"The Vice"

Christian Bale: So verlor er seine Extrakilos wieder

Der Schauspieler verrät , wie er sich in Dick Cheney verwandelte – und wie er danach die 20 Extrakilos wieder losgeworden ist.

Sechs Mal? Sieben Mal? Christian Bale kann nicht genau sagen, wie oft er schon auf der Berlinale war.

Sechs Mal? Sieben Mal? Christian Bale kann nicht genau sagen, wie oft er schon auf der Berlinale war.

Foto: Christof Soeder / dpa

Berlin. Er ist das Chamäleon des Kinos. Christian Bale ist ein Verwandlungskünstler. Und geht für seine Rollen auch physisch immer in die Vollen: Für „The Machinist“ hungerte er sich zum Skelett, für die „Batman“-Filme pumpte er sich auf, für „The Vice“, der nun auf der Berlinale außer Konkurrenz lief, fraß er sich 20 Kilo an, um den von ihm dargestellten Dick Cheney ähnlicher zu werden. Für die Rolle ist Bale einmal mehr für einen Oscar nominiert. Die Chancen stehen gut, dass er den in zehn Tagen bekommen wird. Wir sprachen den Filmstar im Regent Hotel.

Willkommen zurück. Haben Sie eigentlich mal gezählt, wie oft Sie schon auf der Berlinale waren?

Christian Bale: Ich denke, es müsste das sechste Mal sein. Könnte aber auch das siebte sein. Ich kann es wirklich nicht sagen.

Also können Sie bald Deutsch sprechen?

Ja, aber behalten Sie’s für sich! (lacht).

Hat es Sie eigentlich überrascht, als Regisseur Adam McKay Ihnen vorschlug, Dick Cheney zu spielen?

Ich weiß heute noch nicht, wie Adam darauf kam. Ich wusste, dass er ein Script über Cheney schrieb, und seine Drehbücher sind immer großartig. Aber ich hatte keine Ahnung, welche Rolle er für mich vorsah. Auf Cheney wär’ ich nie gekommen.

Wie war das, als Sie sich zum ersten Mal als Dick Cheney im Spiegel sahen?

Das war ja eine allmähliche Transformation. Das zog sich über Monate hin, und als dann gedreht wurde, habe ich täglich vier Stunden in der Maske gesessen. Ich hatte also keine Gänsehaut, weil ich nicht mit einem Mal so aussah. Das ging Schritt für Schritt.

Half es, diese Tonnen an Maske zu tragen, um dem Mann näherzukommen?

Natürlich. Ich muss mich immer total verwandeln, nicht nur psychologisch. Das sind keine verschiedenen Sachen, ich geh da immer von innen und von außen ran. So eine Verwandlung hilft, um dich anders zu fühlen, um tiefer zu gehen. Du musst ganz weit von dir wegkommen, sonst bist du blockiert.

Woher kommt Ihre Obsession, Ihren Körper wieder und wieder so zu verwandeln?

Das ist keine Obsession. Ich habe das Glück, das tun zu dürfen. Mir haben immer Leute imponiert, die Grenzen ausloten, die ausreizen, was möglich ist. Und als ich Schauspiel studierte dachte ich, wenn ich meinen Arsch nicht hoch kriege und das tun kann, werde ich den Job nicht lange haben.

Aber nicht jeder hungert sich dürr oder nimmt 20 Kilo zu, um eine Rolle zu spielen. Andere würden zum Fatsuit greifen.

Aber das hat auch etwas sehr Erfüllendes und Befriedigendes, wenn man eine Herausforderung annimmt, von der alle denken, das ist unmöglich. Es gibt Leute, die meinen, das sei nur eine Masche. Nein, ist es nicht. Wenn du plötzlich gar keinen Nacken mehr hast, sondern nur noch eine Wulst, dann macht das was mit dir. Irgendwann kriegst du das Gefühl, ein unbewegliches Objekt zu sein. Und das ist Cheney, auch mental: ein unbewegliches Objekt. Das war etwas, was mir körpermäßig wirklich sehr geholfen hat.

Mal eine ganz persönliche Frage: Was sagt Ihre Frau zu solchen Körperexzessen?

Sie liebt es, sie sieht dann schmaler aus.

Sich Kilos anzufressen, ist eine Sache. Sie wieder zu verlieren, ist viel schwieriger. Verraten Sie uns, wie Sie das hinkriegen!

Indem man eine Menge Wasser trinkt. Hungrig zu Bett geht. Und ständig schlecht gelaunt ist.

Haben Sie Cheney eigentlich je getroffen?

Das hätte ich gern getan, aber die Filmanwälte sagten, tu’s nicht, er kann uns nicht stoppen, aber er wird uns ganz sicher in einen Prozess hineinziehen.

Als Sie vor einem Monat den Golden Globe gewonnen haben, haben Sie Satan gedankt. Ist das Ihre Vorstellung von ihm?

Nein. Ja. Es war ein Witz. Aber was Wahres ist schon dran. Der Mann entschuldigt nicht und versteht auch nicht mal, was er im Irakkrieg angerichtet hat. Das war ohne jede Moral, und Hunderttausende Unschuldige sind deshalb gestorben. Auch wenn mein Name Christian ist, bin ich nicht christlich, ich glaube auch nicht an eine Hölle. Aber Sie verstehen schon, was ich gemeint habe.

Was glauben Sie, können Politfilme wie „Vice“ etwas bewirken in der öffentlichen Meinung?

Ich hasse es zu sagen, wir machen wichtige Dinge. Aber ich glaube schon, dass wir was bewirken können. Wir geben einen Zugang, wir werfen ein Licht darauf, was sie da tun. Es gibt Politiker, die lähmen, weil sie alles so kompliziert machen. Damit die Leute glauben, dass sie das nicht verstehen können. Das macht diese Leute ja so stark, genau darin lag ja die Macht von Cheney.

Hätte Donald Trump einen Vize wie Dick Cheney, der eigentlich die Strippen zieht, wäre die Welt besser oder schlechter?

Puh. Cheney ist ein Falke, der würde niemanden wie Trump tolerieren. Cheney liest auch. Und nimmt Briefings seiner Geheimdienste ernst. Wäre Trump gefährlicher mit einem Cheney? Auf jeden Fall. Denn er hätte jemanden, der genau versteht, wie die Regierungsmaschinerie läuft.

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