Preisträger 2013

Bären-Gewinner Nazif Mujic verarmt in Bosnien gestorben

2013 gewann Nazif Mujic den Bären als bester Darsteller. Sein Antrag auf Asyl in Deutschland wurde abgelehnt. Nun starb er mittellos.

Der bosnische Schauspieler Nazif Mujic bei den Filmfestspielen in Berlin

Der bosnische Schauspieler Nazif Mujic bei den Filmfestspielen in Berlin

Foto: Daniel Naupold / dpa

Berlin. Es ist eine zutiefst tragische Geschichte. Und vielleicht eine der schlimmsten Fehlentscheidungen, die je eine Berlinale-Jury getroffen hat. Auch wenn sie es natürlich nur gut gemeint hatte und damit ein politisches Zeichen setzen wollte. Am 16. Februar 2013 gewann die quasi-dokumentarische Sozialstudie „Aus dem Leben eines Schrottsammlers“ des bosnischen Regisseurs Danis Tanic nicht nur den Großen Preis der Jury.

Nein, auch der Schrottsammler selbst, Nazif Mujic – der darin sich selbst gespielt hat, einen in großer Not und Armut lebender Mann, der darum kämpft, seine Familie zu ernähren –, wurde damals mit einem Silbernen Bären als bester Schauspieler ausgezeichnet. Unvergessen, wie er damals ins Blitzlichtgewitter strahlte. In einem geliehenen Smoking und mit nur noch wenigen Zähnen. Das Tragische aber: Mujic hielt sich danach allen Ernstes für einen Filmstar. Die Angebote freilich blieben aus. Nun ist er völlig verarmt gestorben. Am 18. Februar, fast genau fünf Jahre nach dem Berlinale-Triumph, dem vermeintlich größten Tag in seinem Leben. Ein makabres Sterbedatum, als sei Mujic bis zuletzt schicksalhaft mit dem Filmfestival verbunden.

„Mit großem Bedauern haben die Internationalen Filmfestspiele Berlin erfahren, dass Nazif Mujic am 18. Februar 2018 verstorben ist“, teilte die Berlinale mit. Sein Cousin Mehmed Mujić hatte dem Nachrichtenportal Klix.ba in Sarajevo bekannt gegeben, dass Nazif Mujic am Sonntag tot gefunden worden sei. Wie alt der Bosnier genau war, darüber liegen keine exakten Angaben vor.

Tanovics Film schilderte einen Tag aus dem Leben der Roma-Familie und wollte damit aufwühlen, unter welchen Umständen sie leben musste. Plötzlich auf dem Roten Teppich im Blitzlichtgewitter zu stehen und auch noch einen renommierten Schauspieler-Preis zu erhalten, das ging weit über Mujics Vorstellung hinaus. Und das hat er letztlich wohl nie verarbeitet. Denn danach hat sich keiner mehr für ihn interessiert.

Im Jahr darauf kam Nazif Mujic noch einmal zur Berlinale. Weil er einen Asylantrag gestellt hatte, aber abgeschoben werden sollte. Noch einmal wollte er das Festival in eigener Sache nutzen, und die Berlinale unterstützte ihn auch dabei. „Ich würde jeden Job machen in Deutschland“, sagte er damals. Und auch: „Ich würde meinen Bären hergeben, wenn ich bleiben könnte.“ Der Asylantrag wurde dennoch abgelehnt.

Mujic ist dann 2014 mit seiner Frau und seinen Kindern in sein Heimatdorf Svatovac, 125 Kilometer südlich von Sarajevo, zurückgekehrt. Dort sollen sie über ihn gelacht haben, weil er sich schon in Hollywood gesehen hatte und dann doch wieder Tagelöhnerjobs annehmen musste. Auch seinen Silbernen Bären soll er verkauft haben, als er mal wieder in Geldnot war – für 4000 Euro.

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