Das Gleichgewicht der Kräfte, das eigentlich immer eher ein Ungleichgewicht war, verschiebt sich. Die Vereinigten Staaten und China rücken - nun unter dem Druck der Krise - näher und näher zusammen, politisch noch zögerlich, aber wirtschaftlich dafür umso nachdrücklicher.
Wie diese Allianz in Zukunft funktionieren könnte, machen Hollywood und die chinesische Filmindustrie mit gemeinsamen Projekten wie "Forbidden Kingdom", Rob Minkoffs Hommage an die Fantasy- und Martial-Arts-Filme der 70er- und 80er-Jahre, schon einmal vor.
Jason (Michael Angarano), ein 17-jähriger Teenager aus South Boston, liebt die alten Kung-Fu-Filme der Shaw Brothers über alles, und so verbringt er den größten Teil seiner Freizeit im Laden des alten Hop (Jackie Chan) in Bostons Chinatown. Dort entdeckt er neben Bootleg-DVDs auch einen sagenumwobenen Kampfstab, den ihm der alte Mann schließlich anvertraut, als er von einer Jugend-Gang überfallen wird. Bei der Flucht vor der Gang stürzt Jason von einem Dach und wacht in einem mythischen China jenseits der Zeit auf. Dort erkennt der ständig betrunkene Kung-Fu-Meister Lu Yan (Jackie Chan) in ihm den "Sucher", der mit Hilfe des Stabs den seit Jahrhunderten zu Stein erstarrten Affenkönig (Jet Li) wieder zum Leben erwecken kann.
Jahrelang hat Hollywood es verstanden, die Stars des Hongkong-Kinos nach Amerika zu locken. Doch das ist jetzt nicht mehr nötig. Die Zeiten haben sich geändert, und so kommt die Traumfabrik nun lieber zu ihnen. Dank der Unterstützung durch die chinesische Filmindustrie ist es billiger, gleich dort zu drehen. Damit verändern sich aber auch die Filme. Früher wurden Stars wie Jackie Chan und Jet Li in typisch amerikanische Produktionen gepresst. Mittlerweile lassen ihnen Filmemacher wie Rob Mikoff jeden Freiraum und erhoffen sich davon Anstöße für die eigene Arbeit.
Natürlich kommt auch "Forbidden Kingdom" nicht an gewissen Konzessionen für ein westliches Publikum vorbei. Die erzählerische Klammer in Boston und der Charakter des amerikanischen Teenagers, der sich vom Filmfan in einen Kampfkunst-Helden verwandelt, waren vor diesem Hintergrund unumgänglich. Aber diese Zugeständnisse haben durchaus ihren Reiz. Schließlich betonen sie noch einmal, wie stark dieser erste gemeinsame Film von Jackie Chan und Jet Li in chinesischen Filmtraditionen verwurzelt ist.
Rob Minkoff ist zusammen mit dem berühmten Kampf-Choreographen Yuen Woo-Ping, der schon bei "Tiger und Dragon", den "Matrix"-Filmen und "Kill Bill" mitgearbeitet hat, tiefer in die Welt der fernöstlichen Fantasy-Abenteuer und Kampfkunst-Epen eingetaucht als je ein anderer Hollywood-Regisseur. Von der symbolischen Schwere, die Ang Lees Film kaum einmal wirklich schweben ließ, ist nichts mehr zu spüren. Stattdessen verströmt dieses Märchen eine anarchistische Leichtigkeit, die alle Grenzen zwischen fernöstlichen Weisheiten und Witzen wegbläst.




