievielte Batman ist eigentlich Ben Stiller? Dann gibt es aber auch noch Superhelden, die ihr Kostüm wechseln.

So war Chris Evans erst die lebende Fackel bei den „Fantastischen Vier“, bevor er zu „Captain America“ aufstieg. Und jetzt also auch Ryan Reynolds. Der ist ja erst in ein grünes Superheldenkostüm geschlüpft, für „Green Lantern“, der, man mag sich erinnern, ziemlich gefloppt ist. Jetzt aber kehrt er plötzlich, ganz in Rot, als „Deadpool“ zurück.

Er schimpft und flucht in einem fort

Noch ein Comic-Held, mag man denken. Und wirklich melken die DC- und Marvel-Macher ihre alten Comic-Strips fürs Kino ab, wo sie nur können, und graben jetzt auch schon Superhelden der C-Klasse aus.

Aber „Deadpool“ darf man nicht verpassen. Für Comic-Fans ist er sowieso ein Muss. Aber wer mit dem Genre eher nichts anfangen kann, der ist hier auch goldrichtig. Weil „Deadpool“ nichts weniger ist als eine Parodie auf seine eigene Zunft.

Das fängt schon mit einem herrlichen Vorspann an, in dem statt der Namen der Stars alle Verrisse, die dem Film drohen könnten („Komplett überflüssig“. „Teeniefilm“) erscheinen. Es geht damit weiter, dass dieser Deadpool sich in einem fort durch seinen Film flucht und schimpft und unflätige Worte von sich gibt.

Und jedem zu verstehen gibt, dass er kein Superheld ist. Super zwar, das schon, aber eben kein Held. Und dann tut der Mann im roten Ganzkörperkondom etwas, was ein No-No im Kino ist: Er wendet sich direkt an sein Publikum.

So viel Selbstironie war nie

Es geht gleich los mit einem irren Showdown, bis der Film plötzlich angehalten wird und dahin zurückfährt, was bei anderen Filmen erst lähmend lang erzählt wird: wie aus einem einfachen Menschen so was Übernatürliches werden kann.

Rahmenhandlung und Rückblende werden immer wieder unterbrochen, was dem Ganzen einen frechen Drive gibt. Und der Held steht dabei noch auf einer ganz anderen Ebene, wenn er dem Publikum mit ironischen Verweisen kommt wie der Frage, wem er wohl die Klöten gekrault hat, um einen eigenen Film zu kriegen.

Das ist, nach all den X-Men- und Avengers-Universen, wahnsinnig erfrischend. Denn Superhelden müssen ja immer so was hehres Idealistisches haben, was sie, egal welcher Filmstar darunter steckt, immer auch etwas langweilig macht.

Und Langeweile, das ist nun wieder ein Wort, das ziemlich gut auf Ryan Reynolds passt, der ein zugegeben attraktives Äußeres aufweisen kann, aber bisher eher nicht so als Schauspieler überzeugte. Und dann das: Als Wade Wilson, der zynische Söldner, der zu Deadpool wird, ist er erst mal kantig, unrasiert und bar-arschig.

Und als er sich, um seine Krebskrankheit zu heilen, einem peinvollen Gen-Experiment unterzieht, verleiht ihm dieses nicht nur seine Superkräfte - er ist danach auch völlig vernarbt und entstellt. Das ist eine einzige Absage an Reynolds’ sonstiges Schönchen-Image, ein Gegenwurf, ja ein Exorzismus.

Was auf den Schauspieler ganz offensichtlich wie ein Befreiungsschlag wirkt. Vergesst den glatten Langeweiler und Schwiegermutti-Liebling aus all diesen Schmachtefilmen. Vergesst auch seinen traurigen Einstand als Grüne Laterne, die nie eine Fortsetzung erfahren hat.

So kann das gern weiter gehen

Das Rot steht ihm gut. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, hat Reynolds schon länger versucht, mit dieser Figur zu punkten. Er hat schon in „X-Men: Wolverine“ 2009 (ein Jahr vor „Green Lantern“) mal kurz den Deadpool gegeben und dafür schließlich einen eigenen Film erstritten.

So kann das gern weiter gehen. Hoffen wir nur, dass er auch weiter auf Solo-Pfaden unterwegs ist und nicht in die sonstigen Marvel-Universen zwischen all die anderen Superhelden einreiht.